Deutsche Handballer nicht mehr weltklasse

DHB-Team auf Formsuche: Deutsche Handballer nicht mehr weltklasse

Die Niederlage im Härtetest gegen Norwegen zeigt, dass die deutsche Handball-Nationalmannschaft einigen Nachholbedarf hat und längst nicht WM-titelreif ist. Während der Japan-Reise soll daran gearbeitet werden.

Christian Prokop redete gar nicht erst um den heißen Brei herum. "Es ist aktuell die Wahrheit, was wir an der Anzeigetafel sehen", sagte der Handball-Bundestrainer unverblümt. Das empfindliche 25:30 (15:15) gegen Vizeweltmeister Norwegen untermauerte, dass die deutsche Nationalmannschaft sieben Monate vor der Heim-WM um den Anschluss an die absolute Weltspitze ringt. Schon die am Donnerstag gestartete Japan-Reise (bis 18. Juni) soll helfen, die Lücke zu schließen.

"Wir haben zehn Tage Zeit, neben dem Teambuilding auch an taktischen Dingen zu arbeiten", verdeutlichte Prokop, der nach dem EM-Debakel in Kroatien und harscher Kritik an seiner Person unter enormem Erfolgsdruck steht. Die Fortschritte müssen vor allem im Training geschehen, denn die beiden Vergleiche mit den von Ex-Bundestrainer Dagur Sigurdsson betreuten und international zweitklassigen Japanern (13. und 16. Juni) werden keine echte Aussagekraft haben.

Diese hatte das Duell mit den Skandinaviern schon eher, wenngleich am Ende einer kräftezehrenden Saison mildernde Umstände gelten. "Das Alibi wollen wir uns nicht nehmen, die Norweger haben eine ähnliche Belastung", sagte Prokop dennoch, während etwa Kreisläufer Hendrik Pekeler auf die Play-offs zur WM-Qualifikation verwies, die den Norwegern unmittelbar bevorstehen. "Sie waren etwas fokussierter", sagte er. "Ein bisschen ernüchternd" fand Rückraumspieler Julius Kühn das Ergebnis.

  • Fotos : Deutschland unterliegt Norwegen 25:30

Die Probleme der Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) beschrieb Prokop sehr deutlich. Es habe "Zugriff auf den Halbpositionen gefehlt", in der Abwehrarbeit habe die Aggressivität nicht ausgereicht und "natürlich sind wir mit unserer Quote im Abschluss nicht zufrieden", sagte der 39-Jährige. Allerdings sei "völlig klar", dass nach nur einer gemeinsamen Trainingseinheit in München gewisse Defizite bestanden hätten.

Auch wenn die WM vor der Haustür "noch so weit weg ist", wie Gensheimer meinte, für den DHB-Coach hat die Vorbereitung auf das Highlight im Winter schon Fahrt aufgenommen. Insbesondere die Reise zum Wiedersehen mit Sigurdsson, der im Land der aufgehenden Sonne mit Tipps zu Kultur und Leuten helfen soll, wird ein durchaus zentraler Baustein. Einschwören auf die WM ist die Überschrift. "So eine Reise kann noch mal einen anderen Zusammenhalt erbringen", glaubt Gensheimer, der aber "nie irgendwelche Stimmungsprobleme" in der Mannschaft bemerkt hat.

Gleichwohl galt das Verhältnis zum Trainer während des verheerenden EM-Turnier im letzten Januar als belastet und war neben den sportlichen Abschneiden der Anlass für die hitzigen Debatten nach dem Debakel. Prokop hat seither Dinge verändert, sich mehr Offenheit, mehr Gespräche, mehr Spaß auf die Fahne geschrieben. Der Trip zum Saisonabschluss vor dem ersehnten Urlaub wird Gelegenheiten dazu bieten. Aber eben auch zum Training. "Unser taktisches Konzept muss noch genauer in die Köpfe rein", forderte Gensheimer.

(SID)