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Traditions, Fans, Spannung: Das hat die 2. Bundesliga in der Saison 2021/22 zu bieten

Tradition, Fans und Spannung : Die beste zweite Liga? Auf was wir uns freuen dürfen oder auch nicht

„Die beste 2. Liga der Welt“ oder doch lieber das „erstklassigste Unterhaus der Welt“? Die Slogans für die kommende Saison in der 2. Fußball-Bundesliga sind genauso vielfältig wie die Liga selbst. Die Vorfreude ist groß – doch es gibt auch Konfliktpotenzial.

Es klingt inzwischen abgedroschen, seit fast 20 Jahren wird dieser Slogan schließlich bemüht. „Die beste 2. Liga der Welt“ – damit warb einst schon das Deutsche Sport-Fernsehen (DSF), bevor es 2010 zu Sport1 wurde. Nur selten traf es wirklich auf die reinen sportlichen Leistungen zu, wenngleich das „Unterhaus“ oftmals auch am letzten Spieltag mehr Spannung zu bieten hatte als die Bundesliga. Trotzdem machten sich in den vergangenen Jahren die Fußball-Fans gern mit diesem Spruch über die 2. Bundesliga lustig, wenn wieder einmal Jahn Regenburg gegen den SV Sandhausen gespielt hat. Ja, dieses Duell wird es auch in der Spielzeit 2021/2022 wieder geben - doch die Mehrzahl der Begegnungen verspricht höchste Attraktivität.

„Die beste 2. Liga der Welt“ wird in der kommenden Saison Wirklichkeit – zumindest für Fußball-Nostalgiker. Schalke 04, Werder Bremen, Hamburger SV, Hannover 96 Fortuna Düsseldorf, Hansa Rostock, Dynamo Dresden, Karlsruher SC, FC St. Pauli, 1. FC Nürnberg – das „Unterhaus“ strotzt nur so vor Traditionsvereinen, die in den 90er-Jahren zu den angesagtesten Bundesligisten zählten. Jetzt tummeln sich 13 ehemalige Erstligisten in der 2. Liga, 38 deutsche Meistertitel gewannen diese Klubs, neun Ost-Titel kommen durch Rostock und Dresden hinzu.

„Die attraktiven Spiele, die attraktiven TV-Quoten wandern verstärkt in Richtung 2. Liga“, sagte etwa St.-Pauli-Präsident Oke Göttlich am vergangenen Wochenende der „Bild“. Das dürften sie bei Sport1 in der kommenden Saison in der Tat spüren, wenn der Sender erstmals seit 2017 wieder das Topspiel der Woche live im Free-TV übertragen wird. „Bei so vielen Klubs mit großer Erfolgsgeschichte und fantastischen Fans werden das jede Woche Knaller-Duelle, besonders bei unseren Topspielen am Samstagabend“, freut sich Sport1-Chefredakteur Pit Gottschalk auf gute Quoten, wenn durch den neuen Rahmenterminkalender samstags um 20.30 Uhr angepfiffen wird. Der Sender wirbt selbst mit dem Slogan „Das erstklassigste Unterhaus der Welt.“

Die Vorfreude auf die kommende Saison ist überall spürbar. „Es wird eine geile 2. Liga“, sagte Rostocks Aufstiegstrainer Jens Härtel und selbst in der Bundesliga blickt man etwas neidisch auf das Unterhaus. „Solch eine Hammer-Liga gab es noch nie, das wird etwas ganz Besonderes“, sagte Sportvorstand Christian Heidel vom FSV Mainz 05. Was Hoffenheims Manager Alexander Rosen erwartet, geht sogar noch weiter: „Wenn man bedenkt, welche Power viele Vereine haben, könnte es in der nächsten Saison in der 2. Liga mehr Zuschauer geben als in der Bundesliga.“ Und auch Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus ist begeistert. „Es geht viel Tradition, Fan-Power und Bundesliga-Historie ein Stockwerk tiefer. Dafür gibt es eine zweite Liga, wie es sie noch nie gab“, schrieb er in seiner Kolumne für „Sky“.

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Für die Fans dürfte das ein Spektakel sein – für die Klubverantwortlichen hingegen ein Graus. Vereine wie Werder Bremen und der FC Schalke 04 wollen zwingend direkt wieder zurück in die Bundesliga. „Wir müssen uns so aufstellen, dass wir in der Lage sind, direkt wieder aufzusteigen“, sagte Bremens Sportchef Frank Baumann direkt nach dem Ende der Saison. Zu schlecht sind die finanziellen Voraussetzungen bei den beiden Absteigern, zu verschreckend das Beispiel Hamburger SV, der die Bundesliga-Rückkehr auch im dritten Jahr in Folge nicht gepackt hat. Umso mehr werden sie sich bei Holstein Kiel geärgert haben, dass in der Relegation gegen den 1. FC Köln nicht mehr drin war. Aber: weder Werder noch Schalke oder Kiel können mit dem Aufstieg planen. Das zeigen die vergangenen Jahre deutlich. Viel zu viele Vereine balgen sich um die ersten drei Plätze – ein gesichertes Mittelfeld gibt es nur selten. In der kommenden Saison dürften erneut viele Mannschaften lange um den Aufstieg mitspielen.

Spannung wird also garantiert sein, volle Stadien sind zu erwarten, wenn es die Coronavirus-Situation zulassen sollte. Doch damit einhergeht wohl auch ein Problem: Das Konfliktpotenzial rund um die Stadien steigt. Gerade die Anhänger von Hansa Rostock und Dynamo Dresden sind berüchtigt, was nicht nur die Ausschreitungen rund um die Aufstiegsfeier der Schwarz-Gelben zeigte. Teile der Hansa-Ultras posierten kurz nach dem Aufstieg mit einem Plakat, mit dem sie anderen Fans Gewalt androhten. Exklusives Ost-Problem ist das aber nicht. Das Nord-Derby zwischen Werder und dem HSV sorgte in der Vergangenheit oftmals für Fan-Probleme, andere Klubs stehen dem häufig in nichts nach. Gewissens Konfliktpotenzial bei einigen Begegnungen in der kommenden Saison ist also durchaus gegeben.

Das Sportliche sollte aber im Vordergrund stehen – und das verspricht eine Menge. Dabei wird auch egal sein, ob die Liga nun „die beste 2. Liga der Welt“ oder das „erstklassigste Unterhaus der Welt“ genannt wird. Die Attraktivität der Klub-Namen spricht für sich.