Abstieg in die 3. Liga: Karlsruhe nach Abstieg und Randalen am Boden

Abstieg in die 3. Liga : Karlsruhe nach Abstieg und Randalen am Boden

Der Karlsruher SC liegt nach dem Abstieg in die 3. Liga und den schweren Krawallen am Boden. Wie es mit dem Gründungsmitglied der Bundesliga weitergeht, ist völlig offen.

Als Klubchef Ingo Wellenreuther kurz vor Mitternacht an den Fenstern der Geschäftsstelle eingeschlossen und ohnmächtig die schweren Krawalle mitansehen musste, lag der einst so ruhmreiche Karlsruher SC endgültig am Boden. "Dieser Tiefschlag trifft uns bis ins Mark", sagte der KSC-Präsident nach dem Abstieg des Gründungsmitglieds der Bundesliga in die 3. Liga. Derzeit ist völlig offen, wie es mit dem Europacup-Halbfinalisten von 1994, der vor zwölf Jahren schon einmal den Weg in die Drittklassigkeit antreten musste, weitergeht.

"Ich habe nie geglaubt, dass das passieren kann. Das ist sehr bitter - auch für mich persönlich", sagte Sportchef Oliver Kreuzer nach dem 2:2 (1:1) im Relegationsrückspiel gegen Jahn Regensburg unter Tränen: "Die Mannschaft wird es in der Form nicht mehr geben. Es haben nur drei Spieler Vertrag für die 3. Liga. Wir haben keinen Plan B. Ich habe keine Ahnung, wie es weitergeht. Jetzt müssen wir die Köpfe zusammenstecken."

Seinen Kopf musste Kreuzer, dessen Verbleib bei den Badenern mehr als fraglich ist, schon am Montagabend hinhalten. Erst als der frühere Profi und einige aktuelle Spieler das Gespräch mit den Randalierern suchten, beruhigte sich die angespannte Lage. "Die Fans mussten so viel leiden in der ganzen Saison, weil wir so einen Mist zusammengespielt haben. Da ist es fast menschlich, dass sich die Aggressionen entladen", sagte Kreuzer.

76 Verletzte bei Randalen

Als der Manager das sagte, hatte er allerdings noch keine Ahnung vom Ausmaß der Ausschreitungen, an denen mehrere Hundert Randalierer beteiligt waren. Nach Angaben der Polizei wurden insgesamt 76 Personen verletzt, davon 18 Beamte. 73 Verletzte mussten von Sanitätern behandelt werden. 109 Krawallmacher wurden in Gewahrsam genommen und nach Feststellung der Personalien wieder entlassen. Es kam auch zu vereinzelten Festnahmen. Den Festgenommenen drohen Anzeigen wegen Körperverletzung und Landfriedensbruch.

Wellenreuther zeigte sich auch am Tag danach geschockt und forderte eine rasche Aufklärung der Ereignisse. "Dieses Verhalten ist bei aller Enttäuschung über den Abstieg nicht akzeptabel. Wir sind seitens des Vereins dabei, hier alles unsererseits dafür zu tun, dass die entsprechenden Personen ermittelt werden", sagte der KSC-Boss und fügte an: "Mit solchen Übergriffen wird dem Ansehen des Vereins und dem Großteil seiner Fans, die den Verein friedlich unterstützen, massiv geschadet."

Die Szenen rund um das Wildparkstadion könnten auch Wellenreuther noch einmal einholen. Schließlich will der CDU-Bundestagsabgeordnete nicht nur im Oktober erneut zum Klubchef gewählt werden, der 52-Jährige tritt im Dezember auch bei der Wahl zum Oberbürgermeister an. Ein Abstieg und darauffolgende Randale sind für beide Abstimmungen nicht die besten Visitenkarten.

Dennoch zeigte sich Wellenreuther kämpferisch. "Wir werden alles dafür tun, damit wir nur ein Jahr in der 3. Liga spielen müssen", sagte er. Allerdings muss die Mission "sofortiger Wiederaufstieg" mit einem deutlich geringeren Budget als bisher angegangen werden. Der Etat wird um knapp die Hälfte von 7,5 Millionen Euro auf rund 4 Millionen Euro reduziert. Ohne das Geld des Industriellen und Vize-Präsidenten Günter Pilarski, der angeblich seit dem vergangenen Jahr fünf Millionen Euro in den Verein gepumpt haben soll, wird es wohl auch in Zukunft nicht gehen.

"Uns erwarten intensive Wochen", sagte Trainer Markus Kauczinski, der als großer Hoffnungsträger gilt: "Wir werden uns sammeln und dann mit den Planungen für die 3. Liga beginnen. Wir haben bereits im Vorfeld Spieler für beide Ligen angesprochen. Nun gilt es, eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen."

Hier geht es zur Bilderstrecke: 2. Bundesliga 11/12, Relegation: Krawalle nach Schlusspfiff

(sid)
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