Bundestrainer Flick berichtet Nationalspieler „geschockt“ von Verbot der „One-Love“-Binde

Al-Rajjan · Hansi Flick berichtet, dass die DFB-Profis „geschockt“ auf das Verbot der „One Love“-Kapitänsbinde durch den Weltverband reagiert hätten. Der Bundestrainer erklärt auch, warum man auf die Binde verzichtet. Dabei hatte er sich schon einen Gelbe-Karten-Plan zurechtgelegt.

Bundestrainer Hansi Flick.

Bundestrainer Hansi Flick.

Foto: dpa/Federico Gambarini

Die deutschen Fußball-Nationalspieler haben laut Hansi Flick „sehr, sehr unzufrieden“ und „geschockt“ auf das Fifa-Verbot der „One Love“-Kapitänsbinde reagiert. „Weil es ein Zeichen ist für Menschenrechte, für Vielfalt, das sind die Werte, die wir vertreten und leben“, sagte der Bundestrainer am Dienstag im WM-Medienzentrum in Al-Rajjan. „Ich finde es schade, dass man für Menschenrechte nicht mehr gerade stehen darf.“

Der Weltverband Fifa hatte am Montag sieben europäischen Nationen das Tragen der mehrfarbigen Binde während der WM untersagt und mit sportlichen Sanktionen gedroht. DFB-Kapitän ist Torwart Manuel Neuer. „Wenn es eine Gelbe Karte ist, ist alles okay. Dann ist Jo Kimmich Kapitän, Thomas Müller für das dritte Spiel. Das wäre gar kein Problem gewesen“, sagte Flick. Die Fifa hatte aber die genaue Art der Sanktion offen gelassen.

"One Love"-Binde: DFB knickt ein und verzichtet - "Schämt euch" - Netzreaktionen ​
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„Standfestigkeit eines Wackelpuddings“

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Foto: dpa/Sebastian Gollnow

„Die Verbände haben gesagt, wir wollen die Spieler da nicht reinjagen, wir nehmen den Druck raus, was auch vernünftig ist“, sagte Flick. Eine persönliche Aktion plane er für sich nicht. Das bringe nichts, sagte Flick, weil es die gemeinsame Entscheidung der Verbände gewesen sei. Dann „sollte man auch gemeinsam zu den Entscheidungen stehen“, äußerte der Bundestrainer.

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Führungsspieler Kimmich sagte, er sei über die Entscheidung „verwundert“ gewesen. Auch, weil die Binde vor einem Monat auch kritisch beäugt und „madig geredet“ worden sei. „Jetzt habe ich das Gefühl es ist doch ein starkes Zeichen für alle Menschen. Ich glaube, generell ist es so, dass wir immer wieder die Missstände angesprochen haben.“ Der Fokus sollte auch auf den Sport gelenkt werden.

Leon Goretzka kritisierte die Fifa und verteidigte zugleich die heftig gerügte Verzichts-Entscheidung des DFB. „Wir als Mannschaft begrüßen jedes Zeichen für Vielfalt und gegen Diskriminierung. Dass die Fifa nun viele Wochen nach Kenntnis der Gemeinschaftsaktion Strafen für das Tragen androht, ist nicht nachzuvollziehen“, sagte der 27 Jahre alte Profi des FC Bayern München im Interview der „Frankfurter Rundschau“ und der „Funke Mediengruppe“.

Das Medienecho aus den beteiligten Nationen reichte von scharfer Kritik bis Häme. „WM-Ergebnis aus Katar gerade eingetroffen: Liebe hat verloren, Hass hat gewonnen“, schrieb die britische „Times“. Der Schweizer „Blick“ formulierte: „Es ist absurd. Es ist beschämend. Es ist der Gipfel einer Verbands-Allmachtsfantasie.“ In Deutschland trafen viele Kommentare aus der Politik und Sportwelt den DFB, der angeblich vor der Fifa eingeknickt sei.

(dpa/old)
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