WM-Kolumne von Simon Rolfes: Frankreich wird Weltmeister

WM-Kolumne von Simon Rolfes: Frankreich holt sich den Titel

Frankreich ist vor dem Finale gegen Kroatien absoluter Top-Favorit auf den WM-Titel, findet RP-Kolumnist Simon Rolfes. Im deutschen Lager traut er Joachim Löw den notwendigen Erneuerungsprozess zu.

Frankreich gegen Kroatien – so lautet also die Endspielpaarung. Das ist nur zur Hälfte eine Überraschung. Die Franzosen gehörten von Beginn an zu meinen Favoriten. Sie verfügen über eine wahnsinnige individuelle Qualität. Bei ihnen hat sich bloß die Frage gestellt, ob sie auch mannschaftlich geschlossen auftreten können. Und das sind sie. Die Franzosen haben den großen Vorteil, komplett variabel zu spielen.

Sie besitzen genügend fußballerische Klasse, um Mannschaften zu dominieren, sind aber auch clever genug, nicht ins offene Messer zu laufen. Gegen Uruguay und Belgien haben sie gezeigt, dass sie kompakt stehen können. Das zeichnet eine Spitzenmannschaft aus. In Kylian Mbappé und Antoine Griezmann haben sie zudem zwei absolute Ausnahmekönner in ihren Reihen. Die Beschleunigung und Leichtfüßigkeit eines Mbappé hätte ich als Spieler auch gerne gehabt. Frankreich ist für mich der absolute Topfavorit.

Den Siegeszug der Kroaten bei dieser WM haben sicher nur wenige Fußballkenner vorhergesagt. Sie habe ich nicht im Finale erwartet, aber auch sie stehen zurecht dort: Wer Spanien und England aus dem Turnier kegelt, hat es verdient. Das Team von Trainer Zlatko Dalic kommt vor allem über die Mentalität. Ihre fußballerische Klasse haben die Kroaten schon bei vorherigen Turnieren immer wieder bewiesen. Sie sind unbequem zu spielen, fahren gefährliche Konter und haben in Luka Modric und Ivan Rakitic zwei fantastische Spieler im Zentrum. Im direkten Vergleich mit den Franzosen mangelt es ihnen aber an der Klasse in der Breite. Sie müssen versuchen, Frankreich in ein unruhiges Spiel zu verwickeln, sie zu locken und für das Überraschungsmoment zu sorgen - so wie Portugal vor zwei Jahren im EM-Finale. Mein Tipp: Frankreich wird durch ein Tor von Griezmann Weltmeister.

Während sich alle Welt auf das Finale freut, dreht sich beim Deutschen Fußball-Bund noch immer alles um die Causa Mesut Özil. Die aktuelle Debatte zeigt, dass das Thema noch einmal aufgearbeitet und mit beiden Protagonisten – auch mit Ilkay Gündogan – besprochen werden muss. Der DFB hatte wohl gehofft, dass die Diskussionen durch den sportlichen Alltag während der WM verschwinden würden, was vielleicht auch passiert wäre. Aber der erwartete Erfolg blieb aus und das Thema dadurch bestimmend.

Sicherlich wäre es hilfreich gewesen, von Beginn an offensiv an die Sache heranzugehen und viel mehr miteinander statt übereinander zu reden. Nun gilt es, eine gemeinsame Lösung zu finden – wie auch immer die aussehen mag. Eines sollte jedoch klar sein: Kein Spieler trägt allein die Verantwortung für das WM-Aus der deutschen Auswahl. Auch nicht Mesut Özil. Wichtig ist jetzt, das Vertrauen zwischen allen Beteiligten wiederherzustellen.

Dass Joachim Löw weitermacht, war fast zu vermuten. Es wird spannend, zu beobachten, wie sich das Team entwickelt. Der Bundestrainer muss und wird neue Impulse setzen. Durch die großen Erfolge in den vergangenen Jahren hat er sich das Standing in Deutschland erworben, diesen Erneuerungsprozess jetzt anzugehen. Dafür braucht er Rückendeckung. Und die hat er.