Costa Rica sorgte bereits für WM-Überraschung Wenn der Außenseiter den großen Favoriten schlägt

Doha · Der vierfache Weltmeister Deutschland trifft heute auf den vermeintlichen „Fußball-Zwerg“ Costa Rica. Niederlagen von Favoriten gegen vermeintliche Außenseiter sind in der fast 100-jährigen WM-Geschichte schon häufiger vorgekommen. Ein Blick in die Historie.

 Der Costa Ricaner Bryan Ruiz sorgte mit seinem Team bei der WM 2014 für eine große Überraschung, als man erst Italien besiegte und später bis ins Viertelfinale einzog.

Der Costa Ricaner Bryan Ruiz sorgte mit seinem Team bei der WM 2014 für eine große Überraschung, als man erst Italien besiegte und später bis ins Viertelfinale einzog.

Foto: dpa/Victor Baldizon

Die Fussball-Weltmeisterschaft gibt es nun schon seit fast 100 Jahren, und einige völlig unerwartete Ergebnisse sind den Fans in aller Welt ganz besonders in Erinnerung geblieben. Auch Deutschlands dritter Gruppengegner Costa Rica, auf dem das DFB-Team am heutigen Donnerstag trifft (20.00 Uhr MEZ/ARD und MagentaTV), sorgte in der Vergangenheit bereits für eine sehr große Überraschung bei einem WM-Turnier.

29. Juni 1950, USA-England 1:0 (Belo Horizonte/Vorrunde)

Die „Mutter“ aller WM-Sensationen: „Meine Spieler sind zum Schlachten bereite Schafe“, sagte der amerikanische Trainer Bill Jeffrey. Doch Joe Gaetjens' Tor (38.) ließ dann die „Three Lions“ bei ihrer ersten WM-Teilnahme wie Schafe aussehen.

16. Juli 1950, Uruguay-Brasilien 2:1 (Rio de Janeiro/Finalrunde)

Im letzten Spiel der Heim-WM hätte der Selecao ein Remis zum Titel gereicht, die Zeitung O Mundo druckte schon ein Team-Foto mit dem Titel: „Das sind die Weltmeister!“ Doch das Siegtor von Alcides Ghiggia (79.) brachte die Fans im Maracana-Stadion zum Schweigen.

Brasilien spielt seitdem nicht mehr in Weiß, und Autor Nelson Rodrigues schrieb: „Jede Nation hat ihre nationale Katastrophe, etwas wie Hiroshima. Unsere Katastrophe, unser Hiroshima, ist die Niederlage gegen Uruguay 1950.“

4. Juli 1954, Deutschland-Ungarn 3:2 (Bern/Finale)

„Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen, Rahn schießt - Toooor! Toooor! Toooor! Toooor!“ Das „Wunder von Bern“ gegen die seit über vier Jahren unbezwungenen Ungarn um „Major“ Ferenc Puskas machte die deutsche Elf mit Kapitän Fritz Walter und Radioreporter Herbert Zimmermann zu Legenden.

19. Juli 1966, Nordkorea-Italien 1:0 (Middlesbrough/Vorrunde)

Nordkorea ging als 1000:1-Außenseiter in das Turnier - doch Pak Doo-Ik sorgte für die wohl größte Überraschung in der WM-Geschichte. „Der Untergang des Römischen Reiches ist nichts dagegen“, schrieb das Northern Echo. Torschütze Pak erinnerte sich: „Vor Freude haben wir alle geheult.“ Die Azzurri standen zu Hause im Tomaten-Hagel, im Italienischen heißt Blamage seitdem „una corea“.

WM 2022: Kuriose Fakten zu Deutschland gegen Costa Rica​
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So könnte die DFB-Startelf gegen Costa Rica aussehen

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21. Juni 1978, Österreich-Deutschland 3:2 (Cordoba/2. Finalrunde)

„I wer narrisch! Krankl schießt ein! 3:2 für Österreich!“ Die „Schmach von Cordoba“ ist der schlimmste Alptraum von Berti Vogts, der zum 1:1 per Eigentor traf und sich vor Hans Krankls Siegtreffer (88.) vernaschen ließ. Wieder macht sich ein Radiomann „unsterblich“ - der Österreicher Edi Finger: „Daneeeeben! Also der Abraaaamczik - obbusseln möcht' i den (...). Der braaave Abramczik.“

16. Juni 1982, Algerien-Deutschland 2:1 (Gijon, Vorrunde)

„Wenn wir dieses Spiel verlieren, stürze ich mich ins Mittelmeer“, hatte Bundestrainer Jupp Derwall vor dem Spiel gegen den WM-Neuling gesagt. Doch Rabah Madjer, 1987 Bayern-Alptraum im Europacup-Finale, und Lakhdar Belloumi trafen. Derwall aber blieb trocken: Gijon liegt schließlich am Atlantik.

