Hakim Ziyech im Fokus Von der Persona non grata zur marokkanischen WM-Hoffnung

Doha · Vom Buhmann in nur drei Monaten zum Schlüsselspieler – Hakim Ziyech trägt urplötzlich die marokkanischen WM-Hoffnungen. Dabei war der Spieler vom FC Chelsea vor ein paar Monaten noch aus der Nationalmannschaft zurückgetreten.

 Hakim Ziyech (l.) feiert zusammen mit seinem Teamkameraden Azzedine Ounahi.

Hakim Ziyech (l.) feiert zusammen mit seinem Teamkameraden Azzedine Ounahi.

Foto: AP/Pavel Golovkin

Während sein Land im Januar vergeblich um die Krone Afrikas kämpfte, schoss Hakim Ziyech zwei Tore für den FC Chelsea. Als die Marokkaner im Juni mühsam die nächste Stufe der kontinentalen Qualifikation erklommen, schipperte ihr Star mit einer edlen Jacht entlang der Skyline von Dubai. Ausgebootet, unerwünscht – und schließlich aus Frust zurückgetreten: Unter Trainer Vahid Halilhodzic spielte der Edeltechniker bei den „Löwen vom Atlas“ keine Rolle.

Für ein Miteinander taten sich im teils schmutzigen Machtkampf zu tiefe Gräben auf, es konnte für die WM nur einen geben. Und auch auf Druck der Bevölkerung schlug beim Verband das Pendel in Richtung des Starspielers aus. Der Bosnier Halilhodzic musste Ende August gehen, unter dem neuen Coach Walid Regragui kehrte Ziyech bereits im September ins Team zurück - und zahlt das Vertrauen bei der WM mit starken Leistungen zurück.

Ein wunderschönes Tor und eine Vorlage steuerte der 29-Jährige zum Sensationslauf der Marokkaner in Katar bislang bei, dazu gliederte er sich als laufstarker Rechtsaußen perfekt ins harmonische Teamgefüge ein. „In der Vergangenheit haben einige Trainer gesagt, alle Spieler sollten gleich behandelt werden“, erzählte Regragui nach dem Sieg im Achtelfinale gegen Spanien: „Hakim ist aber nicht irgendein Spieler.“

Halilhodzic sah das anders, Starallüren gestand er dem im niederländischen Dronten geborenen Ziyech nicht zu. Der Bosnier monierte stattdessen ein „einem Nationalspieler nicht würdiges Verhalten. Er will nicht trainieren, er will nicht spielen, er ist nicht ernsthaft“, so der Ex-Coach.

Der öffentlich schwer kritisierte Reservist des FC Chelsea ließ die Anschuldigungen nicht auf sich sitzen, bekundete seine Liebe zu Marokko - und trat selbst beleidigt zurück.

Von Juni 2021 bis September 2022 absolvierte Ziyech kein einziges Länderspiel, ehe ihn Regragui ebenso wie Bayern-Profi Noussair Mazraoui vom Comeback überzeugte. „Er strahlt eine positive Energie aus“, sagt der Trainer über seinen offensiven Schlüsselspieler. Kapitän Romain Saiss lobt ihn als „starke Persönlichkeit, die nie Probleme mit den Spielern der Nationalmannschaft verursacht hat“.

Am Samstag (16 Uhr MEZ/ZDF und MagentaTV) gegen Portugal muss Ziyech für eine Fortsetzung des marokkanischen Wintermärchens wieder als Teamplayer vorangehen.

(lonn/SID)
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