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Uli Hoeneß als TV-Experte bei WM-Quali: So lief sein erster Einsatz

TV-Premiere vom Bayern-Patron : Hoeneß ungewohnt förmlich beim Experten-Debüt

Er habe TV-Experten immer eher „belächelt“. Das hatte Uli Hoeneß jüngst zugegeben. Dann wurde er selbst zu einem. Beim WM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Island hatte der 69-Jährige seinen ersten Auftritt. So hat er sich geschlagen.

Im Vorfeld hatte der Ehrenpräsident von Bayern München angekündigt, Klartext reden zu wollen, statt die Taktik zu sezieren. Beim 3:0 der deutschen Nationalmannschaft gegen Island in der WM-Qualifikation hat Uli Hoeneß sein Debüt als TV-Experte gegeben. Der 69-Jährige sieht seine neue Rolle als Herausforderung: Er wolle sich beweisen, dass er das könne. Bundestrainer Joachim Löw  gab an, Hoeneß’ Engagement könne „sehr spannend“ und „unterhaltsam“ für die Zuschauer werden.

Wie es im TV-Studio dann aussieht? Hoeneß, von RTL als „Fußball-Legende zurück auf großer Bühne“ angekündigt, kommentiert nüchtern und sachlich. Moderator Florian König heißt ihn zu Anfang herzlich willkommen und spricht sogleich von „wir“, dennoch bilden die beiden kein Team, das perfekt harmoniert, keines, bei dem man sagen würde: Da haben sich zwei gefunden so wie einst Gerhard Delling und Günter Netzer in der ARD. Aber Hoeneß und König analysieren unaufgeregt und vor allem verständlich. Angenehm.

Der Start

Erstes Thema in der Vorberichterstattung ist der Corona-Fall in der Mannschaft. Es geht darum, warum das Spiel trotzdem stattfindet. Wie man das den Zuschauern erklären könne, will König von Hoeneß wissen. Die Leute müssten verstehen, dass der Fußball in diesem Fall ein Beruf sei, antwortet dieser. Bei BMW oder Daimler müsste auch nicht die gesamte Belegschaft nach Hause gehen, wenn – bei funktionierendem Hygienekonzept – ein Corona-Fall aufgetreten sei.

In der Halbzeit

Hoeneß wirkt ein wenig steif, als wolle er unbedingt alles richtig machen. Er achtet auf seine Formulierungen. Richtig in Fahrt kommt er nicht. Die gesamte Zeit über steht er beinahe unbewegt da, beide Hände flach auf dem Pult. An der Kamera blickt er vorbei. In der Halbzeitpause scheint seine Pose sich nicht verändert zu haben. Obwohl Deutschland gut gespielt hat und mit zwei Toren vorne liegt, bleibt Hoeneß betont ruhig. Er, der vor seinem ersten Auftritt als TV-Experte gesagt hat, er wolle „konstruktiv und kritisch“ und auch „positiv die Länderspiele begleiten“, tut genau das.

Joshua Kimmich und Leon Goretzka, beide hätten das Spiel geprägt, sagt Hoeneß: „Das macht richtig Spaß zuzuschauen.“ Womit er auch Recht hat – ohne, dass er dabei durch die „Bayern-Brille“ gucken würde. Falls dieser Eindruck bei dem ein oder anderen dennoch entstanden sein sollte, korrigiert er König schnell, als dieser bei der Wiederholung der ersten Tor-Szene mit dem entscheidenden Schuss von Goretzka den Satz fallen lässt, da habe das „Bayern-Herz von Uli Hoeneß“ sicher höher geschlagen. „Heute hab ich ein deutsches Herz“, entgegnet Hoeneß.

Nach dem Spiel

Auch nach dem Spiel findet Hoeneß ausschließlich lobende Worte für „die Mannschaft“. Das Zeichen, das die Spieler zu Beginn des Spiels gesetzt hatten, indem sie auf ihre T-Shirts in Großbuchstaben das Wort „Human Rights“, zu deutsch Menschenrechte, geschrieben hatten, wertet er als positiv. Dann geht es um die Trainernachfolge von Jogi Löw, doch auch hier lässt Hoeneß sich nicht aus der Reserve locken. Favoriten nennt er nicht.

Er taut erst auf, als es sich schließlich um den DFB dreht. Dann redet er sich in Rage, erhebt seine Stimme, gestikuliert. „So kann es nicht weitergehen“, postuliert er bestimmt. Er spricht nicht mehr als Experte, mehr als Funktionär und ist endlich der gewohnte Hoeneß. Die Phase ist dann aber auch wieder schnell vorbei, als es um die Ergebnisse der anderen Länderspiele geht.

Fazit

„Wer glaubt, dass ich alles in Schutt und Asche rede, der täuscht sich“, hatte er vorab verlauten lassen. Und in der Tat: Die Abteilung Attacke machte ihrem Namen keine Ehre. Hoeneß’ Debüt als TV-Experte fehlte der große Mehrwert. Es darf gerne etwas weniger förmlich und zurückhaltend sein.