Golf: Tiger Woods bei British Open 2019 im Teufelskreis

British Open : Golfstar Tiger Woods im Teufelskreis

Tiger Woods war bei der British Open größtenteils nur ein Schatten seiner selbst. Die katastrophale erste Runde ertrug er irgendwann nur noch mit Selbstironie - sein Aus zur Halbzeit war folgerichtig.

Sein schmerzverzerrter Gesichtsausdruck sprach Bände, auch die zweite Runde der British Open war für Tiger Woods alles andere als ein Genuss. Zwar rehabilitierte sich der Golf-Superstar mit einer 70 etwas für den miserablen Auftakt - der Wind und kühle Temperaturen quälten den 43-Jährigen dabei aber sichtlich. Und das Aus zur Halbzeit verhinderte er damit auch nicht.

Mit 148 Schlägen verpasste der 15-malige Major-Sieger beim ältesten noch ausgespielten Turnier den Cut deutlich. Nicht wegen der Leistung am Freitag natürlich, sondern wegen der gigantischen Hypothek, die er sich am Donnerstag auferlegt hatte.

Da hatte nur dieser eine magische Moment an die glorreichen Zeiten erinnert. Mit viel Fingerspitzengefühl schickte Woods den Ball einmal quer über das Grün, und als der tatsächlich auch mit der letzten Umdrehung im Loch verschwand, stolzierte sein Absender mit weit ausgebreiteten Armen hinterher. Die Menge jubelte, ihr Held genoss - ein beispielloser Augenblick voller Selbstironie.

Was Woods am ersten Tag der 148. British Open nämlich vor und nach dem spektakulären Birdie darbot, glich Kraut und Rüben. "Meine Bälle flogen nach links und nach rechts", sagte der Kalifornier, den sie trotzdem fast gottgleich verehrten, nach einer indiskutablen 78er-Runde. Das Traurige: "Sieben über Par war noch das Beste, das ich erreichen konnte."

Der 43-Jährige verabschiedete sich damit ebenso wie Top-Favorit Rory McIlroy (Nordirland/79) früh aus dem Kampf um die begehrte Silbertrophäe Claret Jug. "Champion Golfer of the Year", wie die Sieger gepriesen werden, wird 2019 ein anderer. Zumindest im Fall von Woods ist das keine Überraschung.

Ungeachtet der Tatsache, dass "The Open" traditionell auf hoch komplizierten Links-Plätzen an britischen Küsten ausgetragen werden, verzichtete der US-Amerikaner nämlich auf die nötige Vorbereitung. Kritik und Unverständnis vom Iren Padraig Harrington hatte ihm unter anderem eingebracht, dass sein letztes Turnier die US Open Mitte Juni gewesen war. Aber Woods hat mittlerweile keine andere Wahl.

"Ich spiele doch nur so wenig, damit ich meine Karriere noch etwas verlängern und mit den Jungs dort draußen sein kann", sagte der von Rückenverletzungen geplagte und dort viermal operierte Woods: "Ich muss realistisch mit meiner Situation umgehen und auf den einen, richtigen Moment hoffen." So wie im April, als er das US Masters gewann und eines der größten Comebacks im Sport feiern durfte.

Damals hatte aber auch das warme Wetter mitgespielt, in diesen Tagen wirkte Woods im Norden Nordirlands extrem verkrampft. Wer es gut mit ihm meint, dem musste es schon beim hinschauen wehtun. "Meine Muskulatur wird nur schwer warm, das Schwingen fällt mir schwer", gestand Woods - für den das schwache Abschneiden auch etwas Positives hatte: Die schnelle Rückkehr in die warme Heimat.

SID nr ma

(lt/sid)