1. Sport
  2. Fußball
  3. 2. Bundesliga

Nach jordanischem Zirkus: Frust bei 1860 München: "Das belastet uns"

Nach jordanischem Zirkus : Frust bei 1860 München: "Das belastet uns"

Am Ende einer turbulenten Woche brach bei den Löwen der ganze Frust über den jordanischen Zirkus heraus. "Ich bin stolz, dass wir solch eine Moral gezeigt haben, nachdem wir seit Wochen von allen Seiten nur auf die Fresse bekommen haben", sagte Trainer Alexander Schmidt nach dem 1:1 (0:1) von 1860 München beim 1. FC Köln in der 2. Fußball-Bundesliga.

Und auch bei Offensivspieler Daniel Halfar, der mit seinem Tor (78.) den Lohn für eine starke Leistung sicherte, war richtig genervt. "Alle sagen immer, wir sollen uns auf unsere Arbeit konzentrieren und unsere Leistung bringen", sagte er dem SID: "Aber wir kriegen das alles mit. Und es belastet uns natürlich. Wir sind Angestellte des Vereins. Es wäre schön, wenn endlich mal alle an einem Strag ziehen würden und es sich mal wieder ein bisschen mehr um Sport drehen würde."

Denn der Sport spielte beim Fußball-Zweitligisten in den vergangenen Wochen eine Nebenrolle - zum Leid der Verantwortlichen. "Das Thema begleitet uns seit Winter immer wieder. Und nun hat es sich zugespitzt", sagte Sportdirektor Florian Hinterberger dem SID. Unter anderem, weil die Klubführung der Forderung nach Hinterbergers Rauswurf nicht nachgekommen war, hatte der jordanische Investor Hasan Ismaik unter der Woche drei Darlehensverträge in Höhe von rund zehn Millionen Euro gekündigt. Am Donnerstagabend fiel zu allem Überfluss Interimspräsident Hep Monatzeder bei einer Delegiertenversammlung durch.

"Ich mache meine Arbeit, über den Rest versuche ich mir keine Gedanken zu machen", erklärte Hinterberger: "Die Hoffnung, dass Ruhe einkehrt, habe ich immer." Seine Aufgabe, für die kommende Saison eine aufstiegsfähige Mannschaft aufzubauen, ist derzeit aber alles andere als einfach umzusetzen. Immerhin, die Mittel wurden ihm nach Ismaiks Ankündigung noch nicht gekürzt. "Ich habe bisher das Zeichen bekommen, ganz normal weiterzuarbeiten", sagte er.

Doch natürlich fällt es schwer, umworbene Spieler von 1860 zu begeistern. "Natürlich kommen bei den Verhandlungen die Fragen nach unserer Situation", erklärte Hinterberger: "Aber da muss man eben Überzeugungsarbeit leisten."

Dies gilt sicher auch für die aktuellen Spieler, die die Entwicklung mit Sorge betrachten. Oder mit bitterer Ironie. "Wir haben uns auf dieses Spiel gefreut", sagte Ex-Nationalspieler Daniel Bierofka: "Vor 50.000 Zuschauern werden wir so schnell nämlich nicht mehr spielen." In der 71.000 Besucher fassenden Allianz-Arena verloren sich beim letzten Heimspiel der Löwen gegen den FSV Frankfurt ganze 14.200 Zuschauer.

  • Ismaik greift ein : 1860 schließt Medien bei Präsidentenwahl aus
  • Erfolg für Investor Ismaik : 1860-Delegierte stimmen gegen Präsident Monatzeder
  • Zukunft weiter offen : 1860 weiter im Chaos — Monatzeder abgelehnt

Auch Bierofka fällt die Konzentration auf das Wesentliche derzeit nicht leicht. "Wir versuchen das alles so gut es geht auszublenden. Mal klappt es besser, mal weniger", sagte er lapidar: "Ich hoffe einfach, dass bald endlich mal Ruhe einkehrt. Im Juni ist eine Mitgliederversammlung, dann hoffe ich, dass wir einen Präsidenten haben werden, und dann schauen wir, wie es weitergeht."

Man darf gespannt sein.

Hier geht es zur Bilderstrecke: 2. Bundesliga 12/13: Köln - 1860

(sid/are)