1. Sport

Dortmund: Götze gehorcht der Ball

Dortmund : Götze gehorcht der Ball

Der 18-jährige Dortmunder trägt zur überragenden Bilanz des BVB bei. Er ist ballsicher, taktisch erstaunlich reif und hält nicht viel von großen Reden. "Er ist das größte Talent, das wir je hatten", sagt DFB-Sportdirektor Sammer.

Mario Götze ist augenblicklich nicht so gut bei Stimme. Aber das macht ihm nichts. Denn er redet in der Öffentlichkeit ohnehin nicht so gern, auch wenn er gerade mal keine leichte Bronchitis auskurieren soll wie zurzeit. Seinem Arbeitgeber, dem Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund, ist das ganz recht. Die Klubbosse und Trainer Jürgen Klopp ersparen dem 18-Jährigen das grelle Scheinwerferlicht. Er soll lieber tun, was er am besten kann – Fußball spielen. Mit seiner Kunstfertigkeit am Ball, seinen besonderen taktischen Fähigkeiten beeindruckt er die Experten. Matthias Sammer, der DFB-Sportdirektor, rühmt stellvertretend: "Er ist eines der größten Talente, das wir je hatten."

Mittlerweile weiß Fußball-Deutschland, was Götze kann. Er spielt seine erste Saison bei den Profis, obwohl er noch für die A-Junioren auflaufen dürfte, und er trägt dazu bei, dass Borussia Dortmund in der Bundesliga vor dem zweiten Rückrundenspiel (morgen gegen den VfB Stuttgart) die Tabelle mit zwölf Punkten Vorsprung anführt. Das liegt zum einen an seiner außerordentlichen Begabung. Götze ist schnell, sehr stark im Umgang mit dem Ball, kann Angriffszügen Struktur geben und jederzeit den Gegner im Dribbling überraschen. "Er ist enorm kreativ", urteilt Sammer. Es liegt zum anderen an seinem Charakter. Er gehört zu jenen Spielern, die Trainer Klopp nicht noch eigens erden müsste, er ist dem Boden von Natur verhaftet. "Ich habe ein sehr vernünftiges Umfeld", sagte er, als ihm der BVB im Wintertrainingslager mal ausnahmsweise erlaubte, mit den Medien zu plaudern, "meine Familie, meine Freundin und mein Berater halten mich auf dem Teppich." Und dabei schaute er so scheu und bescheiden, dass er schon ein ganz großer Schauspieler sein müsste, wenn das nicht ehrlich war.

Auf dem Platz ist von dem schüchternen Götze nichts zu sehen. Da scheut er weder den Zweikampf noch das Dribbling in schwierigen Situationen. Und er beweist in der Spielentwicklung eine Reife, die seine Beobachter immer mal wieder in den Akten blättern lässt, damit sie weiterhin glauben, dass dieser Bursche erst 18 ist.

Sogar Bundestrainer Joachim Löw wundert sich manchmal über den Dortmunder, der im Alter von sechs Jahren mit den Eltern nach Westfalen zog. Löw verschaffte ihm im späten Herbst 2010 ein frühes Länderspiel-Debüt (0:0 in Schweden). Und er geriet danach ins Schwärmen über den jüngsten Debütanten seit Uwe Seeler (1954). "Mario Götze hat mich am meisten überrascht", sagte der Bundestrainer, "diese Selbstverständlichkeit, mit der er sich bei uns integriert hat, habe ich bei einem 18-Jährigen noch nicht gesehen. Er agierte, als wäre er schon seit Jahren dabei: selbstbewusst, ballsicher, ideenreich. Er ist eines der größten Talente der vergangenen Jahre und hat eine ganz große Zukunft."

Das sehen eigentlich alle so. Auch damit geht Götze sehr aufgeklärt um. "Ich habe noch nicht viel erreicht und muss noch viel lernen", erklärt er, "aber ich denke, ich habe eine lange Karriere vor mir." Daraus ergibt sich ganz logisch der Wunsch, "möglichst viele Titel zu gewinnen". Mit Dortmund ist er auf dem Weg zu seinem ersten, obwohl er darüber natürlich ebenso wenig redet wie die Kollegen. Das Sprachbuch des Trainers empfiehlt für Fragen nach der Meisterschaft diese Antwort: "Wir ziehen unser Ding durch." Das sagte auch Götze – als er mal reden durfte.

(RP)