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Gleichberechtigung: Welche Fortschritte Frauen im Sport 2021 gemacht haben

Gleichberechtigung : Welche Fortschritte Frauen im Sport 2021 gemacht haben

Im Sport ist bei der Gleichstellung von Männern und Frauen noch nicht alles gut. Doch die Athletinnen erkämpften sich im vergangenen Jahr mehr und mehr Platz auf der Bühne, dem Spielfeld, im Ring oder im Rampenlicht.

Im neuen Jahr wird alles besser! Dieser Optimismus, der traditionell zum Jahreswechsel zwischen Raclette-Öfen und Sektgläsern praktiziert wird, mag so manchem seit Beginn der Pandemie abhandengekommen sein. Doch es gibt sie noch, die guten Nachrichten, die Mut machen. Die zeigen, dass vielleicht nicht alles besser wird, aber dass es insgesamt und unterm Strich eben doch in Richtung Besserung geht. Gerade für Frauen im Sport hat sich etwas getan – und es gibt Hoffnung, dass es so weitergeht.

Da lohnt sich zum Beispiel ein Blick auf den Medaillenspiegel der deutschen Athletinnen und Athleten bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio. Zehnmal konnten unter deutscher Fahne Goldmedaillen gesammelt werden, sieben davon von Frauen. Gestartet sind dort insgesamt fast genauso viele Athletinnen wie Athleten. Die mediale Aufmerksamkeit für Spitzensportlerinnen steigt und damit auch die der Sponsoren. Nationale und internationale Stars sind gefragter denn je, von der US-Fußballerin Megan Rapinoe bis hin zur deutschen Weitspringerin Malaika Mihambo, die aktuell zum dritten Mal in Folge zur Sportlerin des Jahres ausgezeichnet wurde. Und vielleicht ist es zwar wünschenswert, aber wenig realistisch, dass alles auf einmal besser wird. Oft sind es die kleinen Meldungen, die zeigen, dass das Engagement der Sportlerinnen langsam aber sicher an der männlichen Überpräsenz kratzt.

Aus Saudi-Arabien gab es zum Beispiel so eine Meldung: Vor wenigen Jahren erst wurde das Fahrverbot für Frauen aufgehoben, schon jetzt aber greifen sie dort sprichwörtlich nach dem Steuer. Bei der Rallye Dakar im Januar werden mit Mashael Al Obaidan und Dania Akeel erstmals zwei Frauen aus dem Wüstenstaat teilnehmen. Akeel erhielt vom saudischen Motorsportverband SAMF als erste Frau eine Wettkampflizenz. 2019 nahm sie an einer Motorrad-Superseries in den Vereinigten Arabischen Emiraten teil. Das Rennen im eigenen Land könnte für die Rennfahrerinnen nun zum echten Karrierebooster werden. Und es wird definitiv ein Zeichen setzen.

Fast untergegangen wäre auch die Nachricht der Handballerin Fatemeh Khalili Behfar. Die Torhüterin der iranischen Nationalmannschaft konnte mit ihrem Team bei der Weltmeisterschaft in Spanien Anfang Dezember keinen Titel holen, doch das war auch nicht unbedingt das Ziel. Die Iranerinnen traten zum ersten Mal bei einer WM an. Nach drei Niederlagen in der Gruppenphase war das Turnier für sie bereits beendet. Bei ihrem Spiel gegen die späteren Turniersiegerinnen aus Norwegen kassierte Behfars Mannschaft 41 Gegentore, 23 während sie selbst im Tor stand – doch das Spiel endete für sie trotzdem mit Applaus. Denn sie wurde zur Spielerin des Spiels ernannt, keine der siegreichen Norwegerinnen konnte ihr diesen Titel streitig machen. Ohne ihre zahlreichen Paraden hätte ihr Team wohl noch einige Gegentore mehr kassiert. Der Weltverband lobte ihre Leistung bei Twitter, ihre Teamkolleginnen brachen in Jubel aus und auch die Gegnerinnen applaudierten ihr. Faires Verhalten untereinander und Anerkennung von Leistungen einzelner, in manchen Disziplinen bleibt so viel Sportlichkeit ein frommer Wunsch.

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Erwähnenswert in diesem Kontext ist außerdem noch Stéphanie Frappart. Als Schiedsrichterin im Fußball war sie schon oft die Erste, 2020 leitete sie beispielsweise als erste Frau ein Champions-League-Spiel der Männer (Juventus Turin gegen Dynamo Kiew). 2021 konnte sie ein weiteres erstes Mal hinzufügen, leitete als erste Frau ein WM-Qualifikationsspiel der Männer (Niederlanden gegen Lettland). Beim Eröffnungsspiel der EM der Männer kam sie ebenfalls als erste Frau zum Einsatz, wenn auch nicht als Leiterin, aber als vierte Offizielle. Steter Tropfen höhlt den Stein. Weniger erwähnenswert sollte dabei sein, dass das unparteiische Entscheiden nichts damit zu tun hat, dass Sportler und Richter desselben Geschlechts sind. Das beweisen männliche Schiedsrichter in Frauenpartien seit jeher.

Und dann ist da noch der Wintersport, eine weitere Tradition zum Jahreswechsel. In der Nordischen Kombination gab es in der Saison 2020/21 erstmals einen Weltcup für Frauen. Bei der WM in Oberstdorf gab es erstmals einen Einzelwettbewerb für die Sportlerinnen von der Großschanze, die Norwegerin Gyda Westvold Hansen ging als erste Weltmeisterin in der Nordischen Kombination in die Geschichte ein. Ein großer Schritt, vor allem in Anbetracht dessen, wie viele noch zu gehen sind: Olympisch ist die Nordische Kombination als letzte große Wintersportdisziplin für Frauen nämlich noch nicht, in Peking 2022 werden die Kombiniererinnen weiterhin ausgeschlossen bleiben. Doch die Proteste dagegen werden lauter, „Spätestens 2026“ lautet die Forderung.

Bei den Skispringerinnen gab es ebenfalls Fortschritte. Kleine zwar, doch immerhin: Keine Vierschanzentournee, aber ein Neujahrsspringen im slowenischen Ljubno gab es zum Jahresstart. Doch die Springerinnen wollen mehr, wollen das große Fernsehpublikum und wollen die großen Schanzen in Deutschland und Österreich, wie ihre männlichen Kollegen. Aussagen von Vierschanzentournee-Präsident Peter Kruijer lassen die Vermutung zu, dass ihnen das bald gewährt sein könnte. Vielleicht dann 2022, denn im neuen Jahr wird ja alles besser.