WM 2018: Uruguay im Porträt

WM-Starter Uruguay im Porträt: Uruguay besticht durch zwei Top-Stars im Sturm

Die ganz großen Erfolge von Uruguay liegen lange zurück. Bei der WM 2018 wollen Suarez, Cavani und Co. die guten, alten Zeiten wieder aufleben lassen.

Es ist vergleichsweise ruhig geworden um Luis Suarez. Das war bei der WM 2014 in Brasilien noch ganz anders gewesen. Mit einer Beiß-Attacke gegen den Italiener Giorgio Chiellini in der Vorrunde hatte der Stürmer für einen riesigen Skandal und weltweites Aufsehen gesorgt. Für neun Spiele sperrte der Weltverband Fifa den "Vampir", Uruguay schied ohne seinen Torjäger im Achtelfinale mit einem 0:2 gegen Kolumbien bei der WM aus.

Bei der Weltmeisterschaft in Russland will der Angreifer des FC Barcelona nur noch Tore sprechen lassen und zusammen mit Sturmpartner Edinson Cavani von Paris St. Germain sportlich für Furore sorgen. Das Selbstvertrauen nicht nur bei den beiden Stars, die jede Abwehrreihe das Fürchten lehren, ist groß.

"Uruguay ist ein sehr harter Gegner für jede Mannschaft. Wir sind defensiv solide und kraftvoll im Angriff", sagte Kapitän Diego Godin von Atletico Madrid. Natürlich sei es "unser Traum, Weltmeister zu werden".

Auch Ex-Nationalspieler Diego Forlan sieht in Uruguay "ein Team, das sich vor keinem Gegner zu verstecken braucht. Die meisten wollen uns am liebsten aus dem Weg gehen. Für uns fühlt sich das gut an".

Immerhin belegte Uruguay in den Eliminatorias hinter den souveränen Brasilianern überraschend Platz zwei - noch vor den wesentlich höher gehandelten Argentiniern um Superstar Lionel Messi, vor Kolumbien und vor Südamerika-Meister Chile, der die WM sogar verpasste.

Zum 13. Mal qualifizierten sich die Urus damit für eine WM, doch die ganz großen Erfolge liegen lange zurück: 1930 und 1950 wurden "La Celeste", die Himmelblauen, Weltmeister. Von 1978 bis 2006 war Uruguay dagegen fünfmal in der Qualifikation für die Endrunde gescheitert.

Erst Oscar Washington Tabarez, der 2006 das Amt des Nationaltrainers übernommen hatte, brachte die Urus wieder auf Kurs. 2010 in Südafrika gelang bereits ein beachtlicher vierter Rang, 2011 gewann er mit seinem Team die Copa America.

"El Maestro" genießt Kultstatus, bei den Stars gilt der 71-Jährige als Vaterfigur - vielleicht auch deshalb, weil sich der erfahrene Coach selbst nicht so wichtig nimmt. "Ich bin kein großer Trainer, nur die Spieler zählen", sagte er einmal.

Bei Länderspielen steht Tabarez kaum mehr an der Seitenlinie. Er leidet an einer Erkrankung des peripheren Nervensystems, geht auf Krücken oder muss sogar einen Rollstuhl benutzen.

Dies hindert Tabarez nicht an seiner erfolgreichen Arbeit. Er hat in den letzten Jahren immer wieder junge Spieler wie etwa Mittelfeldspieler Matias Vecino, der als Hoffnungsträger gilt, an das Team herangeführt und einen Umbruch eingeleitet. Bei nur rund 3,5 Millionen Einwohnern ist die Suche nach Talenten gar nicht so einfach.

"Zum Glück rücken neue Spieler nach, was fast einem Wunder gleicht", sagt Tabarez und fügt an: "Für jedes Talent, das wir entdecken, zieht Brasilien zwölf oder 14 aus dem Hut. Das Gleiche gilt für Argentinien. Wir müssen unseren Weg weitergehen."

Und der war durchaus erfolgreich. Die erneute WM-Qualifikation bedeute "für den Fußball hier und für das Land viel", betonte Tabarez. Auch Abwehrspieler Godin unterstrich, dass dies "für Uruguay nicht nur das Erreichen einer WM-Endrunde ist, das ist viel mehr."

Deshalb feierte der im Volk beliebte Ex-Präsident Jose Mujica nach erfolgreicher Quali auch das Team: "Die Seleccion ist eine nationale Angelegenheit. Cavani und Suarez sind unsere Helden."

(sid)
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