DHB: Daniel Stephan kritisiert "eklatante Fehlentscheidung" zu Christian Prokop

Prokop bleibt Bundestrainer": Stephan kritisiert DHB für "eklatante Fehlentscheidung"

Ex-Welthandballer Daniel Stephan hat den Deutschen Handballbund für das Festhalten an Bundestrainer Christian Prokop scharf kritisiert. Der Coach stand nach dem EM-Aus massiv in der Kritik, es gab Berichte über Spannungen zwischen Trainer und Team.

Er halte das für "eine eklatante Fehlentscheidung", schreibt Stephan am Dienstag in seiner Kolumne für Sport1. "Ich weiß von Spielern, die sich negativ geäußert haben - nicht offiziell, aber das zeigt: Es stimmt einfach hinten und vorne nicht zwischen Prokop und dem Team." Trotz der miserablen EM in Kroatien und offenkundiger Differenzen zwischen Prokop und Teilen der Mannschaft hatte sich der DHB am Vortrag überraschend für einen Verbleib des 39-Jährigen entschieden.

"Letztendlich hat sich die Macht von Bob Hanning gegen die Fakten durchgesetzt. Denn er hat sicherlich alles daran gesetzt, dass an seinem Schützling Christian Prokop festgehalten wird", meint der 44-jährige Stephan mit Blick auf DHB-Vize Hanning. "Denn sonst hätte er auch zurücktreten müssen. Das hätte sein Ego wahrscheinlich nicht verkraftet."

Hanning hatte Prokop vor einem Jahr als Nachfolger von Dagur Sigurdsson durchgesetzt und mit einem Fünfjahresvertrag bis 2022 ausgestattet. "Sollten jetzt die Ergebnisse ausbleiben, steht man vor einem Scherbenhaufen", schreibt Stephan. "Ich will mir gar nicht ausmalen, was passiert, wenn es nicht aufwärts geht."

Die Verbandsführung sieht dagegen den Weg frei für einen erfolgreichen Restart der deutschen Handballer - nun müssen sich der Coach und die Spieler für das große Projekt Olympia-Gold 2020 zusammenraufen. "Ich bin richtig froh, dass das Thema jetzt beendet ist. Wir haben Lösungen für Problemfelder angesprochen und auch eingeleitet", sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer. "Wir glauben an eine erfolgreiche Heim-WM und an erfolgreiche Olympische Spiele."

Wie reagieren die Spieler?

Die spannende Frage wird sein, ob alle Spieler aus dem EM-Kader bereit sind, den Weg mit Prokop weiterzugehen. Denn einige Leistungsträger hatten ihren Rücktritt angedroht für den jetzt eingetretenen Fall einer Weiterbeschäftigung des 39-Jährigen. Führungsspieler Steffen Weinhold appellierte daher in den "Kieler Nachrichten" (Dienstag): "Alle müssen jetzt einen Schritt aufeinander zugehen. Wenn drei, vier, fünf Spieler wegbrechen, fehlt es uns an Qualität."

Kromer hat in den zahlreichen intensiven Gesprächen, die er in den vergangenen drei Wochen geführt hat, allerdings keine Erkenntnisse über eine mögliche Rücktrittswelle erlangt. "Ich gehe davon aus, dass wir bei der WM ein schlagkräftiges Team zur Verfügung haben", versicherte er. Auch DHB-Vizepräsident Bob Hanning rechnet nicht mit einem personellen Aderlass: "Ich gehe nicht davon aus, dass wir Veränderungen im Kader haben werden."

Ganz sicher kann sich der Verband aber nicht sein. Deshalb habe man "natürlich mit dem Trainer und der Mannschaft darüber gesprochen, welche Möglichkeiten und Notwendigkeiten bestehen, um mit voller Überzeugung in dieses neue Projekt hineinzugehen", berichtete Kromer.

Seine Erkenntnis daraus: "Wir sind zu 100 Prozent überzeugt davon, dass Christian Prokop mit seiner fachlichen Kompetenz das Team voranbringt und wir auf dem langen Weg zu Olympia auch ein tolles Zwischenergebnis bei der Heim-WM erzielen können."

(areh/dpa)