WM 2018: Peru im Porträt

WM-Starter Peru im Porträt: Dopingfall Guerrero, Umweg Play-off - Peru leidet sich zur WM

Nach 36 Jahren sind die Blanquirrojas wieder auf der großen Fußballbühne dabei. Und setzen in Russland auf Bundesliga-Erfahrung.

Totgesagte leben länger: Als jeder Peru nach zehn Eliminatorias-Runden mit gerade einmal acht Punkten auf der Habenseite abgeschrieben hatte, scharte der "Krieger" Paolo Guerrero seine Mitkämpfer um sich und erklomm heroisch noch Rang fünf in der südamerikanischen Fußball-WM-Qualifikation. Doch dann folgte der Dopingschock, die Suspendierung des Ex-Bundesliga-Stars, sein WM-Aus.

Immerhin: Auch ohne ihren Rekordtorjäger machten die Blanquirrojas, die zuletzt vor 36 Jahren ihre weißen Trikots mit dem unverwechselbaren roten Schrägstreifen auf einer WM-Bühne trugen, anschließend in den Kontinental-Play-offs gegen Neuseeland den letzten Schritt.

Guerrero, der einst für Bayern München und den Hamburger SV auf Torejagd ging, kämpfte da schon um seine Reputation. Bei der Dopingprobe am 5. Oktober 2017 nach dem Eliminatorias-Spiel in Argentinien (0:0) war ein stimulierendes Abbauprodukt von Kokain, angeblich aufgenommen durch Tee-Konsum, in seinem Urin gefunden worden. Am 14. Mai weitete der Internationale Sportgerichtshof CAS die ursprüngliche Sperre von einem halben Jahr, die er wenige Tage zuvor abgesessen hatte, auf 14 Monate aus.

Gegen die Kiwis sprang ein alter Bekannter aus Bundesliga-Zeiten in die Bresche. Jefferson Farfan stieß nach dem 0:0 in Ozeanien mit seinem Führungstor beim 2:0 in Lima die Pforte zur WM auf. Vom "wichtigsten Tor meiner Karriere" hatte der 33 Jahre alte Ex-Schalker in der Nacht zuvor geträumt. Im fernen Köln jubelte Perus Idol Claudio Pizarro (39) und twitterte: "Endlich haben wir das Ziel erreicht, auf das wir so lange hingearbeitet haben."

Das Anden-Team, schon 1930 bei der Premiere dabei, war zuletzt 1982 in Spanien am Start, als die Vorrunde nach einem 1:5 gegen Polen Endstation war. Es war das einzige Spiel der Gruppe mit dem späteren Weltmeister Italien und Kamerun, das nicht Remis endete. Und das einzige WM-Turnier, bei dem Teofilo Cubillas nicht traf.

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Zuvor erzielte Perus lebende Legende 1970 und 1978 zehn Tore, eines davon in Mexiko beim 1:3 in der Vorrunde gegen Deutschland. Am Ende sprang immerhin noch das Viertelfinale (2:4 gegen den späteren Champion Brasilien) raus. Acht Jahre später ging es ebenfalls in die zweite Finalrunde, die mit dem 0:6 gegen Argentinien aber skandalös endete.

Ihrer fünften Teilnahme kamen die Peruaner bei den Eliminatorias zur WM 1986 am nächsten, als sie im letzten Gruppenspiel neun Minuten vor Ende 2:1 gegen Argentinien vorne lagen, ehe ein gewisser Ricardo Gareca den Ausgleich erzielte und Diego Maradona stattdessen zur WM nach Mexiko schoss.

Seit März 2015 sitzt jener Gareca nun bei Peru auf der Trainerbank, schrammte auf der Suche nach der idealen Mischung aus Jung und Alt haarscharf am K.o. vorbei, bekam dann aber 2017 ohne Niederlage (6 Siege, 4 Remis in Pflicht- und Testspielen) noch die Kurve.

"Peru, equipo magico, goles fantasticos, es mi Peru", magisches Team, fantastische Tore, du bist mein Peru, singen seitdem die Fans. Auf die Melodie des Gassenhauers "Moskau" der deutschen Popgrupp Dschinghis Khan. Ein Hit, der aus der Zeit stammt, als Peru zuletzt bei einer WM-Endrunde war.

(sid)