WM 2018: Hohe Zuschauer-Zahlen bei ARD und ZDF trotz frühem WM-Aus der Deutschen

ARD und ZDF: Hohe Zuschauer-Zahlen trotz frühem WM-Aus der Deutschen

Das Interesse der deutschen Fußball-Fans an der WM war auch nach dem Ausscheiden des DFB-Teams ungebrochen. ARD und ZDF feierten hohe Zuschauerzahlen und Marktanteile - und ein bisschen auch sich selbst.

Als sich die deutsche Mannschaft am 27. Juni mit dem historisch frühen K.o. von der WM in Russland verabschiedeten, hatten die Macher von ARD und ZDF wohl schon Schlimmstes befürchtet. Noch zweieinhalb WM-Wochen standen an. Achtelfinale, Viertelfinale, Halbfinale und dann das Finale. Und das alles ohne das Zugpferd deutsche Nationalmannschaft. Was nun? Wer schaut jetzt noch hin? Alles für die Katz?

Mitnichten! Die Öffentlich-Rechtlichen wurden ordentlich überrascht. Die WM hielt die Fan-Gemeinde in ihrem Bann. Mehr als 18 Millionen sahen in der ARD Frankreichs Finaleinzug, mehr als 19 Millionen im ZDF den der Kroaten. 19 der bislang 62 Begegnungen verfolgten mehr als zehn Millionen Zuschauer, 43 Spiele kamen auf mehr als 40 Prozent Marktanteil.

Und so feiern sich ARD und ZDF angesichts geringerer Kosten und hochgelobter Experten im gemeinsamen Studio in Baden-Baden auch ein bisschen selbst. "Die Akzeptanz ist super, damit war nach den kläglichen Auftritten der deutschen Mannschaft so nicht zu rechnen", sagte ARD-Teamchef Harald Dietz.

ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann meinte: "Der Zuschauerzuspruch war trotz des frühen Ausscheidens der deutschen Mannschaft richtig gut. Die WM hat ihren eigene Anziehungskraft entwickelt."

So gänzlich sorgenfrei blickt Dietz jedoch nicht in die Zukunft. Schließlich wurde bei der Aufarbeitung der Krisenherde in Mannschaft und DFB-Führung schon reichlich Schaden angerichtet, und die Erdogan-Affäre um den weiter beharrlich schweigenden Mesut Özil hallt immer noch kräftig nach.

ARD-Mann Dietz warnt: "Hoffentlich sind sich die Verantwortlichen bei der Aufarbeitung der Krisensituation des hohen Stellenwerts der Nationalmannschaft in der Bevölkerung bewusst; mit Aussitzen und marginalen Veränderungen werden die Probleme nicht gelöst und keine Sympathien zurückgewonnen." Sein ZDF-Pendant Fuhrmann ist da deutlich gelassener: "Die Nationalmannschaft hat weiter großes Potenzial und kann schnell verspielten Kredit zurückgewinnen."

Doch nicht nur Quoten und Marktanteile lassen ARD und ZDF jubeln. Erstmals nutzten beide Sender in der Heimat ein gemeinsames WM-Studio. "Wir haben mit weniger Personal vor Ort und smarteren Produktionsmitteln deutlich günstiger als vor vier Jahren produziert", sagte Harald Dietz. Fuhrmann ergänzte: "Die Übertragungen erstmals aus einem provisorischen Studio zu steuern, das nicht im Ausrichterland liegt, ist gelungen. Wir haben die Qualität der Berichterstattung auf gleich hohem Niveau gehalten."

Auch mit ihrem Personal im Studio waren ARD und ZDF hochzufrieden. Den Zuschauern hatte es besonders TV-Debütant Christoph Kramer angetan. Der Weltmeister von 2014 überzeugte im ZDF mit seiner lockeren Art und genauen Analysen. "Er hat als aktiver Spieler emphatisch und pointiert seine Mitspieler analysiert. Immer fair, nie unter der Gürtellinie. Tolle Premiere", freute sich Fuhrmann.

Der Kramer des ZDF hieß in der ARD Thomas Hitzlsperger. Der WM-Dritte von 2006 überzeugte mit seiner fachlichen und deutlichen Kritik. "Diejenigen, die im Vorfeld bei dem einen oder anderen ARD-Protagonisten 'DFB-Nähe' unterstellten, wurden bei unseren Übertragungen eines Besseren belehrt, alle haben die Schwächen und Probleme im DFB-Team schonungslos angesprochen", lobte Dietz.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die TV-Teams von ARD und ZDF bei der WM 2018

(rent/sid)
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