2. Bundesliga 18/19: Hamburger SV schon wieder im Krisenmodus

Trainer Titz warnt vor Aktionismus: HSV schon wieder im Krisenmodus

Trainer Christian Titz vom Zweitligisten Hamburger SV warnt nach der 0:3-Pleite gegen Holstein Kiel zum Saisonstart vor Aktionismus. Auch Sportchef Ralf Becker fordert zu Ruhe und Besonnenheit auf.

Riesig war die Euphorie, brutal der Absturz: Nach dem Realitätsschock für den Hamburger SV in der 2. Fußball-Bundesliga mit dem blamablen 0:3 gegen Holstein Kiel waren die Verantwortlichen beim Topfavoriten um Ruhe bemüht. Trainer Christian Titz warnte vor Aktionismus nach der Pleite im ersten Zweitliga-Spiel der Klub-Geschichte. Sportvorstand Ralf Becker mahnte nach dem Freitags-Fiasko Besonnenheit an. Schließlich soll die Aufbruchstimmung erhalten bleiben. Doch dazu muss im richtungsweisenden Gastspiel beim SV Sandhausen unbedingt ein Gefühlsaufheller her.

„Wir haben nächsten Sonntag die Chance, vieles besser zu machen“, betonte Ex-Profi Becker, der allen Unkenrufen zum Trotz die Ruhe bewahren will. „Wir lassen uns nach einem Spieltag nicht verrückt machen und auseinanderdividieren. Wir haben noch 33 Spiele vor uns. Wir haben einen Schlag bekommen, damit müssen wir offensiv umgehen und eine gute Trainingswoche hinlegen“, forderte der Sportchef.

Doch auch ihm sind einige elementare Schwächen im Duell mit den Kielern am Freitagabend nicht entgangen. So erwies sich Neuzugang David Bates in der Innenverteidigung als Unsicherheitsfaktor. Daher intensiviert Becker die Suche nach einem erfahrenen Akteur für die Abwehrzentrale. „Es sollte einer sein, der uns sofort hilft. Gerade in der Situation, in der du unter Druck stehst, brauchst du einen, der damit umgehen kann“, sagte Becker. Die Entscheidung solle „lieber schnell als langsam“ erfolgen, „aber sie muss gut sein“, meinte er.

Zwei Tage zuvor hatte sich der große Aufstiegsfavorit früh zum Gespött in Fußball-Deutschland gemacht. Das 0:3-Heimdebakel erstickt die zuvor schier grenzenlose Euphorie in der Hansestadt. „Das war desaströs, eine Katastrophe“, gestand Kapitän Lewis Holtby. „Wir haben auf die Fresse gekriegt.“ Ursprünglich wollte der Bundesliga-Absteiger gegen den Nachbarn aus Schleswig-Holstein den ersten Schritt auf dem Rückmarsch in die Erstklassigkeit machen und der Konkurrenz unmissverständlich bedeuten: Vorsicht, hier kommt der HSV! Nach der Blamage ist der Respekt vor dem Dino a.D. erst mal weg.

Im sozialen Netz herrschte Schadenfreude. „Es ist schön, dass man sich in Zeiten wie diesen trotzdem auf gewisse Sachen verlassen kann“, twitterte ein Fußballfan in Anspielung auf die Rolle des HSV in den vergangenen Jahren. Er wurde von einem anderen User bestätigt: „Der HSV kann eben nur gegen den Abstieg spielen.“ Es wurde auch Trost gespendet: „Im Keller ist es wenigstens kühl.“

Vor Spielbeginn hatten die Fans im mit 57.000 Besuchern ausverkauften Volksparkstadion eine Champions-League-Reife Vorstellung geboten. Die Hamburger hatten anfangs gute Chancen für zwei, drei Tore Vorsprung, doch alle wurden versiebt. Die Gegentreffer von Jonas Meffert, David Kinsombi und Mathias Honsak wurden dann zum Party-Crasher.

HSV-Trainer Christian Titz warnte am Tag darauf vor Aktionismus. „Wir werden jetzt nicht alles über den Haufen werfen und alles in Zweifel ziehen“, sagte der 47-Jährige. Er gilt weiter als Hoffnungsträger, auch wenn in Ex-Präsident Jürgen Hunke bei Sport1 ein erster Kritiker auftauchte. Titz sei „ein netter Kerl, aber nur mit nettem Worten reißt man nichts im Profifußball. Er macht viel zu viele Interviews.“

Immerhin: Der letzte Erstliga-Absteiger, der mit einer Niederlage startete und trotzdem die Rückkehr in die 1. Liga schaffte, war der SC Freiburg in der Saison 2015/2016. Davor gelang dies Pokalsieger Eintracht Frankfurt in der Saison 2011/2012.

Entscheidender Mann des Holstein-Sieges war Spielmacher Jae-Sung Lee. Der 25 Jahre alte südkoreanische WM-Teilnehmer zeigte, dass er jeden Cent seiner Ablöse wert. Die soll sich zwischen 900 000 und 1,5 Millionen Euro bewegen. „Bei Lee haben wir gut gearbeitet“, meinte Coach Tim Walter über den Mittelfeld-Motor, der nur eine Woche nach seiner Verpflichtung auftrumpfte. „Das habe ich ihm zugetraut, denn Lee spielt in einer anderen Klasse.“ Einen solchen Mann hätte der HSV am Freitag gern in seinen Reihen gehabt.

(pabie/dpa)