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Geisterkulissen und Existenzsorgen: Das war das Sport-Jahr 2020

Geisterkulissen und Existenzsorgen : Das war das Sport-Jahr 2020

Thomas Müller bringt es auf den Punkt: „Daran möchte man sich nicht gewöhnen.“ Spiele ohne Zuschauer, Stillstand. Keine Einnahmen. Der Sport in der Corona-Klaue. Was ein Spektakel-Jahr des Sports hätte werden können, wird zum Notprogramm mit Langzeitfolgen.

Die Olympischen Spiele in Tokio, die Fußball-Europameisterschaft und das altehrwürdige Tennisturnier in Wimbledon - die Corona-Pandemie überrollte die Sportwelt mit einer unvorhergesehenen Wucht. Eine Absage jagte die nächste - hatten sich Fans weltweit zu Beginn des Jahres auf zahlreiche Großereignisse gefreut, fielen diese schon bald dem Virus zum Opfer.

Sport wurde trotzdem getrieben - und gefeiert, auch wenn zumeist die Zuschauer fehlten. Herausragend in einem Jahr, das sich für immer ins kollektive Gedächtnis einbrannte: Weltfußballer Robert Lewandowski und seine Über-Bayern, der vielfach ausgezeichnete Leon Draisaitl, der sich zum besten Eishockeyspieler der Welt und Deutschlands Sportler des Jahres aufschwang, und auch Emma Hinze, die 2020 noch vor vollem Haus ruhmreich begann.

Bei einer der letzten Veranstaltungen vor Zuschauern fuhr Hinze Anfang März bei der Bahnrad-WM in Berlin zu Dreifach-Gold, wenig später erreichte die Pandemie Sport-Deutschland und verbannte jubelnde Mengen aus Stadien und Hallen. Im ersten Geisterspiel der Bundesliga-Geschichte besiegte Borussia Mönchengladbach den 1. FC Köln am 11. März mit 2:1.

Doch die fehlenden Fans sollten nur der Anfang sein. Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) brach als erste Profiliga im März die Saison ohne Meister ab. Kurz darauf folgten die Volleyballer, im Handball wurde dem THW Kiel vorzeitig die Schale überreicht. Schließlich war auch die Verlegung der Olympischen Spiele und der Fußball-EM ins kommende Jahr unausweichlich.

Der Weg zum Titel führte in diesem Jahr meist über die "Bubble" und viele Coronatests. Die deutschen Basketballer verschanzten sich in München, als Sieger des Finalturniers kam Alba Berlin aus der Blase hervor. In der Bundesliga rollten die desinfizierten Bälle dank eines strengen Hygienekonzepts wieder ab Mai, aber vor leeren Rängen.

In all dem Trubel stürmte Rekordmeister Bayern München zum Triple und fegte unterwegs den FC Barcelona mit 8:2 aus der Champions League. Bayern-Torgarant Lewandowski machte sein persönliches Titeljahr mit der Wahl zum Weltfußballer perfekt - als erster Spieler der Bundesliga. Historisches gelang auch Draisaitl, der als erster Deutscher wertvollster Spieler in der NHL wurde.

In England bescherte Welttrainer Jürgen Klopp dem FC Liverpool nach 30 Jahren Durststrecke die Meisterschaft. Die Nationalspieler Timo Werner und Kai Havertz zog es auch auf die Insel, beide zum FC Chelsea. Havertz wurde mit einer Ablösesumme von 100 Millionen Euro teuerster deutscher Fußballer.

Werner stand bei der 0:6-Klatsche der Nationalmannschaft in Spanien in der Startelf. Bundestrainer Joachim Löw blieb trotz heftiger Kritik im Amt. Einen anderen Bundestrainer hatte der fünfte Platz bei der Handball-EM bereits im Januar den Job gekostet: Christian Prokop musste seinen Posten beim DHB räumen, Alfred Gislason übernahm.

Alles andere als rund lief es für den viermaligen Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel, der sich nach seiner enttäuschenden letzten Saison im Ferrari zu Aston Martin verabschiedete. Den Aufstieg in die Königsklasse schaffte Mick Schumacher, Sohn des Rekordweltmeisters Michael Schumacher, mit seinem Titel in der Formel 2.

Den ersten Grand-Slam-Triumph verpasste Alexander Zverev bei den US Open zwar knapp, dennoch entwickelte er sich auf dem Platz weiter. Daneben trat er aber in so manches Fettnäpfchen und muss sich unter anderem mit heftigen Vorwürfen seiner Ex-Freundin auseinandersetzen. Rein sportliche Schlagzeilen schrieben Kevin Krawietz und Andreas Mies, die ihren French-Open-Titel im Doppel erfolgreich verteidigten, und Laura Siegemund, die bei den US Open gemeinsam mit der Russin Wera Swonarewa als erste Deutsche seit 1985 ebenfalls den Doppelwettbewerb gewann.

Für Begeisterung bei den Wintersportfans sorgten Skirennläufer Thomas Dreßen mit seinen Weltcupsiegen zu Beginn des Jahres, Bob-Rekordweltmeister Francesco Friedrich und Karl Geiger, der bei der Skiflug-WM im Dezember so weit segelte wie kein anderer.

Beeindruckende Weiten erzielten auch Deutschlands Leichtathleten. Johannes Vetter schleuderte mit dem zweitweitesten Wurf der Geschichte den Speer auf 97,76 m, Weitspringerin Malaika Mihambo untermauerte ihre Topform mit der Weltjahresbestleistung von 7,03 m aus verkürztem Anlauf - unter anderem dafür wurde sie zum zweiten Mal nacheinander zur Sportlerin des Jahres gewählt.

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(eh/dpa)