2. Bundesliga: Der Kampf um den Aufstieg ist völlig offen

Endspurt in der 2. Bundesliga : Aufstiegskampf ist völlig offen

Köln und Hamburg galten vor der Saison als quasi gesetzte Aufsteiger aus der 2. Liga. Und nun, vier Spieltage vor Schluss? Ist Köln noch nicht durch, muss der HSV zittern und hat Paderborn den wohl stärksten Rückenwind. Wir unterziehen den Aufstiegs-Endspurt einem Check.

Selten waren sich die Zweitliga-Trainer so einig wie vor dieser Saison. Gefragt nach ihren Aufstiegsfavoriten nannten alle Übungsleiter ohne Ausnahme die Bundesliga-Absteiger Hamburger SV und 1. FC Köln. Der Grund liegt auf der Hand: „Beide Vereine haben einen mehr als doppelt so hohen Etat wie der dritthöchste der Liga“, sagte etwa Bochums Trainer Robin Dutt.

Vier Spieltage sind nun noch zu spielen und schaut man auf die Tabelle, scheinen die Trainer auf den ersten Blick Recht zu behalten. Ganz so eindeutig ist es aber nicht. Denn sowohl der FC als auch der HSV treten im Saisonendspurt auf wie taumelnde Riesen. So kommt es, dass auch der SC Paderborn, Union Berlin, der 1. FC Heidenheim und Holstein Kiel noch Chancen auf einen Platz im Fußball-Oberhaus haben. Wir nehmen die Aufstiegsaspiranten unter die Lupe.

Platz 1: 1. FC Köln (59 Punkte, +36 Tore)

Es müsste schon viel passieren, damit der 1. FC Köln den Aufstieg nicht schafft. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt satte acht Punkte. Spielt die Konkurrenz mit, könnte der Aufstieg schon an diesem Spieltag in trockenen Tüchern sein. Also alles gut in Köln? Mitnichten. Der FC quält sich eher in Richtung Saisonende. Von den vergangenen drei Spielen hat der FC keines gewonnen und sich beim 4:4 in Duisburg und dem 0:3 bei Dynamo Dresden mitunter auch noch blamiert. Der Mannschaft fehlt es an Teamgeist. So wich Mittelfeldspieler Dominik Drexler nach dem Spiel in Dresden den Fragen der Journalisten mit der Aussage aus: „Das beantworten die Stars.“ Die Zukunft von Trainer Markus Anfang ist ungewiss. Der Aufstieg ist für den FC eine Pflichterfüllung. Partystimmung will am Rhein deshalb nicht aufkommen. Restprogramm: Darmstadt (H), Fürth (A), Regensburg (H), Magdeburg (A)

Platz 2: Hamburger SV (53 Punkte, +8 Tore)

Der Hamburger SV hätte dem Aufstieg zu diesem Zeitpunkt schon ein gutes Stück näher sein können. Ist er aber nicht. Grund dafür ist die jüngste Negativserie von fünf sieglosen Partien am Stück. Nur weil Union Berlin eine ähnliche Serie hingelegt hat, steht der HSV überhaupt noch auf einem direkten Aufstiegsplatz. In der Rückrundentabelle belegt der HSV sogar nur Rang zehn. Vor allem offensiv präsentiert sich der eigentlich gut bestückte Kader häufig ideenlos. Mit nur 41 geschossenen Toren bei 33 Gegentoren hat der HSV die schwächste Tordifferenz aller Aufstiegskandidaten. Am Ende kann das entscheidend werden. Der HSV hat den direkten Aufstieg zwar noch in der eigenen Hand, das Restprogramm hat es aber in sich. Am Sonntag steht mit dem Auswärtsspiel bei Union Berlin das wahrscheinlich wichtigste Saisonspiel an. Mit einem Sieg würde der Vorsprung auf Rang vier auf mindestens vier Punkte anwachsen. Auch in Paderborn ist der HSV noch gefordert. Fangen sich die Hamburger rechtzeitig, könnte der Aufstieg dann am vorletzten Spieltag feststehen. Ein verpasster Aufstieg käme an der Elbe jedoch einer Katastrophe gleich. Restprogramm: Union (A), Ingolstadt (H), Paderborn (A), Duisburg (H)

Platz 3: SC Paderborn (51 Punkte, +25 Tore)