8. Juni 1990, Kamerun-Argentinien 1:0 (Mailand/Vorrunde)

„Sie haben mich so getreten, dass ich fürchtete, sie würden mir auch noch den Kopf abreißen“, sagte Weltstar Diego Maradona über die schmerzhafte Begegnung mit den „unzähmbaren Löwen“. Die waren am Ende nur noch zu neunt, doch das Tor von Francois Omam-Biyik (67.) reichte für den Sensationssieg gegen den Weltmeister.

31. Mai 2002, Senegal-Frankreich 1:0 (Seoul/Vorrunde)

Im Duell der „Franzosen im Ausland gegen die Ausländer in Frankreich“ (Michel Platini) verlor der Weltmeister nach einem „Sitztor“ von Papa Bouba Diop. Frankreich scheiterte ohne Tor in der Vorrunde - als erster Titelverteidiger.

18. Juni 2002, Südkorea-Italien 2:1 n.V. (Daejeon/Achtelfinale)

Da half auch das Weihwasser von Giovanni Trapattoni nichts: Der Italien-Legionär Jung-Hwan Ahn fügt den Azzurri mit seinem „Golden Goal“ (116.) ein zweites „Corea“ zu. Schuld aber war Byron Moreno. Der Referee „schenkte“ Südkorea einen Elfmeter, „klaute“ Italien ein Tor und zeigte Francesco Totti wegen angeblicher Schwalbe Gelb-Rot.

20. Juni 2010, Italien-Neuseeland 1:1 (Nelspruit, Vorrunde)

Vier Tage nach dem überraschenden 0:1 des Topfavoriten Spanien gegen die tapferen Schweizer erlebte die WM in Südafrika die erste echte Sensation. Eine Ansammlung von Nobodys weckte in Italien die Geister von 1966, und die Zeitung La Repubblica titelte: „Ein halbes Korea für Italien.“

20. Juli 2014, Italien-Costa Rica 0:1 (Recife, Vorrunde)

Costa Rica galt in einer „Todesgruppe“ mit drei ehemaligen Weltmeistern (Uruguay, Italien, England) als absoluter Außenseiter. Die Mittelamerikaner hatten bereits ihr Auftaktspiel gegen Uruguay gewonnen und zeigten gegen die favorisierten Italiener, dass dieses Ergebnis kein Zufallstreffer gewesen war. Costa Rica gewann gegen Italien mit 1:0 dank eines Treffers von Bryan Ruiz.

Italien und England schieden nach der Gruppenphase aus. Die Costa-Ricaner kamen als Gruppenerster weiter und erreichten mit dem Einzug ins Viertelfinale ihr bestes Turnierergebnis aller Zeiten.

27. Juni 2018, Deutschland-Südkorea 0:2 (Kasan, Vorrunde)

Einer der schwärzesten Tage der deutschen Fußball-Geschichte - die Pleite gegen den Außenseiter besiegelte das Vorrunden-Aus für die als Weltmeister angetretene Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw. In der 80-jährigen deutschen WM-Historie war dies nie zuvor passiert. Was für eine Blamage. „Das war fast schon arrogant“, sagte Löw hinterher.

22. November 2022, Argentinien-Saudi-Arabien 1:2 (Lusail, Vorrunde)

Lionel Messi gedemütigt: Zu Beginn seiner letzten WM blamierte sich der Superstar mit seinen Argentiniern - und das als Mitfavorit auf den Titel. Dabei legte Messi per Elfmeter vor, sein Team hatte alles unter Kontrolle - nur Pech bei drei Abseitstoren. Doch nach dem Seitenwechsel schenkten Messi und Co. den erfolgreichen Turnierstart her.

(SID/dni)
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