Stabhochringer setzt Glanzlicht: Hallen-DM: Stolle springt 5,80 m

Stabhochringer setzt Glanzlicht: Hallen-DM: Stolle springt 5,80 m

Dortmund (sid). Das Gerangel um die Startberechtigung von Dieter Baumann überschattete den Auftakt der 48. deutschen Leichtathletik-Hallenmeisterschaften in Dortmund. Am ersten Tag der Titelkämpfe fehlten herausragende Leistungen, die Stimmung unter Athleten und den 2.946 Zuschauern litt erheblich unter dem "Fall Baumann" und der Doping-Affäre um Hürdensprinter Falk Balzer.

In Abwesenheit zahlreicher Stars des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) bot das verbliebene Häuflein von Weltklasseathleten nur wenige Glanzlichter. International hochwertig waren die 5,80 m von Stabhochsprung-Sieger Michael Stolle (Leverkusen/Foto oben), der damit endgültig sein Ticket für die Hallen-WM in Lissabon (9. bis 11. März) löste. "Ich hätte fast eine Schneeballschlacht gemacht statt hier zu springen", sagte der Olympia-Vierte, der wegen widriger Straßenverhältnisse bei der Anreise im Stau steckte. Auf seinen Anruf hin begann der Wettkampf eine Stunde später.

Stolle besitzt in Lissabon Medaillenchancen, auf die Irina Mikitenko (Frankfurt) trotz ihres imponierenden 3.000-m-Sieges in 8:52,41 Minuten verzichten wird: "Ich bin in Top-Form, hatte aber von Beginn an statt der Hallen-WM die European Challenge über 10.000 m Anfang April geplant." Am Sonntag will die Olympia-Fünfte das 1.500-m-Gold folgen lassen.

Dagegen quälte sich Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler (Karlsruhe/Foto) zum Erfolg. "Ich habe eigentlich gute Werte. Aber der Hexenschuss hat mich doch ganz schön was gekostet. Ein Niveau im Bereich von 6,80 möchte ich schon haben, wenn es zur WM geht", sagte die viermalige Europameisterin nach ihren 6,53 m, die fast noch von der zweimaligen Siebenkampf-Weltmeisterin Sabine Braun (6,49) übertrumpft worden wären.

"Schade, dass angesichts der Diskussion um den Start von Dieter Baumann das Sportliche in den Hintergrund tritt", sagte DLV-Leistungssportdirektor Frank Hensel, der keine zusätzlichen Norm-Erfüller für die Hallen-WM notieren durfte. In Abwesenheit des suspendierten Balzer rannte der Ulmer Olympia-Starter Ralf Leberer in 7,65 Sekunden zum zweiten Hallentitel über 60 m Hürden, bei den Frauen verfehlte Juliane Sprenger (Kindelsberg/Kreuztal) nach 8,06 Sekunden den Richtwert um eine Hundertstelsekunde. Respektabel waren auch die 1,93 m, mit denen Elena Herzenberg (Ludwigshafen) unter den Augen von Barcelona-Olympiasiegerin Heike Henkel den Hochsprung gewann.

Seinen ersten Titel feierte Dreispringer Thomas Moede (Berlin/16,61). Doch positiver für die Disziplin war die Nachricht, dass der zuletzt fünfmal in Folge siegreiche Charles Friedek (Leverkusen) nach überstandener Oberschenkelzerrung Hoffnung auf eine erfolgreiche Titelverteidigung in Lissabon schöpft.

Dagegen wird dem DLV in Portugal ein weiterer Leistungsträger der letzten Jahre fehlen. Wegen einer Verletzung in der rückwärtigen Oberschenkelmuskulatur sagte der Wattenscheider WM-Zweite Oliver-Sven Buder seine DM-Teilnahme ab. "Die Hallen-WM können wir wohl abhaken", erklärte sein Trainer Miroslav Jasinski.

