WM 2018: Bela Rethy nennt Hetze gegen Claudia Neumann eine "Niedertracht"

Drittes WM-Finale für Kommentator: Hetze gegen Kollegin Neumann für Rethy ein absolutes Unding

Bela Rethy kommentiert am Sonntag sein drittes WM-Finale für das ZDF. Die Hetze gegen seine Kollegin Claudia Neumann macht ihm zu schaffen.

Die Schattenseiten des "Traumberufs" Fußball-Live-Kommentator machen Bela Rethy nachdenklich. "Ich war erschüttert. Ich finde es bedenklich, dass solche Niedertracht in unserer Gesellschaft vorhanden ist", bewertete der 61-Jährige, am Sonntag (17 Uhr MESZ/ZDF und Sky) Kommentator des WM-Endspiels zwischen Frankreich und Kroatien, im SID-Interview die Hetze im Netz gegen seine Kollegin Claudia Neumann.

In Sozialen Netzwerken verunglimpften etliche Unverbesserliche die Reporterin des Zweiten, wobei es hauptsächlich nur darum ging, Hass zu verbreiten, weil Neumann als Frau WM-Spiele kommentiert. Auch für Rethy ein absolutes Unding: "Claudia macht nicht nur hier bei der WM einen ausgezeichneten Job, sie hat große Kompetenz."

Das ZDF als Arbeitgeber reagierte und stellte Strafanzeige. Eine Reaktion, die völlig zu Recht erfolgte, schließlich existiert auch im Netz der juristische Tatbestand der Beleidigung. Rethy: "Wir befinden uns ja nicht in einem rechtsfreien Raum. Die Reaktion des ZDF habe ich sehr positiv aufgenommen."

Rethy, der sich für die Initiative "Respekt! Kein Platz für Rassismus" als Botschafter engagiert, gab seiner Kollegin einen guten Ratschlag auf den Weg: "Ich habe Claudia gesagt, dass diese Aussagen keine Bedeutung haben, denn sie geben nicht die Mehrheit der Meinung in der Bevölkerung wieder, und sie haben mit dem wahren Leben nichts zu tun. Es ist eine Minderheit, die zwar sehr laut ist, aber letztendlich keine Bedeutung hat, auch wenn es für den Betroffenen natürlich sehr übel ist."

Rethy weiß aus eigener Erfahrung, dass auch seine Reportagen nicht von allen Zuschauern positiv aufgenommen werden. Er selbst ist allerdings nicht in den Sozialen Medien aktiv, sie sind für ihn "kein Thema". Ihm fehle einfach der Zugang zu dieser digitalen Welt.

Vor dem Endspiel am Sonntag hatte Rethy aber auch mit anderen Problemen zu kämpfen. Eine Erkältung machte ihm zu schaffen, mit Hausmittelchen wurde sie bekämpft, die Stimme kehrte rechtzeitig zurück. Zum dritten Mal nach 2002 in Yokohama und 2010 in Johannesburg darf Rethy ein WM-Endspiel für das Zweite kommentieren.

Als Kommentator bei EM-Finals hat Rethy beispielsweise 1996 beim deutschen EM-Triumph in Wembley durch das Golden Goal von Oliver Bierhoff Fußball-Geschichte hautnah miterlebt; 2004 und 2012 war er ebenfalls bei EURO-Finals im Einsatz.

"Ein WM-Finale ist natürlich immer etwas Besonderes, ein drittes natürlich erst recht. Sechs Finals zusammen mit den EM-Turnieren - das liegt vor allem an meinem Alter", witzelte er. Klar ist für ihn, dass sein Abschied von der WM-Bühne bevorsteht: "Es wird wohl mein letztes WM-Finale sein, denn in vier Jahren in Katar werde ich voraussichtlich nicht mehr dabei sein."

Dass Deutschland erstmals in einer WM-Vorrunde gescheitert ist und längst keine Rolle mehr bei der Endrunde in Russland spielt, ist für Rethy, der neben Deutsch und Englisch auch Ungarisch, Portugiesisch, Französisch und Spanisch beherrscht, kein Problem. "Ich bin Anhänger des guten Fußballs und freue mich auf ein schönes, attraktives Finale", betonte der gebürtige Wiener.

Seine Familie stammt aus Ungarn, nach dem Volksaufstand 1956 kam es zur Flucht. Bis zu seinem zwölften Lebensjahr wohnte er in Sao Paulo/Brasilien, ehe die Familie nach Deutschland übersiedelte. So war das WM-Finale 2002 zwischen Brasilien und Deutschland "aus familiären Gründen" etwas ganz Besonderes.

(togr/SID)
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