Der VfL Gummersbach nach dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte

So steht es um den Klub : Der VfL Gummersbach nach dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte

Nach dem Abstieg steht dem VfL Gummersbach eine ungewisse Zukunft bevor. Wir verraten Ihnen, wie es um den VfL steht.

Der VfL Gummersbach ist zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte in die 2. Handball-Bundesliga abgestiegen. Nun kann es für die Oberbergischen natürlich nur ein Ziel geben: Den sofortigen Wiederaufstieg. Doch ist dieses Ziel realistisch? Und welche Auswirkungen hat der Abstieg in sportlicher und finanzieller Hinsicht? Wir beantworten die drängendsten Fragen zur Situation des traditionsreichen Handballklubs.

Wie ist es um den Kader bestellt?

Der Abgang des langjährigen Stammtorwarts Carsten Lichtlein stand schon vor dem Abstieg fest. Lichtlein war die Identifikationsfigur des VfL und wird auch aus sportlicher Sicht nicht leicht zu ersetzen sein. Im Tor sollen Filip Ivic und Matthias Puhle dennoch einen starken Rückhalt bieten.

Ivic, dessen Vertrag ursprünglich nur bei Bundesligazugehörigkeit galt, nimmt sogar Gehaltseinbußen in Kauf, um beim VfL bleiben zu können.

Im Rückraum könnte sich das Karriereende von Drago Vukovic bemerkbar machen. Mit Robin Haller aus Bietigheim haben die Gummersbacher einen Spieler mit Zweitliga-Erfahrung verpflichtet. Auch der österreichische Nationalspieler Alexander Hermann, der zuletzt für die HSG Wetzlar spielte, ist ein erfahrener Spieler, der Verantwortung übernehmen soll.

Der Kreisläufer Tin Kontric kommt vom kroatischen Rekordmeister RK Zagreb. Er hat bereits in der Champions League sowie bei der Handball-WM gespielt. Mit seiner frühzeitigen Unterschrift - zu einem Zeitpunkt, als der VfL bereits abstiegsgefährdet war - wollte der Kroate ein Zeichen setzen.

Der Rechtsaußen Lukas Blohme, der vom ASV Hamm-Westfalen kommt, hatte bei seiner Vertragsunterschrift darauf gehofft, dass er mit den Gummersbachern in der Bundesliga spielen darf. Er dürfte besonders motiviert sein, dieses Ziel doch noch zu erreichen.

Wie sieht es finanziell aus?

Die finanzielle Situation des VfL war schon vor dem Aufstieg nicht besonders gut und ist wohl auch einer der Gründe für den sportlichen Niedergang des Klubs in den letzten Jahren. Mit vier Millionen Euro war der Etat im Vorjahr einer der niedrigsten in der ersten Liga.

Nach dem Abstieg waren die Klub-Bosse froh, überhaupt die Lizenz für die zweite Liga erhalten zu haben. Wo der Verein im Vergleich mit der Konkurrenz steht, lässt sich nur mutmaßen, da die Geschäftsleitung hierzu keine aktuellen Angaben macht.

Der Verein strebt neben dem sportlichen Ziel Wiederaufstieg auch das wirtschaftliche Ziel Konsolidierung an. Das erhöht natürlich zusätzlich den Druck, aufzusteigen, da jedes Jahr ohne Bundesligazugehörigkeit für den VfL auch mit finanziellen Einbußen einhergeht.

Wie wahrscheinlich ist ein Wiederaufstieg?

Ob der sofortige Wiederaufstieg gelingt, ist angesichts des Umbruchs und der für die Gummersbacher ungewohnten Situation schwer zu sagen. Alles andere wäre allerdings eine Enttäuschung für den zwölffachen Meister aus dem Oberbergischen.

Das macht die Sache allerdings nicht gerade einfacher. Wie so oft bei Traditionsvereinen, klaffen Anspruch und Realität in Gummersbach seit Jahren auseinander. Jetzt gilt es, die neue Situation anzunehmen und vor allem die Gegner nicht zu unterschätzen.

Wo wird gespielt?

Der VfL wird weiterhin in der 2013 eröffneten Schwalbe-Arena seine Heimspiele austragen. Mit einer Kapazität von 4.132 Plätzen ist sie die drittgrößte Halle der zweiten Liga. In der Vorsaison war sie noch eine der kleinsten Hallen der ersten Liga.

In den Jahren vor der Eröffnung hatte der VfL noch in der Eugen-Haas-Halle und zeitweise in der Lanxess Arena gespielt. Jedoch war der Zuschauerandrang bei den Spielen in der Lanxess Arena zu niedrig, um die Kosten zu decken, während die Eugen-Haas-Halle veraltet und zu klein war.

Die Schwalbe Arena genügt allerdings den derzeitigen Ansprüchen des Klubs. Umgeben wird sie von mehreren anderen Neubauten wie einem Kino und einem Einkaufszentrum.

Wie reagieren die Fans auf den Abstieg?

In der Vorsaison kamen durchschnittlich 3.232 Zuschauer in die Schwalbe-Arena. In den letzten vier Jahren ist der Zuschauerschnitt von Jahr zu Jahr niedriger geworden, daher fürchteten die Klub-Bosse zunächst einen weiteren Zuschauerrückgang. Das erste öffentliche Training am 17. Juli war allerdings gut besucht. 700 Zuschauer kamen an dem Tag in die Schwalbe-Arena. Zudem wurden bereits über 1.000 Dauerkarten verkauft - mehr als im Vorjahr zu diesem Zeitpunkt. Der harte Kern der Fans wird also auch weiterhin zum VfL stehen.

Wer sind die künftigen Gegner?

Mit der HSG Krefeld, dem TSV Bayer Dormagen, der ASV Hamm-Westfalen, TuS Ferndorf, TuS N-Lübbecke, dem TV Emsdetten und TUSEM Essen zählen gleich sieben Klubs aus NRW zur Konkurrenz des VfL in der zweiten Liga.

Nachdem der HSC Coburg in der vergangenen Saison nur knapp den Aufstieg verpasst hat, könnten die Coburger in dieser Saison einer der stärksten Konkurrenten des VfL werden. Auch die SG BBM Bietigheim, die ebenso wie Gummersbach abgestiegen ist, tritt mit dem Ziel Wiederaufstieg an.

Der Aufstieg wird also kein Selbstläufer. Die Saison beginnt für die Gummersbacher am 24. August mit einem Heimspiel gegen TUSEM Essen.

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