Bergischer HC: Handball-Bundesligist auf Heimatsuche

Handball-Bundesliga: Bergischer HC auf Heimatsuche

Der Bergische HC hofft im Pokalduell mit den Rhein-Neckar Löwen am Dienstag vor allem auf den Heimvorteil in Solingen. Bei zwei Highlight-Spielen im November verzichtet er freiwillig auf die heimische Kulisse.

Der Bergische HC konkurriert nicht nur mit den besten Mannschaften der Welt, sondern auch mit Schulkindern. Zumindest, wenn es um Hallenkapazitäten geht. Sportlich hat der Aufsteiger seine Erstligatauglichkeit in der bisherigen Handball-Saison zwar bewiesen. Tabellenplatz vier nach neun Spieltagen spricht für sich. Tatsächlich steht der Solinger und Wuppertaler Bundesligist aber ohne erstligawürdige Heimspielstätte da.

Sowohl die Uni-Halle in Wuppertal als auch die Solinger Klingenhalle muss sich der BHC mit diversen Vereinen teilen – und eben mit Schülern und Studenten. Wenn der Klub am Dienstagabend (19.30 Uhr) im Achtelfinale des DHB-Pokals nun eine der laut BHC-Geschäftsführer Jörg Föste „besten Mannschaften der Welt“ empfängt, dann genießt er in einem sehr bedeutenden Spiel noch den echten Heimvorteil. Das Pokalduell gegen die Rhein-Neckar Löwen steigt in der Klingenhalle. Im November zieht der BHC zweimal freiwillig in den Düsseldorfer ISS Dome um.

Damit das wichtige Spiel am Dienstag ausverkauft ist und vor einer blau-weißen Kulisse stattfinden kann, hat der BHC sogar die Ticketpreise reduziert (ab zehn Euro). Das wird in den Liga-Spielen erneut gegen Rhein-Neckar (1. November) und dann gegen den THW Kiel (15. November) so nicht funktionieren. Denn da weicht der Klub aus dem Bergischen nach Düsseldorf aus.

Neu ist es im Handball nicht, dass Klubs aus der Heimat ausziehen und sportliches Asyl in großen Arenen suchen. Umstritten bleibt es. Der VfL Gummersbach ist das beste Beispiel. Der NRW-Klub zog aufgrund der geringen Kapazität der Eugen-Haas-Halle bereits in den 1960er Jahren zu ausgewählten Spielen um: in die Dortmunder Westfalenhalle oder ab 2001 in die Kölner Lanxess-Arena. Zwei inoffizielle Zuschauer-Weltrekorde gelangen dort sogar. Beim Spiel gegen den THW Kiel sorgten 18.576 Fans für eine atemberaubende Kulisse. Und 2004, im Spiel des VfL Gummersbach gegen den SC Magdeburg, kamen 19.154 Zuschauer.

Für eine komplette Saison mit 17 Heimspielen zog der VfL in die Kölner Arena. Die Idee, den Handball zum Event zu machen, mehr Fans anzulocken und damit Einnahmen im sechsstelligen Bereich zu generieren, ging aber nicht auf. Die Zuschauer blieben nach und nach fern, die Hallennutzungskosten blieben konstant hoch. So zog Gummersbach zurück in die Eugen-Haas-Halle (2100 Plätze). Zumindest bis zur Saison 2013/14, bis die neue „Schwalbe-Arena“ fertiggestellt war. Die 10,7 Millionen Euro teure Multifunktionshalle, die Stadt und Sponsoren finanziert haben, ist nun das neue Zuhause des Klubs. Mit einem Fassungsvermögen von 4321 Zuschauern und im Durchschnitt 2724 Fans, passt das Konzept viel besser.

Beim Bergischen HC ist Ähnliches angedacht. Eine neue Spielarena, zwischen Solingen und Wuppertal gelegen, soll entstehen. Am Piepersberg im Norden Solingens sollte die Mehrzweck-Arena zu finden sein. Seit Anfang Oktober aber ist das endgültig vom Tisch. Mit dem Eigentümer des Grundstücks konnte man sich nicht auf einen Kaufpreis einigen.

Der BHC ist vorerst weiter auf der Suche nach einer großen Heimspielstätte. Eine Heimat hat der Klub indes. Klingenhalle und Uni-Halle mutieren regelmäßig zum Hexenkessel. Die Kulisse war essentiell wichtig, als es zu Saisonbeginn auswärts nicht lief, auf die Heimstärke der bergischen Löwen aber Verlass war.

BHC-Kapitän Kristian Nippes sagt, die Unterstützung in der Heimat sei Gold wert. Er betont aber auch mit Blick auf die Spiele in Düsseldorf: „Wer mal im ISS Dome war, so wie ich als Zuschauer beim Eishockey, der sieht, dass das eine tolle Halle mit einer tollen Atmosphäre ist.“ In der Köln-Arena habe das Team auch einige Highlights erlebt. Nippes wirkt hin- und hergerissen zwischen der Vorfreude auf die Fan-Kulisse und dem Makel des fehlenden Heimpublikums. „Es macht sportlich im Duell mit dem Gegenspieler aber keinen Unterschied, ob wir in der Uni-Halle, in der Klingenhalle oder im Dome spielen“, betont Nippes dann.

Für das Pokalspiel in Solingen sind noch wenige Karten erhältlich. „Das wird ein heißer Pokalfight“, sagt Nippes. „Es wird viel davon abhängen, wie gut Rhein-Neckar drauf ist. Wir wissen um ihre Stärke.“

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