Tiger Woods feiert nach zahlreichen Skandalen mit Masters-Triumph

Tiger Woods’ Leiden und Lieben : Das größte Comeback

Mit seinem fünften Triumph beim Golf-Masters in Augusta krönt Woods eines der verblüffendsten Comebacks der Sport-Geschichte. Der Tiger gehört zu den schillerndsten Persönlichkeiten des Weltsports.

Ein rotes Shirt, darüber ein grünes Jackett. Was klingt wie eine Modesünde der Miami-Vice-Darsteller aus den 80er Jahren, dürfte spätestens seit Sonntag Tiger Woods‘ Lieblingskombination sein. Denn sie steht sinnbildlich für eines der größten Comebacks in der Geschichte des Sports. Mit einem Schlag Vorsprung gewann der 43-Jährige am Sonntag das US Masters – 14 Jahre nach seinem bislang letzten Sieg an gleicher Stelle.

Das rote Shirt trägt Woods seit seiner College-Zeit grundsätzlich auf der vierten und letzten Runde eines Turniers. Beim Masters gibt es, zusätzlich zum Siegerpokal, für den Gewinner das grüne Jackett. Traditionell überreicht vom Vorjahressieger, der es nach einem Jahr dem Klubhaus wieder zurückgeben muss, wo es mit all den anderen Sakkos in einer speziell designten Garderobe aufbewahrt wird.

So stand Woods mit einem breiten Siegerlächeln bei der Zeremonie und präsentierte zum fünften Mal in seiner Karriere diese grelle Kombination. „Es ist überwältigend, was passiert ist“, sagte Woods bei der Ehrung. Die Befreiung war ihm deutlich anzusehen.

Denn bis zu diesem Moment war es ein weiter Weg. Eine bittere Leidenszeit und persönliche Dramen bestimmten sein Leben in den vergangenen Jahren. Lange Zeit war nicht klar, ob sein lädierter Körper überhaupt noch zulassen würde, auf diesem Spitzenniveau zurückzukehren.

Zu seinen ersten Gratulanten gehörten seine 11-jährige Tochter Sam und sein 10 Jahre alter Sohn Charlie. Bei seinem bis Sonntag letzten großen Major-Sieg im Jahr 2008 war seine Tochter gerade erst geboren, sein Sohn noch gar nicht auf der Welt. „Sie haben all die schwierigen Zeiten gesehen und wussten nicht, wie viel Golf in meinem Leben in den guten Zeiten bedeutete. In ihren Augen bereitete Golf ihrem Vater nur Schmerzen. Wegen Golf konnte ihr Vater nicht laufen, sich nicht bewegen, nicht schwingen“, sagte der Kalifornier nach seinem Triumph bei ESPN: „Aber glücklicherweise hat sich das in den vergangenen Jahren wieder geändert und sie haben gesehen, was das Golfspiel mir gibt.“

Seine körperlichen Qualen begannen 2014. Im August musste er sich erstmals am Rücken operieren lassen. Bis zum April 2017 kamen noch drei weitere Operationen hinzu. „Mein Körper war ein Wrack“, gestand er damals. Zwischenzeitliche Comebackversuche scheiterten. „Vor zwei Jahren gab es keine Zukunft. Ich wollte nur wieder laufen können. Zum Glück hatte ich eine Operation, die das reparieren konnte“, sagte er am Sonntag im Interview bei ESPN.

Zuvor war sein Privatleben bereits in Schieflage geraten: Im November 2009 fuhr er mit seinem Wagen gegen einen Baum und einen Hydranten vor seinem Haus in Florida. Angeblich weil seine damalige Ehefrau Elin Nordegren mit einem Golfschläger hinter ihm her war. In den nächsten Wochen berichteten Medien von mehreren Liebesaffären, insgesamt zehn Frauen, darunter auch eine Porno-Darstellerin, melden sich und erklären, sie hätten ebenfalls Beziehungen zu Woods. Einige seiner Sponsoren gingen auf Abstand zum Golfstar. Woods nahm sich eine Auszeit und kehrte erst zum Masters im April 2010 auf den Golfplatz zurück. Vier Monate später war die Scheidung der Eheleute Woods abgeschlossen. Eine dreijährige Beziehung mit US-Skistar Lindsey Vonn ging 2015 in die Brüche.

Der Tiefpunkt war im Mai 2017 erreicht: In Florida wird er wegen Drogenmissbrauchs am Steuer festgenommen. Die Bilder des schwer gezeichneten Golfstars schockierten die Öffentlichkeit. Woods begab sich daraufhin in stationäre Behandlung. In dieser Zeit drohte dem ersten Sport-Milliardär der Geschichte ein Leben ohne Golf. Viele Insider prophezeiten das Ende der Ära Woods. „Es ist viel geschehen. Mein Körper, das Spiel, das Leben, alles hat sich entwickelt”, sagte er über die Zeit seit seinem letzten Masters-Sieg 2005.

Doch der Mann, der 683 Wochen an der Spitze der Weltrangliste stand, baute seinen geschundenen Körper behutsam wieder auf und kämpfte sich Schritt für Schritt zurück. Es war eine harte Zeit. Die Jahre des harten Trainings hatten Spuren hinterlassen. Schon als Kind wurde er von seinem Vater Earl, einem Vietnam-Veteranen, mit militärischem Drill auf Erfolg getrimmt. Millionen von Bällen hat er schon über die Golfplätze und Driving Ranges geprügelt. Eine einseitige Belastung, die trotz ausgeklügelter Trainingsmethoden und flankierender Physio-Programme dem Körper alles abverlangte.

Ende November 2017 trat Woods wieder bei einem Einladungsturnier im luxuriösen Albany Golf Club auf den Bahamas an - als Nummer 1199 der Weltrangliste. Seitdem ging es für den Mann, der den Golfsport jahrzehntelang dominiert hatte, wieder aufwärts.

Bis zum absoluten Höhepunkt in Augusta. Auf der zwölften Spielbahn schlug Woods, der mit zwei Schlägen Rückstand auf die Spitze in die Schlussrunde gestartet war, erstmals zu. Seine bis dahin ärgsten Konkurrenten Francesco Molinari und Tony Finau versenkten auf dem 144 Meter kurzen Par-3 beide ihre Abschläge im Wasser. Woods gelang das Par und spielte sich so erstmals in die geteilte Führung.

Als es darauf ankam, behielt Woods die Nerven. Mit einem Birdie auf der 15. Spielbahn übernahm Woods drei Löcher vor Schluss zum ersten Mal die alleinige Spitze des Feldes. Auf der 16. Bahn baute er mit einem weiteren Birdie seinen Vorsprung aus. Die Führung gab er bis zum Ende nicht mehr aus der Hand und krönte sich mit einem grünen Jackett, „passend“ zu seinem charakteristischen roten Shirt.

(mit dpa)