Andere Top-Athleten verzichteten von vornherein auf die DM. Deutschlands zweiter Sechs-Meter-Stabhochspringer Danny Ecker (Leverkusen) war am Donnerstag erfolgreich per Arthroskopie am Fuß behandelt worden, Kugelstoß-Weltmeisterin Astrid Kumbernuss und 400-m-Ass Grit Breuer haben wegen gesundheitlicher Probleme einen anderen Saisonaufbau gewählt.

Leichtathletik, 48. deutsche Hallen-Meisterschaften in Dortmund, 1. Tag (4.000 Zuschauer), Entscheidungen:

Männer:

60 m Hürden: 1. Ralf Leberer (Ulm) 7,65 Sekunden, 2. Jerome Crews (mannheim) 7,75, 3. Claude Edorh (DSHS Köln) 7,76, 4. Jens Buchholz (Potsdam) 7,85, 5. Sebastian Siebert (Cottbus) 7,90, 6. Jörn Lichtenhagen (Leverkusen) 7,91.

Stabhochsprung: 1. Michael Stolle 5,80 m, 2. Richard Spiegelburg (beide Leverkusen) 5,60, 3. Andrej Tiwontschik (Mainz) 5,60, 4. Tim Lobinger (Fürth/München/Foto) 5,60, 5. Björn Otto (Uerdingen/Dormagen) 5,50, 6. Lars Börgeling (Leverkusen), Stefan Drews (Zehnkampf-Welle Schleswig) und Rico Tepper (Cottbus) alle 5,40.

Dreisprung: 1. Thomas Moede (Berliner LG Ost) 16,61 m, 2. Hrvoje Verzi (Fürth/München) 16,31, 3. Rudolf Helpling (Bergheim) 16,10, 4. Andreas Pohle (Erfurt) 15,87, 5. Karsten Richter (Leverkusen) 15,66, 6. David May (Friedrichshafen) 15,59.

Kugelstoß: 1. Rene Sack (Leipzig) 19,39 m, 2. Detlef Bock (SCC Berlin) 19,33, 3. Michael Mertens (Hannover) 19,29, 4. Ralf Bartels (Neubrandenburg) 18,80, 5. Andy Dittmar (Ohra/Hörsel) 18,67, 6. Gunnar Pfingsten (Frankfurt/Main) 18,43

Frauen:

3.000 m: 1. Irina Mikitenko (Frankfurt/Main) 8:52,41 Minuten, 2. Luminita Zaituc (Braunschweig) 9;05,74, 3. Sabrina Mockenhaupt (LG Sieg) 9:07,07, 4. Melanie Schulz (Großengottern) 9:21,64, 5. Sylvia Nußbeck (Leverkusen) 9:23,14, 6. Christine Stief (Fürth/München) 9:26,28.

60 m Hürden: 1. Juliane Sprenger (Kindelsberg-Kreuztal) 8,06 Sekunden, 2. Nadine Hentschke (Team Niederrhein) 8,25, 3. Sabine Braun (Wattenscheid) 8,26, 4. Jennifer Komoll (Team Niederrhein) 8,31, 5. Tessy Prediger (Madeburg) 8,35, 6. Annette Thimm (Weserbergland) 8,46.

Hochsprung: 1. Elena Herzenberg (Ludwigshafen) 1,93 m, 2. Alina Astafei (Mannheim) 1,93, 3. Sophia Sagonas (Seligenstadt) 1,84, 4. Kerstin Schlawitz (Dresden) 1,80, 5. Heike Siener (Ludwigshafen) 1,80, 6. Birgit Kähler (Leverkusen) 1,75

Weitsprung: 1. Heike Drechsler (Karlsruhe) 6,56 m, 2. Sabine Braun (Wattenscheid) 6,49, 3. Sofia Schulte (Leverkusen) 6,29, 4. Beatrice Albert (Frankenwald) 6,27, 5. Nicole Herschmann (OSC Berlin) 6,12, 6. Anja Reinsch (LG Nike Berlin) 6,07. (sid)

(RPO Archiv)
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