WM 2018: Island im Porträt

WM-Starter Island im Porträt: Islands Fußball-Helden - Moskau hört ein "Huh!"

Nach der EM kommt die WM: Islands Fußball-Helden werden wohl auch in Russland furchtlos und kampfstark auftreten.

Das kehlige "Huh!" der wilden Männer donnerte durch die Straßen Reykjaviks, als die isländischen Fußball-Nationalhelden auch den Sprung nach Russland vollbracht hatten. An der mächtigen Hallgrimskirche, die über der Hauptstadt wacht wie eine Sagen-Festung, wehte die blaue Landesflagge vor der Statue des Welten-Entdeckers Leif Eriksson. Die Lieblinge der EM - sie ziehen wieder los.

"Enorme Freude und Stolz erfüllen mich, dass ich Zeuge dieser wunderbaren Feier werden durfte", sagte Staatspräsident Gudni Johannesson, der das entscheidende 2:0 (1:0) gegen den Kosovo im berstenden Nationalstadion Laugardalsvöllur bejubelt hatte. "Das macht unser Land so stark! Wir sind hier häufig gegensätzlicher Meinung - deshalb ist es fantastisch, dass dieses Team uns eint."

Dass ein Pädophilie-Skandal die Regierung gestürzt hatte, Probleme mit Jugend-Abwanderung und den überbordenden Preisen, das alles war für einen Moment vergessen. Nach Frankreich 2016 hört auch Russland ein "Huh!", nie hat sich ein Land mit weniger Einwohnern (330.000) für die Endrunde einer Fußball-WM qualifiziert. Da stören auch die jüngsten Niederlagen gegen Mexiko (0:3) und Peru (1:3) nicht sonderlich.

"Unglaublich", sagt Nationaltrainer Heimir Hallgrimsson immer noch. