Kein Mitleid nach WM-Aus Journalist bezeichnet DFB-Elf als „Todesengel“ des Fußballs

Düsseldorf · Deutschlands Aus bei der WM in Katar hat auf der Welt vor allem Häme und Spott hervorgerufen. Auch der pakistanische Fußball-Analyst Ahmer Naqvi hat kein Mitleid. Er wählt aber einen geschichtlichen Ansatz - die DFB-Elf habe in der Vergangenheit „viele Träume und Teams“ zerstört.

Die deutschen Auswechselspieler auf der Bank reagieren nach dem Ausscheiden bei der WM.

Die deutschen Auswechselspieler auf der Bank reagieren nach dem Ausscheiden bei der WM.

Foto: dpa/Martin Meissner

Das Ausscheiden in der Gruppenphase der WM in Katar hat rund um die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im Heimatland für Krisenstimmung gesorgt. Geschäftsführer Oliver Bierhoff musste bereits seinen Hut nehmen, Bundestrainer Hansi Flick wackelt. International hat der frühe K.o. vor allem für Häme und Spott gesorgt; das Auftreten der Deutschen als „Moralweltmeister“ mit ihrer Mund-Zu-Geste vor dem Japan-Spiel hat viele Sympathien gekostet.

Kein Mitleid hat auch der Fußball-Analyst Ahmer Naqvi. Sein Auftritt im pakistanischen Fernsehen bei „A Sports“ ging im Internet viral, nachdem er die DFB-Elf nach deren Ausscheiden einmal mächtig aufs Korn nahm. Er wählte aber keinen politischen Ansatz, sondern einen ganz anderen: „Dieses Team ist im Fußball der Todesengel“, sagte er. „Wenn Fußball ein Videospiel wäre, wäre Deutschland der Endgegner.“

Naqvi, der auf Twitter über 84.000 Follower hat, redete sich in dem gut zwei Minuten langen Clip regelrecht in Rage und holte ganz weit aus: „1954. Ungarns ‚Mighty Magyar‘-Team, das als eines der größten Teams aller Zeiten gilt. Mit Puskas, nach dem die Auszeichnung des Tor des Jahres der Fifa benannt ist. Gegen wen haben sie im Finale verloren? Westdeutschland. 1974. Totaler Fußball – diese Teams waren so gut, sie haben ihre eigenen Spitznamen – Hollands Team, Johan Cruyffs Team. Ihre Philosophie wird bis heute angewandt. Gegen wen haben sie im Finale verloren? Westdeutschland.“

Und so ging es weiter. Mit der WM 1982, als Deutschland Frankreichs „goldenes Viereck“ im Halbfinale ausschaltete und Toni Schumacher Frankreichs Patrick Battiston bewusstlos trat. „Vorher, in derselben WM, hatten sie einen Pakt mit Österreich geschlossen, um Algerien zu eliminieren“, führte Naqvi aus - die berühmte „Schande von Gijon“, bei der Deutschland und Österreich nach einem Nichtangriffspakt beide in die nächste Runde kamen. Es folgt 1990: „Maradona ist auf einer Rachetour durch Italien. Es ist so eine dramatische Geschichte, dass es einen Film darüber gibt“, sagte Naqvi. Gestoppt wird er im Finale von Deutschland.

Zwölf Jahre später dann Südkorea: Der Co-Gastgeber, sportlich als Außenseiter ins Turnier gestartet, steht sensationell im Halbfinale - und verliert gegen die DFB-Elf. 2010 gab es gleich „zwei Träume“, angeführt von Argentinien, wo der große Diego Maradona Trainer von Lionel Messi ist. Naqvi: „Sie haben nicht nur ihre Hoffnungen begraben, sie haben Argentinien mit 4:0 zerstört und direkt danach Englands goldene Generation beerdigt.“

2014 die WM in Brasilien, also in Südamerika. Hier werden Naqvis „Anschuldigungen“ erstmals etwas gewagt, als er Deutschlands 7:1 gegen den Gastgeber dafür mitverantwortlich macht, dass Brasilien als Staat politisch nach rechts rückte. Nicht abzustreiten ist aber, dass dieses Spiel das „größte Trauma der Fußballgeschichte“ für die Selecao gewesen ist. Im Finale dann wieder Argentinien, wieder Messi - wieder gewinnt Deutschland.

„Ich wollte das schon so lange mal sagen. Deutschland hat so viele Träume und Teams zerstört“, meinte Naqvi, während sich die anderen am Tisch köstlich über seine Ausführungen amüsierten. „Also bitte, habt keine Sympathien für dieses Team.“

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort