Trotz Verbot der Fifa Britische TV-Expertin trägt „One Love“-Binde vor England-Spiel

Düsseldorf · Deutschland und weitere europäische Teams wollten bei der WM in Katar mit der „One Love“-Binde ein gemeinsames Zeichen setzen – und machten einen Rückzieher. Eine BBC-Reporterin und ehemalige englische Fußball-Nationalspielerin ließ sich von dem Verbot der Fifa aber nicht abschrecken.

"One Love"-Binde: DFB knickt ein und verzichtet - "Schämt euch" - Netzreaktionen ​
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„Standfestigkeit eines Wackelpuddings“

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Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Ein bunt gestreiftes Herz und die Worte „One Love“ sorgen bei der Fußball-Weltmeisterschaft im Land Katar für Aufregung. Sie befinden sich auf der Kapitänsbinde, die Manuel Neuer und die Kapitäne anderer europäischer Mannschaften bei den WM-Spielen gerne am Arm getragen hätten.

Auf Druck der Fifa knickten der DFB und seine europäischen Verbündeten kurzfristig jedoch doch noch ein und werden auf das kleine symbolträchtige Stückchen Stoff verzichten. Dies geht aus einem gemeinsamen Statement der Fußballverbände von England, Wales, Belgien, Dänemark, Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz hervor, das am Montag veröffentlich wurde. Die Fifa hat zuvor deutlich gemacht, dass bei Zuwiderhandlung auch sportliche Konsequenzen drohen. „Die FIFA hat sehr deutlich gemacht, dass sie sportliche Sanktionen verhängen wird, sollten unsere Kapitäne die Armbinden auf dem Platz tragen“, teilten der europäischen Verbände in einer gemeinsamen Erklärung mit. Dabei sollte die bunte Kapitänsbinde im WM-Land Katar ursprünglich als wichtiges Zeichen der Vielfalt und gegen Diskriminierung stehen.

Trotz der Verzichtserklärung waren vor der Partie der Engländer gegen den Iran dennoch alle Augen auf Kapitän Harry Kane gerichtet. Würde der 29-Jährige wirklich ohne die „One Love“-Binde auflaufen. Die Antwort folgte prompt: Ja.

Während die WM-Teams einknickten, setzte eine TV-Reporterin ein mutiges Zeichen. Die ehemalige englische Fußball-Nationalspielerin Alex Scott hat bei einer Live-Übertragung der WM im englischen Fernsehen die „One Love“-Binde getragen. Vor der Begegnung zwischen England und dem Iran am Montag hatte die 38 Jahre alte Expertin, die viele Jahre für England spielte, das umstrittene Stück Stoff an ihrem linken Arm und zeigte es beim TV-Sender BBC gut sichtbar in die Kamera. Die Briten veröffentlichten zudem ein Bild von Scott auf ihrem Twitter-Kanal. Dazu schrieb der Sender: „England, Wales und andere Nationen werden die „One Love“-Binde nicht tragen. Doch die ehemalige englische Fußballspielerin ist mitten im Khalifa-International-Stadion.“

Zuvor hatte die britische Regierung bereits den Umgang des Fußball-Weltverbands mit dem Thema „One Love“-Kapitänsbinde kritisiert. „Wir teilen die Frustration der FA (englischer Verband) mit der Entscheidung der FIFA, die die Spieler in eine sehr schwierige Position bringt“, sagte ein Sprecher des Premierministers Rishi Sunak am Montag in London. „In Bezug auf LGBT-Rechte im weiteren Sinne ist die Politik Katars eindeutig nicht die der Regierung des Vereinigten Königreichs und nicht diejenige, die wir unterstützen würden.“ Die englische Abkürzung LGBT steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans-Menschen.

Aber auch der DFB und die Verbände mussten für ihren kurzfristigen Rückzieher viel Kritik einstecken. „Noch ein Grund nicht zu schauen! #FIFAWorldCupQatar2022 und an @DFB, das ist echt schwach“, schrieb beispielsweise Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen). ZDF-Moderator Jochen Breyer meinte: „Ein Zeichen, das man nur dann setzt, wenn man dadurch keinerlei Konsequenzen zu befürchten hat, ist kein Zeichen.“

(old)
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