Eintracht Braunschweig steigt nach 2:6 bei Holstein Kiel in die 3. Liga ab

Bitterer Abschied : Braunschweig steigt nach 2:6 in Kiel in die 3. Liga ab

Vier Jahre nach dem Bundesliga-Abstieg und zehn Jahre nach dem Amtsantritt von Trainer Torsten Lieberknecht muss Eintracht Braunschweig den bitteren Gang in die 3. Liga antreten. Die Löwen verloren mit 2:6 (2:4) beim Relegations-Teilnehmer Holstein Kiel.

Torsten Lieberknecht weinte bittere Tränen. Der Trainer von Eintracht Braunschweig, die Klub-Legende der Löwen, konnte es nicht fassen. Einen Tag nach seinem zehnten Dienstjubiläum musste der 44-Jährige den schwärzesten Moment seiner lange erfolgreichen Ära in Braunschweig erleben: Die Eintracht ist in die 3. Liga abgestürzt - und Lieberknecht droht das Aus.

Die Löwen verloren in einem wilden Abstiegsfinale mit 2:6 (2:4) beim Relegations-Teilnehmer Holstein Kiel und hofften vergeblich auf Patzer der Konkurrenz. Die SpVgg Greuther Fürth (1:1 beim 1. FC Heidenheim) tat der Eintracht nicht den Gefallen, 39 Punkte reichten in der Abschlussrechnung nur für Rang 17.

"Ich denke, dass wir in den schwärzesten Stunden dieser zehn Jahre trotzdem Haltung bewahren sollten", sagte der aufgelöste Lieberknecht bei Sky: "Die Gefühlswelt ist komplett leer." In den kommenden Tagen müsse man über die Geschehnisse reden. "Es fühlt sich wie ein Filmriss an", sagte Sportdirektor Marc Arnold. Vor einem Jahr kämpfte die Eintracht noch in der Relegation um den Bundesliga-Aufstieg, nun folgte der Tiefpunkt.

Braunschweig, der deutsche Meister von 1967, ging durch Jan Hochscheidt (6.) und Ken Reichel (19.) zweimal im ersten Durchgang in Führung und hatte den Klassenerhalt wieder fest im Blick. Doch vor allem Steven Lewerenz bekamen die Gäste nie in den Griff - der Offensivmann der Kieler erzielte gleich vier Treffer (22., 30., 57., 59.). Für die ohne zahlreiche Stammspieler agierenden Kieler trafen zudem Aaron Seydel (16.) sowie Kapitän Rafael Czichos (33.) und sorgten damit für eine gelungene Generalprobe vor der Aufstiegs-Relegation gegen den VfL Wolfsburg.

Schon zur Halbzeitpause sah es finster für die Eintracht aus, die vor allem in der Defensive nicht zweitligatauglich agierte. Lieberknecht, der am 33. Spieltag mit einer beeindruckenden Fan-Choreographie für seine Vereinstreue und Erfolge gefeiert worden war, verzweifelte immer mehr. Sein Team hatte den effizienten Kielern nichts mehr entgegenzusetzen. Holstein-Coach Markus Anfang wechselte die Startelf-Kandidaten für die Wolfsburg-Duelle nach und nach aus, dennoch blieben die Gastgeber überlegen.

Während sich im Holstein-Stadion Polizeikräfte auf mögliche Ausschreitungen vorbereiteten, trauerte Lieberknecht auf dem Rasen. Er nahm seine Spieler in den Arm und wischte immer wieder Tränen beiseite. Nach seinem Amtsantritt hatte der gebürtige Pfälzer seinen Herzensklub binnen fünf Jahren von der dritten in die erste Liga geführt und im Fußball-Oberhaus trotz des mit Abstand geringsten Team-Etats lange im Kampf um den Klassenerhalt gehalten.

Nun der Tiefpunkt. Es würde nicht mehr überraschen, wenn sich die Wege von Lieberknecht und der Eintracht demnächst trennen. Entsprechende Gerüchte halten sich seit Wochen.

(SID)