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Coronavirus: Tennis, Handball, Basketball - so treffen die Absagen die Sportarten

Wirtschaftliche Folgen des Coronavirus : So treffen die Absagen die Sportarten

Viele Sport-Wettbewerbe und Ligen fallen wegen des Coronavirus aus. Vereinen und Veranstaltern drohen hohe finanzielle Verluste, für manchen geht es ums finanzielle Überleben. Wen trifft es besonders hart?

Während große Fußballvereine oder Tennisturniere einen Wegfall von Zuschauereinnahmen und Sponsorengeldern kompensieren können, stehen anderen Teams und Sportarten wegen der Ausfälle durch die Coronavirus-Pandemie vor dem finanziellen Aus. Ein Überblick über die möglichen Folgen.

Handball

Aktuelle Situation: Die Spiele der Handball-Bundesliga (HBL) sind bis mindestens Ende April ausgesetzt. Einen kompletten Abbruch der Saison wollen die Vereine vermeiden. Die HBL will den Vereinen am Montag einen Fahrplan für die weitere Spieltagsgestaltung vorlegen.

Wirtschaftliche Folgen: Ein Saisonabbruch würde für jeden Verein nach groben Schätzungen von HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann einen Verlust im mittleren sechsstelligen Bereich bedeuten. „Viel gravierender ist, dass die Planung für die kommende Saison derzeit in Zweifel steht. Es werden keine Dauerkarten verkauft, auch Sponsoren halten sich zurück“, sagte Bohmann. Die Sponsorengelder machen den mit Abstand größten Anteil an den Einnahmen der Klubs aus. Die zweite Säule sind die Spieltagserlöse. Die TV-Gelder, hauptsächlich aus dem Fernsehvertrag mit dem Pay-TV-Sender Sky, sind dagegen vergleichsweise gering und liegen bei etwa fünf Prozent des Gesamtetats.

Eishockey

Aktuell Situation: In der Deutschen Eishockey Liga (DEL) wird es dieses Jahr keinen Meister geben. Die Saison wurde vor den Playoffs abgebrochen. Es finden keine Spiele mehr statt. Dadurch, dass es aktuell keine Auf- und Absteiger gibt, war die Entscheidung nicht zu kompliziert.

Wirtschaftliche Folgen: Weil die Zuschauereinnahmen über die Saison hinweg laut DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke „60 bis 70 Prozent“ der Klub-Einnahmen ausmachen, trifft das Aus der Playoffs die DEL hart. Dass das Vorzeigeprodukt ausfällt, wird für die Liga die aktuelle Suche nach einem neuen Hauptsponsor erschweren. Die Playoffs seien „das beste Verkaufsmaterial, das wir haben. Dass das nicht hilft, ist selbstverständlich“, gab Tripcke zu. Und auch Vereine wie die Düsseldorfer EG fürchten, dass sie Sponsoren verlieren könnten. Außerdem werden dem Verein durch die Absage Einnahmen aus Fanartikelverkäufen fehlen.

Basketball

Aktueller Stand: Auch in der Basketball-Bundesliga ruht die Saison. Laut Bambergs Vereinssprecher Thorsten Vogt ist in zwei Wochen ein Treffen der Geschäftsführer der Vereine geplant, um die Zukunft zu besprechen.

Wirtschaftliche Folgen: Vor allem die kleineren Vereine sind auf die Einnahmen durch den Ticketverkauf und auf den Spieltagserlös angewiesen. „Es gibt keinen Grund, jetzt extreme Entscheidungen zu treffen, weil man die Situation analysieren muss“, sagte Marko Pesic, Geschäftsführer FC Bayern Basketball, am Sonntag im „Doppelpass“ bei Sport1. Wegfallende Zuschauereinnahmen dürften aber auch die BBL-Klubs hart treffen.

Tennis

Aktueller Stand Die Organisatoren der ATP-Tour, der Turniere für die Herren, haben alle Turniere, die in den nächsten sechs Wochen stattfinden sollten abgesagt. Die WTA-Tour der Frauen pausiert zunächst bis zum 19. April.

Wirtschaftliche Folgen: Die großen Tennisturniere und auch die Organisatoren der ATP- und WTA-Tour könnten durch große Sponsoren und TV-Gelder relativ glimpfliche davonkommen, da es einen finanziellen Puffer gibt. Dennoch bleiben auch für sie in diesem Jahr nun Einnahmen aus und bereits getätigte Kosten für die Turniere können nicht refinanziert werden. Deutlich härter trifft es aber kleinere Turniere, die bereits im Vorlauf hohe Kosten für die Organisation haben und nun keine Einnahmen verzeichnen werden. Gleiches gilt für die Tennisspieler, die ihr Einkommen nicht durch große eigene Sponsoren und frühere Preisgelder decken können. Viele von ihnen sind auf die Startprämien und eventuelle Preisgelder bei den Turnieren angewiesen.

Formel 1

Aktueller Stand: Die Saison in der Formel 1 soll frühestens im Mai starten. Die ersten drei Rennen sind bereits abgesagt, wahrscheinlich fallen auch die ersten beiden Rennen im Mai aus. Die Formel-1-Bosse wollen die Rennen in der Sommerpause im August nachholen.  Formel-1-Sportchef Ross Brawn rechnet derzeit mit mindestens 17 Grand Prix. Ursprünglich waren für dieses Jahr 22 Rennen vorgesehen.

Wirtschaftliche Folgen: Sollten einige Renne nicht mehr nachgeholt werden können, bedeutet das für einige Veranstalter einen Millionen Verlust. Zwar müsste die Liberty Media als Besitzerin der Serie wohl die Austragungsgebühr von etwa 27 Millionen Euro an die Ausrichter zurückerstatten. Gerade in Vietnam und in Zandvoort in den Niederlangen wurden aber darüber hinaus Millionen in den neuen Grand Prix investiert. Zumindest für 2020 würde der einkalkulierte Erlös fehlen. Viele Veranstalter gehen für die Formel 1 ohnehin schon an ihr wirtschaftliches Limit. Die kleineren Formel-1-Teams sind zudem auf die Siegprämien und auf die Sponsoren- und TV-Gelder angewiesen. Die könnten sich verringern, wenn weniger Rennen stattfinden.

Hier geht es zur Infostrecke: Welcher Sport wie lang pausiert

(rent/dpa)