Dass der SC Paderborn vier Spieltage vor Schluss den Aufstieg in der eigenen Hand hat, ist vielleicht die Überraschung der Saison. Dank einer starken Serie von vier Siegen aus fünf Spielen hat sich der SCP auf den Relegationsrang geschoben. Vor allem mit dem 3:1-Auswärtssieg beim heimstarken Union Berlin haben die Ostwestfalen gezeigt, dass sie zurecht oben stehen. Auch dank einer deutlich verbesserten Defensive sind die Paderborner sogar die aktuell beste Rückrundenmannschaft. Dazu kommt die gewohnt starke Offensive, die nach dem 1. FC Köln die zweitmeisten Tore der Liga geschossen hat. Größter Trumpf der Paderborner ist aber die mannschaftliche Geschlossenheit und ein unbändiger Kampfeswille, vorgelebt von Trainer Steffen Baumgart. In vielen Spielen ließ der SCP allerdings die Abgezocktheit vermissen, die im Aufstiegskampf entscheidend werden kann. Und das Restprogramm ist nicht leicht. Mit Heidenheim und dem HSV kommen noch zwei direkte Konkurrenten nach Paderborn. Das bedeutet aber auch, dass der SCP sogar den direkten Aufstieg in der eigenen Hand hat. Restprogramm: Heidenheim (H), Bielefeld (A), HSV (H), Dresden (A)

Platz 4: Union Berlin (50 Punkte, +17 Tore)

Zehn Jahre spielt Union Berlin nun ununterbrochen in der Zweiten Liga. Die Sehnsucht nach einem Bundesliga-Aufstieg ist groß an der Alten Försterei. Besser als in diesem Jahr waren die Chancen selten, stand Union doch lange auf dem Relegationsrang. Doch im Saisonendspurt scheint den Eisernen die Luft auszugehen. Ausgerechnet in einer Phase, in der der HSV schwächelt, hat auch Union das Siegen verlernt. Keines der vergangenen fünf Spiele wurde gewonnen. So konnte der SC Paderborn Union von Rang drei verdrängen. Doch die Welt kann in Köpenick schon an diesem Spieltag gerade gerückt werden, wenn der HSV zum Gastspiel kommt. Dank der besseren Tordifferenz würde Union die Hamburger mit einem Sieg in der Tabelle überholen und hätte zumindest die Relegation dann in eigener Hand. Das weitere Restprogramm ist durchaus machbar, wobei man mit dem 1. FC Magdeburg noch auf einen kämpfenden Abstiegskandidaten trifft. Restprogramm: HSV (H), Darmstadt (A), Magdeburg (H), Bochum (A)

Platz 5: 1. FC Heidenheim (49 Punkte, +10 Tore)

Der 1. FC Heidenheim ist die zweite Überraschungsmannschaft im Aufstiegsrennen. Genau wie der SC Paderborn zieht Heidenheim seine Stärke aus einem starken Zusammenhalt. Dazu kommen individuell überdurchschnittliche Akteure wie der Ur-Heidenheimer Marc Schnatterer, Robert Glatzel oder Nikola Dovedan. Die Mannschaft hat nicht nur beim knappen Pokal-Aus gegen den FC Bayern gezeigt, wozu sie fähig ist. Offiziell will in Heidenheim zwar niemand vom Aufstieg sprechen, mit dem Spiel in Paderborn steht nun aber ein echtes Schlüsselduell an. Gewinnen die Heidenheimer, ziehen sie in der Tabelle am SCP vorbei und könnten im besten Fall sogar auf Rang drei springen. Danach folgen nur noch Spiele gegen abstiegsbedrohte Teams, was wiederum auch gefährlich werden kann. Soll es mit dem Aufstieg klappen, braucht der FCH vor allem Konstanz und Abgezocktheit. Bei einer Niederlage in Paderborn könnte der Traum aber schon am Sonntag platzen. Restprogramm: Paderborn (A), Sandhausen (H), Duisburg (A), Ingolstadt (H)

Platz 6: Holstein Kiel (46 Punkte, +10 Tore)

Nach der 1:2-Niederlage gegen den SC Paderborn hat Holstein Kiel nur noch Außenseiterchancen auf den Aufstieg. Der Rückstand auf den Relegationsrang beträgt bereits fünf Punkte. Dennoch spielt das Team von Trainer Tim Walter ein Jahr nach der verlorenen Relegation gegen den VfL Wolfsburg eine respektable Saison mit attraktivem Offensivfußball. Was noch für Kiel sprechen könnte ist das auf dem Papier leichte Restprogramm. So müssen die Störche nur noch gegen Teams aus dem Tabellenkeller ran, während sich die Konkurrenten im Aufstiegsrennen noch gegenseitig Punkte wegnehmen. Die KSV könnte so noch Plätze in der Tabelle gut machen. Damit es aber noch für einen Aufstiegs- oder Relegationsrang reichen könnte, müsste die Konkurrenz im Saisonendspurt noch mehrfach patzen. Restprogramm: Sanhausen (A), Duisburg (H), Dresden (H), Bielefeld (A).

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