WM-Kader 2018: Nils Petersen sticht Sandro Wagner aus

WM 2018: Petersen sticht Wagner aus

Nils Petersen statt Sandro Wagner: Bundestrainer Joachim Löw setzt neben Timo Werner und Mario Gomez auf einen Mann, der als treffsicherer Einwechselspieler gilt.

Nils Petersen! Nicht Sandro Wagner oder Mario Gomez. Nicht Sandro Wagner UND Mario Gomez. Nein, Nils Petersen. Und Mario Gomez. Es hatte also seinen Grund, dass Bundestrainer Joachim Löw am letzten Spieltag der Bundesliga tatsächlich beim SC Freiburg auf der Tribüne saß. Ein letztes Mal beobachtete er einen Mann, der sich einen Namen gemacht hat als Rekord-"Joker" - und der in der vergangenen Saison häufiger ins Tor getroffen hat als jeder andere deutsche Stürmer.

Petersen hat noch kein A-Länderspiel absolviert, aber er ist offensichtlich ein Spieler, bei dem sich Löw auf seinen Bauch verlässt. "Mein Gefühl ist, dass er mit der Aufgabe wächst, von ihm verspreche ich mir einiges", versicherte der Bundestrainer. Der 29 Jahre alte Angreifer aus dem Harz, 2011/2012 mal bei Bayern München unter Vertrag, habe immerhin 15 Tore in der abgelaufenen Saison erzielt - bei einer Mannschaft, "die wahrlich nicht in jedem Spiel wahnsinnig viele Torchancen rausspielt".

Fünf dieser 15 Tore waren übrigens Elfmeter - doch es ist vor allem eine Qualität von Petersen, die es Löw angetan hat: "Er ist auch ein sehr, sehr guter Joker", sagte der Bundestrainer. In der Tat hat Petersen in der Bundesliga 20 Treffer erzielt, nachdem er eingewechselt wurde. Er ist von Jetzt auf Gleich im Spiel, er benötigt also nicht viel Zeit, um Wirkung zu erzielen. Er ist ein klassischer "Joker", der stechen soll, wenn es die anderen Trümpfe nicht tun.

Und dennoch: Dass der "leidenschaftliche Fußballer mit Biss", wie Wagner von Bayern Münchens Trainer Jupp Heynckes bezeichnet wurde, nun von einem Joker ausgestochen wird, ist überraschend. Weil Petersen noch kein A-Länderspiel hat, musste ihn der DFB bei der visuellen Präsentation des WM-Kaders im Olympia-Trikot von 2016 abbilden. Bei den Spielen von Rio, bei denen das DFB-Team im Finale Brasilien unterlag, war er aber Torschützenkönig (6 Treffer). Unter anderem vor einem gewissen Neymar. Allerdings verschoss er den entscheidenden Elfmeter im Endspiel-Shootout.

Löw sagte bei der Bekanntgabe seines Kaders, es tue ihm leid für die nicht Nominierten - unter anderem für Wagner. "Es entscheiden Kleinigkeiten", erklärte er, gab aber auch zu: "Manchmal hat man auch nicht die vielen Argumente. Sandro hat bei uns schon auch seine Klasse nachgewiesen." Aber der Bauch von Löw sagte eben etwas anderes als der Bauch von Wagner: "Ich habe es verdient mitzufahren", betonte Wagner mehr als einmal, "ich fahre da auch mit, da bin ich mir sicher."

So kann man sich täuschen. Dabei waren Wagners Hoffnungen ja nicht unbegründet. Für den FC Bayern war er ein Volltreffer in der Rückrunde: Nach acht Toren in 14 Spielen für den deutschen Meister hatte der Confed-Cup-Sieger (30) fest mit einer Russland-Reise gerechnet. Mehrfach wurde er von Trainer Jupp Heynckes gelobt. "Ich hoffe", sagte Heynckes, "dass er zur WM geht, denn das hätte er verdient." Hätte er wohl, aber er ist eben auch einer, der einem zu ähnlich ist: Mario Gomez.

Gomez (32) kam für den VfB Stuttgart ebenfalls auf acht Tore, benötigte dafür aber 16 Spiele. Was ihn allerdings von Wagner unterscheidet: Er hat mehr internationale Erfahrung. Und: Bei der EM 2016 wurde plötzlich deutlich, wie wichtig er sein kann - als er im Viertelfinale verletzt nicht zur Verfügung stand.

(SID)