Nominierung des WM-Kaders Flick setzt mit seinem Aufgebot auf die Zukunft und Offensive

Meinung | Düsseldorf · Viel wurde vor der endgültigen Nominierung des deutschen WM-Kaders über die Personalien diskutiert. Muss Mats Hummels als erfahrener Verteidiger mit? Traut sich Hansi Flick, Debütanten für die Offensive mitzunehmen? Mit seinem Aufgebot zeigt der Bundestrainer, dass er über das Turnier in Katar hinausschaut.

Fußball-WM 2022 Kader: Der deutsche 26-Mann-Kader des DFB für Katar
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Das ist der DFB-Kader für die WM 2022 in Katar

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Foto: AFP/INA FASSBENDER

Dass Mats Hummels in der deutschen Defensive bei der WM in Katar fehlen wird, kann man aus sportlicher Sicht falsch finden. Der Routinier von Borussia Dortmund hat in den vergangenen Wochen gezeigt, wie wichtig er auf dem Spielfeld sein kann und sicherlich auch teils bessere Leistungen gezeigt als seine Dortmunder Kollegen Niklas Süle oder Nico Schlotterbeck, die beide in Hansi Flicks WM-Team stehen. Lukas Klostermann kehrt gar erst von einer Verletzung zurück.

Die Entscheidung gegen Hummels dürfte daher nicht nach rein sportlichen Kriterien gefallen sein, sondern ist eine Entscheidung für die Zukunft. Das Trainerteam um Flick zeigt auch bei anderen Personalien für diese WM, dass es über das Turnier in Katar hinausschaut. Flick will für die kommenden Jahre ein Team formen, das irgendwann wieder in der Lage ist, Titel zu gewinnen. Natürlich muss da auch die aktuelle Leistungsstärke eine Rolle spielen. Dass Mario Götze nach jahrelanger Abwesenheit wieder im DFB-Team steht, zeigt, dass sich Spieler unter Flick mit guten Leistungen und der passenden Einstellung wieder ins Team spielen können - vorausgesetzt, sie passen ins System.

Jungen und neuen Spielern wie Youssoufa Moukoko, Armel Bella Kotchap oder Niclas Füllkrug eine Chance zu geben, erste Turniererfahrungen zu sammeln, ist aber ebenfalls wichtig. Genauso, dass vor allem in der zuletzt oft schwächelnden deutschen Verteidigung Spieler wie Schlotterbeck oder Klostermann, die noch einige Jahre auf hohem Niveau spielen können, lernen, bei so einem Turnier Verantwortung zu übernehmen. Allein die Nominierungen von Moukoko, Füllkrug und Götze zeigen zudem, dass Flick mit seinem Team auf kreatives und vielseitiges Offensivspiel setzt. Alle drei bringen unterschiedliche Qualitäten im Spiel aufs Tor mit, die zuletzt hier und da fehlten. Die Mannschaft dürfte so noch mal deutlich variabler werden, die Auswahl der Defensivspieler passt zu dieser offensiven Ausrichtung ebenso wie zum Bekenntnis zur Zukunft.

Hummels ist inzwischen 33 Jahre alt und wahrscheinlich nur noch für diese WM, vielleicht noch die EM in zwei Jahren eine Option. Hätte Flick ihn ins Team geholt, wäre dieser auch ganz klar der Anführer mindestens in der Defensive gewesen. Andere Spieler hätten sich erneut hinter ihm verstecken können. Vielleicht hätte Hummels auch eine Führungsposition übernommen, die im vergangenen Jahr längst andere im Team eingenommen haben. Der Dortmunder ist eher für klare Worte und auch mal Kritik an den Mitspielern bekannt, als für Zurückhaltung. Diese Ausstrahlung wird dem DFB-Team in Katar vielleicht an mancher Stelle fehlen. Jungen Spielern bietet das aber auch die Möglichkeit, sich zu entwickeln und die nötige Erfahrung zu sammeln, um bei der Heim-EM 2024 oder der nächsten WM wirklich auf Weltklasseniveau und um den Titel zu spielen - wie einst eben auch Hummels, Lukas Podolski oder Bastian Schweinsteiger.

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