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WM 2018: Russland und seine Stadien - viele Probleme und eine ungewisse Zukunft

„Weiße Elefanten“ drohen : Russland und seine Stadien - viele Probleme und eine ungewisse Zukunft

Die WM in Russland wird in zwölf Stadien ausgetragen, deren Neubau oder Renovierung teils horrende Summen verschlang. In vielen Städten drohen zudem wieder einmal „Weiße Elefanten“.

Nein, es lief wahrlich nicht so, wie sich Wladimir Putin das vorgestellt hatte. Oft genug musste er in den vergangenen Jahren persönlich eingreifen und Druck machen, damit endlich Fortschritte bei seinen Prestigeobjekten gemacht wurden. Dafür erschien er dann auch schon mal selbst, wenn wieder eines der zwölf Stadien, die für die Fußball-WM in Russland neu gebaut oder renoviert wurden, eröffnet werden konnte. Die Spielstätten in seinem Riesenreich sind und bleiben dennoch Problemfälle.

Kaum ein Stadion, das nicht negative Schlagzeilen machte, sei es wegen explodierender Baukosten und Korruption, der Beschäftigung von unterbezahlten Gast- bzw. Sklavenarbeitern, oder den permanenten Änderungen oder Verzögerungen beim Bau. Erst im Mai konnte als letztes Stadion die Arena in Samara eröffnet werden - sie sieht anders aus als geplant und ist selbstverständlich mit mindestens 285 Millionen Euro teurer als vorgesehen. Die Arena in Wolgograd, eröffnet im März, weist bereits Baumängel auf.

Geschätzte 5,26 Milliarden Euro hat es gekostet, die Arenen von Kaliningrad bis Jekaterinburg zu errichten oder zu sanieren. In Moskau soll in das Olympiastadion Luschniki eine Milliarde Euro gesteckt worden sein, das Stadion in St. Petersburg, 2017 beim Confed Cup Austragungsort des Finales zwischen Deutschland und Chile (2:0), hat angeblich 930 Millionen Euro gekostet. Billiger waren die Neubauten in Samara, Saransk (270 Millionen Euro) oder Wolgograd (230) - aber zu welchem Preis?

Wie in Südafrika oder Brasilien wird es auch in Russland jede Menge "Weiße Elefanten" geben - Stadien, die überdimensioniert und kaum zu unterhalten sind. Nur sechs Spielstätten werden von Erstligisten genutzt werden, drei von Zweitligisten, eines von einem Drittligisten. Zwei Stadien haben überhaupt keinen dauerhaften Nutzer: Das Luschniki in Moskau, und das "Fisht" in Sotschi, für 620 Millionen Euro für die Olympischen Spiele 2014 erbaut und danach für 50 Millionen Euro für den Fußball angepasst.

"Neue Stadien ziehen sofort mehr Menschen an", behauptet Alexej Sorokin, Chef des WM-Organisationskomitees. Doch auch er rechnet fest damit, dass die WM-Stadien zunächst weiter mit staatlichen Geldern betrieben werden müssen, und da sei auch "nichts falsch dran", sagt er, wenn sich erst mal alles eingespielt habe, werde sich jede Arena selbst finanzieren. Regierungsstellen erwarten Betriebskosten für die Stadien in Höhe von 200 bis 400 Millionen Rubel (derzeit 2,77 bis 5,54 Millionen Euro).

Angesichts der Zuschauerzahlen bei Fußball-Spielen in Russland baut Sorokin Luftschlösser: Die Premjer Liga, also die 1. Liga, verzeichnete in der abgelaufenen Saison einen Zuschauerschnitt von 13.971. In der "1. Division", die in Wahrheit die 2. Liga ist, kamen 2.552 Zuschauer pro Spiel. Dummerweise ist nun Rotor Wolgograd, das immerhin 3800 Fans im Schnitt zählte, gerade in die drittklassige "2. Division" abgestiegen. Das neue Stadion in Wolgograd hat mehr als 45.000 Plätze.

In Jekaterinburg, Kaliningrad, Rostow und Saransk sollen die Arenen nach der WM erst mal auf Kapazitäten von um die 25.000 Plätze zurückgebaut werden. In Jekaterinburg werden dafür die die beiden gewaltigen Stahlrohrtribünen, die außen an das Zentralstadion gesetzt wurden, einfach wieder abgebaut. Es sind dann eher kleine Weiße Elefanten - aber immer noch Weiße Elefanten. In denen Spiele stattfinden, die nur wenige Russen interessieren.

Alle Stadien der WM 2018 in Russland finden Sie hier.

(SID)