„One Love“-Kapitänsbinde Deutschland knickt vor der Fifa ein

Meinung | Doha/Düsseldorf · Die Fifa hat gelbe Karten und Geldstrafen für das Tragen der „One Love“-Kapitänsbinde angekündigt. Die Front der europäischen Länder, die damit auf laufen wollen, bröckelt. Auch der Kapitän der DFB-Elf, Manuel Neuer, will ohne diese Binde spielen. Ist das der gewünschte Respekt gegenüber Gastgeberland Katar?

Die spezielle Kapitänsbinde „One Love“ als Zeichen gegen Diskriminierung und für Vielfalt wird von der Fifa abgelehnt.

Die spezielle Kapitänsbinde „One Love“ als Zeichen gegen Diskriminierung und für Vielfalt wird von der Fifa abgelehnt.

Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Sie gilt als „kleine“ Regenbogen-Flagge, weil die „große“ in Katar verboten ist: Die Spielführerbinde „One Love“ deutet dezent an, dass niemand wegen seiner sexuellen Orientierungen diskriminiert werden darf. Ein kleiner Protest, dem sich sieben europäische Mannschaften anschließen wollten – darunter auch Deutschland. Doch dem allmächtigen Weltfußballverband Fifa ist selbst das zu viel. Die Verantwortlichen haben die Kapitänsbinde als politisches Statement verboten, weil – so der wenig glaubhafte Grundsatz – Politik im Fußball nichts verloren habe. Dass sie damit indirekt für die Haltung Katars, das Homosexualität verbietet, Partei ergreift, kümmert die Fifa-Führung wenig. Nach der Logik von Fifa-Chef Gianni Infantino hat jetzt der Gastgeber das Sagen. Schließlich hat der Wüstenstaat angeblich rund 200 Milliarden Euro in das Event investiert. Und wer zahlt, der bestimmt die Musik, lautet die Devise des Verbands. Diese Haltung wird getarnt als Respekt vor den Regeln des Gastgeberlands.