Skandalspiel in der Esprit-Arena: Die Chronologie der Eskalation

Skandalspiel in der Esprit-Arena: Die Chronologie der Eskalation

Es war das Skandalspiel des Jahres. Schon Minuten vor dem Schlusspfiff stürmen Düsseldorfer Fans siegestrunken den Platz, das Rückspiel zwischen der Fortuna und Hertha BSC Berlin wird für mehr als 20 Minuten unterbrochen. Zuvor wurde in den Blöcken mit Bengalos und Feuerwerkskörpern ein hässliches Fest abgebrannt. Wir zeigen, wie sich das Skandal-Spiel von Düsseldorf zugespitzt hat.

1. Minute: Mit dem ersten Angriff erzielt Maximilian Beister die frühe Führung für die Fortuna und lässt den Traum vom Aufstieg leben. Die Arena bebt, die Fortuna-Fans feiern friedlich den Führungstreffer.

22. Minute: Änis Ben-Hatira sorgt per Kopf für den Ausgleich der Berliner und lässt sich vor dem Fanblock der mitgereisten Fans feiern. Auch hier bleibt alles im normalen Rahmen.

54. Minute: Ben-Hatira fliegt nach einem dummen Foul mit Gelb-Rot vom Platz. Die Fans im Berliner Block werden unruhig, merken, dass der Abstieg immer näher rückt. Erste Böller werden gezündet.

61. Minute: Eskalation in der Arena: Ranisav Jovanovic erzielt per Kopf den 2:1-Führungstreffer für die Fortuna und stößt das Tor zur Bundesliga weit auf. Direkt im Anschluss an den Treffer erstrahlt der Berliner Fanblock in rotem Rauch, die Fans fackeln ein bengalisches Feuerwerk ab. Die Düsseldorfer Anhänger antworten ihrerseits mit dem Abfackeln von Bengalos. Hässliche Szenen in einem Spiel, in dem es um viel geht. Aus der Berliner Kurve fliegen sogar Bengalos auf den Rasen. Eine Schande für den Fußball.

63. Minute: Die Berliner Spieler gehen in die Kurve und mahnen die Fans zur Ruhe auf. Auf dem Spielfeld lodern vereinzelt Feuer, Werbebanden brennen. Das sieht eher nach Krieg als nach einem Fußballspiel aus.

64. Minute: Schiedsrichter Wolfgang Stark unterbricht die Partie für mehrere Minuten. Es droht sogar der Abbruch. Der Stadionsprecher ruft die sogenannten "Fans" über die Anlage dazu auf, mit dem Abbrennen von Pyrotechnik aufzuhören. Mehrere Spieler stehen ratlos an der Seitenlinie und hoffen, dass es bald weitergeht.

65. Minute: Als Folge auf die Ereignisse im Fanblock postieren sich zahlreiche Polizisten vor der Berliner Kurve, um eine mögliche weitere Eskalation zu verhindern.

68. Minute: Die Partie geht weiter, für rund 20 Minuten steht wieder der Fußball im Vordergrund.

85. Minute: Die Hertha lebt. In Unterzahl gleicht Raffael die Partie aus und lässt Berlin wieder vom Klassenerhalt träumen. Das Stadion wird unruhig, man kann die Angst förmlich riechen.

89. Minute: Hunderte Fortuna-Fans laufen zur Seitenlinie, um den besten Platz beim Rasensturm zu ergattern, wenn die Partie abgepfiffen ist und Fortuna den Aufstieg feiern kann. Die Polizei bleibt vor dem Hertha-Block, die Ordner sind mit dem Ansturm der Düsseldorfer Anhänger heillos überfordert.

90. Minute: Die Nachspielzeit wird angezeigt: Sieben Minuten muss Düsseldorf noch zittern, bis der Aufstieg perfekt ist. Ein Raunen geht durch das Stadion, als die Nachspielzeit angezeigt wird.

96. Minute: Schiedsrichter Stark entscheidet auf Abseits und pfeift. Die Düsseldorfer Fans denken, es sei der Schlusspfiff gewesen und stürmen den Platz. Die Ordner können die Massen nicht aufhalten. Ein Fortuna-Fan sprintet zum Elfmeterpunkt und reißt diesen als Andenken an diesen historischen Tag heraus. Dabei ist die Partie noch gar nicht zu Ende!

96. Minute: Stark unterbricht die Partie und fordert die Spieler auf, in die Kabinen zu gehen. Einige Düsseldorfer Profis versuchen, die Fans zu beruhigen und den Platz wieder frei zu bekommen. Sascha Rösler geht in die Fortuna-Kurve und spricht zu den Fans. Die Situation ist komplett unübersichtlich, der Abbruch droht.

96. Minute: Die beiden Trainer Norbert Meier und Otto Rehhagel treffen sich an der Mittellinie und beraten Arm in Arm, wie es weitergeht. Dann gehen beide in die Kabinen. Ein versöhnliches Bild im Chaos.

96. Minute: Nur Rösler ist noch auf dem Platz und versucht weiterhin, deeskalierend auf die Fans einzuwirken. Einige Zuschauer geleitet der Stürmer-Oldie persönlich vom Feld.

96. Minute: Der Stadionsprecher erklärt den Fans, dass die Partie vor dem Abbruch steht, wenn sie sich nicht besinnen. Nach zehnminütiger Unterbrechung kommt Schiedsrichter Stark zurück auf das Spielfeld. Geht es bald weiter?

96. Minute: Kurz nach Stark kommen auch die Fortuna-Spieler auf den Rasen zurück. Die Berliner bleiben in der Kabine und beratschlagen sich noch. Dann kommen auch sie zurück und die Partie wird für die letzten 90 Sekunden wieder angepfiffen. Der Stadionsprecher erklärt, dass das Spiel abgebrochen wird, sobald nur noch ein Fan einen Fuß auf den Rasen setzt.

98. Minute: Schluss, Aus, vorbei. Stark pfeift dieses denkwürdige Skandal-Spiel ab, Düsseldorf versinkt im Jubel. Nach Schlusspfiff stürmen die Fans erneut den Platz, diesmal dürfen sie es. Die Berliner fliehen in die Kabine, aus dem Rasen wird ein rot-weißes Fahnenmeer. Die anschließenden Feierlichkeiten im Stadion gehen friedlich über die Bühne.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Chaoten sorgen für Bengalo-Eklat in Düsseldorf

(seeg/can/seeg)
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