WM 2018: Was passiert mit den Stadien und Arenen?

Milliarden-Investition für ein Turnier: Was passiert nach der WM mit den Arenen?

Ein Klub aus St. Petersburg zieht nach der WM in Russland um - knapp 2000 Kilometer weit nach Sotschi. Dort steht nach der WM ein Stadion leer. Was mit den anderen Spielstätten passiert, ist völlig offen.

Auch in Moskau machen sie sich jetzt so langsam Sorgen. Das Luschniki, traditionsreich und imposant, wurde für die Weltmeisterschaft aufwendig umgebaut, 300 Millionen Euro soll es gekostet haben, das größte Stadion in Russland in eine Fußball-Arena ohne Laufbahn zu verwandeln. Angeblich beliefen sich die Investitionen sogar auf bis zu eine Milliarde Euro. Allerdings: Was im Luschniki ab Montag gespielt wird, das ist erst mal unklar.

Das Endspiel der Fußball-WM am Sonntag zwischen Frankreich und Kroatien (17 Uhr MESZ/ZDF und Sky Deutschland) wird wohl für lange Zeit das letzte sportliche Großereignis gewesen sein, das Publikum ins Luschniki gelockt hat. Gut, die Nationalmannschaft könnte darin spielen, aber die vier Hauptstadtklubs, also ZSKA, Dynamo, der aktuelle Meister Lokomotive und der Traditionsverein Spartak, besitzen mittlerweile alle eigene Stadien, und alle mit mehr Plätzen, als sie im Normalfall brauchen.

Russland hat vor der WM gewaltige Summen in den Neubau und die Renovierung von Stadien investiert - geschätzte 5,3 Milliarden Euro in die elf WM-Arenen, außerdem zusätzlich angeblich sieben bis neun Milliarden Euro in rund 100 weitere, kleine Stadien. Ein Großteil der Summe, geschätzte 930 Millionen, ging für das neue Stadion in St. Petersburg drauf - dort gewann Deutschland im vergangenen Jahr den Confed Cup, dort findet am Samstag das Spiel um Platz drei statt.

In allen Stadien der WM in Russland bleibt die Nachnutzung ein Problem. In der Arena von Spartak Moskau versuchen sie bereits tapfer, etwas gegen den Leerstand zu tun, am Freitag bespielt die US-Hardrockband Guns n' Roses den rot-weißen Bau. Konzerte, Kongresse: Die Konzepte gleichen sich. Regierungsstellen sollen errechnet haben, dass jeder Stadionbetreiber aller Voraussicht nach ein jährliches Defizit in Höhe von 2,8 bis 5,5 Millionen Euro ausgleichen muss.

Die Stadien mit Fußball am Laufen zu halten, dürfte schwierig werden - so richtig wird der Russe mit der populärsten Sportart der Welt nicht warm. In der abgelaufenen Saison lag der Schnitt in der russischen Premjer Liga bei 13.971 Zuschauern. Spiele der zweiten russischen Liga verfolgten zuletzt umgerechnet nur 2552 Besucher. Auch in Russland, steht zu befürchten, werden bald ein paar sogenannte Weiße Elefanten herumstehen wie mittlerweile in Südafrika (WM 2010) oder Brasilien (WM 2014).

In Sotschi, wo sie das 620 Millionen Euro teure Olympiastadion "Fisht" für 50 Millionen WM-tauglich gemacht hatten, gab es bis vor Kurzem nicht mal einen Fußball-Klub. Schemtschunia Sotschi ging vor fünf Jahren pleite, jetzt wird einfach der Zweitligist Dynamo St. Petersburg an das 1925 Kilometer entfernte Schwarze Meer transferiert und in FK Sotschi umbenannt. Innerhalb von zwei Jahren soll der Aufstieg gelingen. In das "Fisht" passen locker 45.000 Zuschauer.

Auch andernorts müssen Zweitligisten viel zu große Stadien bespielen. Etwa der FK Baltika in Kaliningrad, wo der Neubau der Arena Baltika so um die 350 Millionen Euro gekostet haben soll. Oder der FC Mordowia in Saransk, wo die angeblich mindestens 270 Millionen Euro teure Mordwinien-Arena steht.

Oder der ein wenig dubiose FC Olympijets in Nischni Nowgorod (früher Gorki), wo nun ein 250 Millionen teures Stadion mit 45.000 Plätzen steht. Ein Stadion, das genau genommen keiner braucht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Zukunft der WM-Stadien in Russland

(old/sid)
Mehr von RP ONLINE