Geld, Macht – Korruption? Wie die WM nach Katar kam

Frabkfurt/Main · Vor zwölf Jahren erhielt Katar den Zuschlag für die WM. Die Korruptionsvorwürfe halten sich bis heute, die Vorgänge rund um die Vergabe beschäftigen die Behörden noch immer.

Der ehemalige FIFA-Präsident Joseph Blatter bei der Vergabe der Fußball-WM 2022 an Katar.

Der ehemalige FIFA-Präsident Joseph Blatter bei der Vergabe der Fußball-WM 2022 an Katar.

Foto: dpa/Walter Bieri

Nur ein gezwungenes Lächeln huschte Joseph S. Blatter über das Gesicht, als er jenen unheilvollen Umschlag öffnete, der den Fußball in ein Jahrzehnt voller Skandale stürzen sollte. Nachdem Katar am 2. Dezember 2010 überraschend den WM-Zuschlag erhalten hatte, folgten beispiellose Diskussionen über Korruption, Hitze oder Menschenrechte - und eine tiefe Krise im Weltverband Fifa.

„Wir haben Schaden genommen. Und ich bin ein Teil davon. Ich will mich aber nicht zurückziehen und sagen, dass ich ein Unschuldslamm bin“, sagt der damalige Fifa-Boss Blatter im SID-Interview zwölf Jahre später, kurz vor dem Turnierstart am 20. November: „Es war ein Irrtum, basierend auf einer Entscheidung, als ich der Präsident war - und ich trage dafür einen Teil der Verantwortung.“

Während Blatters Zeit an der Fifa-Spitze (1998 bis 2016) war ein beispielloses Korruptionsnetzwerk entstanden, das Gerichte und Ermittler in mehreren Ländern bis heute beschäftigt. Eines, das nicht nur jene Vorgänge begünstigt haben könnte, die sich rund um die umstrittene Doppelvergabe der Endrunden für 2018 und 2022 abgespielt haben sollen.

Besonders im Blickpunkt steht seit jeher ein Treffen im Elysee-Palast. Mit dabei: Michel Platini, damals Uefa-Boss, der ehemalige französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy – und der heutige Emir Katars, Tamim bin Hamad Al Thani. „Die Quintessenz war, dass ich nicht mehr auf vier Stimmen aus Europa für die USA zählen konnte“, sagt Blatter mit Blick auf die Zusammenkunft kurz vor der Vergabe.

Platini brüstete sich später, Katar gewählt zu haben, bestritt aber jegliche Einmischung Sarkozys. Fakt ist: Wenig später erhielt Platinis Sohn einen Posten bei jenem katarischen Investmentfonds, der Paris St. Germain kaufen sollte. Und: Frankreich schloss weitere lukrative Deals mit Katar ab.

Das Emirat setzte sich trotz der schlechtesten Bewerbung durch. Schon vor der Vergabe hatte die Fifa aus ihrem 24-köpfigen Exekutivkomitee zwei Mitglieder aus dem Verkehr ziehen müssen. Es folgten zahlreiche Berichte über weitere zwielichtige Vorgänge, bei denen auch die Schlüsselfigur Mohamed Bin Hammam im Zentrum stand, Aussagen von Whistleblowerinnen – und eine fragwürdige „Aufklärung“ der Fifa.

Das „System Blatter“ aber war spätestens seit der Razzia im Züricher Nobelhotel Baur au Lac am 27. Mai 2015 nicht mehr zu halten. „Ich habe mich nicht darum gekümmert, ob jemand links oder rechts beeinflusst worden ist“, behauptet Blatter, der Katar nicht gewählt habe. Es sei „immer von Geld“ gesprochen worden, „doch vom Geld weiß ich nichts“.

Bis heute ist nichts bewiesen, bis heute gibt es keine Verurteilung mit Blick auf mögliche Korruption bei der Vergabe der WM 2022 – Katar beteuert seine Unschuld. Doch nach der Vergabe rissen die Schlagzeilen keineswegs ab.

Zunächst die Hitze-Diskussionen, die erst 2015 zu einer Verlegung in den Winter führten, dann die ersten Berichte über Ausbeutung und Tod auf den Baustellen in Katar. Um die WM nicht zu verlieren, erkaufte sich das Emirat offenbar Einfluss in Europa, scheute angeblich auch nicht vor geheimdienstlichen Mitteln zur Beeinflussung von Kritikern zurück.

Blatter beteuert, er leide noch heute unter der Vergabe an Katar. Nachfolger Gianni Infantino dagegen wohnt inzwischen in der Hauptstadt Doha, verteidigt seine katarischen Freunde regelmäßig und hatte trotz aller offenen Fragen bereits nach seiner Wahl 2016 betont: Die Krise der Fifa sei vorüber.

(lonn/SID)