„Kurz davor, gewalttätig zu eskalieren“ Katars Polizei bedrängt dänischen Journalisten wegen „One Love“-Binde

Doha · Der dänische TV-Journalist Jon Pagh wollte einen Beitrag über die umstrittene „One Love“-Binde drehen und fuhr dafür extra raus in die Wüste. Doch für die katarische Polizei war selbst das ein Problem.

Die „One Love“-Binde.

Die „One Love“-Binde.

Foto: dpa/Sebastian Gollnow

„30 Kilometer draußen in einer dunklen Wüste in Katar“, schreibt der dänische TV-Journalist Jon Pagh zu einem von ihm auf Twitter geteilten Video. Dort ist zu sehen, wie Pagh mit einem katarischen Polizisten diskutiert. Es geht um die umstrittene „One Love“-Kapitänsbinde, die der Reporter um den Arm trägt. Der Polizist fordert Pagh auf, die Binde abzunehmen. Es sei nicht erlaubt, sie zu tragen.

„Wer hat Ihnen gesagt, ich muss sie abnehmen?“, fragt Pagh und versucht zu erklären, dass er sie für einen TV-Beitrag zeigen müsse, wenigstens in der Hand. Erfolglos. „Ich akzeptiere, dass Sie mir das sagen“, erklärt der Journalist. „Aber ich kann sie nicht abnehmen. Warum ist es nicht erlaubt? Wegen der Farben? Es sagt doch nur ‚One Love’.“ Der Polizist greift schließlich Richtung Kamera, dann endet das Video.

Mehrere Nationen bei der Fußball-WM in Katar wollten die „One Love“-Kapitänsbinde eigentlich bei ihren Spielen tragen, um ein Zeichen gegen Diskriminierung und für Diversität zu setzen. Die Fifa hat das allerdings am Montag verboten und sportliche Sanktionen angedroht, woraufhin die Teams, darunter auch der DFB und Dänemark, einen Rückzieher machten. Noch am selben Tag setzten TV-Reporter wie Claudia Neumann vom ZDF oder die Britin Alex Scott ein Zeichen, indem sie diese oder ähnliche Binden stattdessen trugen.

Pagh wurde das fast zum Verhängnis. Er war vom dänischen Mannschaftshotel extra noch ein wenig hinaus in die Wüste gefahren, um von dort einen Beitrag aufzuzeichnen. Doch die Polizei ging dazwischen, und der Journalist und sein Team packten schließlich zusammen, weil sie „ahnten, dass die Situation nicht weit davon entfernt war, gewalttätig zu eskalieren“, wie „Tipsbladet“ schreibt.

Mit dem dänischen Medium telefonierte Pagh auch kurz nach dem Vorfall. „Ich bin als Däne völlig schockiert, dass ein Mann auf mich zukommt und mich auffordert, eine Armbinde abzunehmen“, sagte er. „Ich denke, wir müssen hier unten vorsichtig sein. Ich wollte überhaupt nichts provozieren, ich achte sehr darauf, keinen Aktivismus zu betreiben. Aber es ist die gleiche politische Botschaft wie in den Fifa-Regeln.“

Pagh führte weiter aus: „Für mich ist es keine Politik. Es sind Menschenrechte. Es ist ein Kleidungsstück, das ich trage und ich in der westlichen Welt nach allen Menschenrechten tragen darf. Ich hoffe wirklich, dass das niemand als Provokationsversuch auffasst. Wir stehen mitten im Dunkeln, 30 Kilometer draußen in der Wüste. Ich hätte keine Sekunde gedacht, dass das ein Problem sein könnte.“

Pagh ist ein Reporter des dänischen Senders „TV2“, der kurz vor WM-Start schon einmal schlechte Erfahrungen mit den Behörden in Katar gemacht hatte. Reporter Rasmus Tantholdt wurde am vergangenen Mittwoch daran gehindert, auf einem öffentlichen Platz einen Beitrag zu drehen. Es wurde sogar gedroht, die Kamera zu zerstören.

(stja)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort