Trotz Kritik Kroatiens Lovren ist „stolzer“ Kapitän von St. Petersburg

Lusail · Dejan Lovren spielt trotz des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine weiter bei Zenit St. Petersburg, er ist sogar Kapitän des neunmaligen Meisters. Das sorgte auch in seiner kroatischen Heimat für Kritik.

Dejan Lovren im Wm-Viertelfinale gegen Brasilien.

Dejan Lovren im Wm-Viertelfinale gegen Brasilien.

Foto: AP/Alessandra Tarantino

Ginge es nach einer Mehrheit der Fans, dann wäre Dejan Lovren bei dieser WM gar nicht dabei. In einer Umfrage des Portals Index.hr sprachen sich knapp 60 Prozent vor dem Turnier dafür aus, dass der kroatische Fußball-Nationaltrainer Zlatko Dalic auf Spieler verzichtet, die noch immer in Russland unter Vertrag stehen. Lovren spielt nicht nur für Zenit St. Petersburg, er ist sogar Kapitän des neunmaligen Meisters.

Er spricht von einem „Dilemma“. Er habe „lange darüber nachgedacht“, ob er Russland nach dem im Februar begonnen Angriffskrieg auf die Ukraine verlassen solle. Nach einem Gespräch mit Dalic stand sein Entschluss fest. „Ich denke, es war die richtige Entscheidung, bei Zenit zu bleiben und dem Klub zu helfen“, sagte der 33-Jährige während des Turniers in Katar: „Ich habe alles richtig gemacht. Ich bin stolz darauf, Zenits Kapitän zu sein.“

In seiner Heimat erntete er aber reichlich Kritik. Doch mit jedem WM-Spiel der Vatreni (Feurigen) wurde diese leiser. Lovren überzeugte durch seine Leistung auf dem Platz. Gemeinsam mit dem jungen Leipziger Josko Gvardiol (20) bildete er in den ersten fünf Spielen (drei Gegentore) eine starke Innenverteidigung. Selbst die brasilianischen Stars um Neymar taten sich lange Zeit schwer, im Viertelfinale zu Chancen zu kommen.

Der Lohn für das kleine Land ist das zweite WM-Halbfinale in Folge am Dienstag (20.00 Uhr MEZ/ARD und MagentaTV) im Lusail-Stadion gegen Argentinien. Nach der Vize-Weltmeisterschaft 2018 träumt ganz Kroatien vom historischen Triumph - und Lovren weiß, wie man Titel gewinnt. In seiner Zeit beim FC Liverpool wurde er unter Teammanager Jürgen Klopp Champions-League-Sieger und englischer Meister.

Vor zwei Jahren folgte der Wechsel nach St. Petersburg. Dass seine neue sportliche Heimat nicht bei der WM teilnehmen durfte, bedauert er. „Ich bin nicht glücklich darüber. Ich habe immer gesagt, man muss Sport und Politik trennen.“

Lovren glaubt aber, „dass sich die Dinge bald ändern werden“. Wie das wohl die kroatischen Fans sehen?

(sid/old)
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