Choupo-Moting mit dem Schlusspunkt Spektakel zwischen Kamerun und Serbien endet 3:3

Al-Wakra · Es war das bislang wohl unterhaltsamste Spiel dieser WM: Kamerun schenkt gegen Serbien erst eine Führung her - und holt dann noch ein 1:3 auf. Mittendrin: Ein Bayern-Stürmer und sein großer Rivale.

 Eric Maxim Choupo-Moting jubelt über seinen Treffer zum 3:3.

Eric Maxim Choupo-Moting jubelt über seinen Treffer zum 3:3.

Foto: AP/Frank Augstein

Es gibt bei dieser Fußball-WM entspanntere Aufgaben, als den serbischen Torwart zu beruhigen. Vanja Milinkovic-Savic ist 2,02 Meter groß, kahlköpfig, vollbärtig, das erste Tattoo beginnt schon am Hals: Er ist eine Respekt einflößende Figur. Der 25-Jährige war ziemlich sauer über das 3:3 (2:1) gegen Kamerun, bei dem seine prominent besetzte Mannschaft am Montag noch einen 3:1-Vorsprung herschenkte. Am Ende aber umarmte ihn ausgerechnet Kameruns Kleinster: Collins Fai, nur 1,65 Meter groß, vom saudischen Club Al Tai FC.

Kameruner, die bis zum Verlassen des Spielfelds furchtlos blieben: Das passte gut zu dem bislang wildesten und unterhaltsamsten Spiel dieses Turniers. „Viele dachten: Es ist vorbei. Aber unsere Spieler haben eine tolle Reaktion gezeigt“, sagte Trainer Rigobert Song, der früher unter anderem für den FC Liverpool und den 1. FC Köln spielte. „Das ist Teil unserer DNA als Fußballer Kameruns: dieser Kampfgeist, diese Haltung.“

Bei Lichte besehen hilft dieses Ergebnis keinem der beiden Teams weiter. Beiden droht nun das Vorrunden-Aus. Und beide müssen ihre letzten Spiele gegen Brasilien (Kamerun) und die Schweiz (Serbien) am Freitagabend unbedingt gewinnen. Dennoch hinterließen die sechs Tore, unzähligen vergebenen Chancen und spektakulären Wendungen im Al-Janoub-Stadion einen gefühlten Verlierer und einen gefühlten Sieger: Und letzteres war Kamerun.

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Foto: dpa/Tom Weller

In nur zwei Minuten gaben die Afrikaner ihre 1:0-Führung durch Jean-Charles Castelletto (29.) wieder her. Strahinja Pavlovic (45.+1) und Sergej Milinkovic-Savic (45.+3) trafen in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit für die Serben. Nach dem 3:1 durch Aleksandar Mitrovic (53.) brauchten die „Unzähmbaren Löwen“, so der Spitzname des kamerunischen Teams, aber auch nur drei Minuten, um ihre zweite WM-Niederlage nach dem 0:1 gegen die Schweiz doch noch abzuwenden. Die Torschützen waren Vincent Aboubakar (63.) und Eric Maxim Choupo-Moting (66.) vom FC Bayern München. Und das ist allein schon eine Geschichte für sich.

Denn eigentlich kann in Songs System nur einer von beiden der Mittelstürmer und Anführer dieses Teams sein. Für den in Hamburg geborenen Choupo-Moting (33) spricht seine Qualität als ehemaliger Paris-Saint-Germain- und aktueller Bayern-Stürmer. Für den drei Jahre jüngeren Aboubakar seine Vita als nun 94-maliger Nationalspieler und Held des Afrika-Cup-Gewinns 2017.

Statt ihre Rivalität auszuleben, drehten die beiden das Spiel dann einfach gemeinsam. Aboubakar wurde in der 55. Minute eingewechselt, überließ Choupo-Moting weiter die Kapitänsbinde - und legte ihm nach seinem eigenen Tor zum 2:3 auch noch den Ausgleich auf. „Ich spiele für Kamerun, für unser Volk. Es spielt keine Rolle, wer Kapitän ist“, sagte der Stürmer des saudischen Clubs Al-Nassr FC. Und auch Song hatte überhaupt keine Probleme, seine taktischen Prinzipien über den Haufen zu werfen. „Was hatten wir zu verlieren? Wir lagen 1:3 hinten. Da konnte ich auch beide spielen lassen“, sagte er.

Der 46-Jährige hat als viermaliger WM-Teilnehmer mehr erlebt als jeder seiner Spieler. Auch deshalb werden seine Entscheidungen respektiert. Vor dieser Partie warf er seinen prominenten Torwart Andre Onana von Inter Mailand aus dem Kader und begründete das auch ungeschönt. „Wir sind mitten in einem wichtigen Turnier. Und ich weiß, was ich zu tun habe“, sagte Song: „Sicherzustellen, dass das Team über jedem Einzelnen steht. André wollte da ausscheren. Es ist wichtig, dass wir alle hier Teamgeist, Disziplin und Respekt zeigen.“

Onanas Rauswurf beeinträchtigte das Team nicht allzu stark. Auch der Gegner Serbien macht bei dieser WM mal wieder vor, dass große Namen wie Filip Kostic, Dusan Vlahovic (beide Juventus Turin) oder Dusan Tadic (Ajax Amsterdam) allein noch keinen Erfolg garantieren. Ob mit dieser Haltung sogar ein Sieg gegen Brasilien möglich sei, wurde Kameruns Gael Ondoua noch gefragt. Und der Profi von Hannover 96 sagte: „Im Fußball ist nichts unmöglich!“

(sid/dpa/stja)
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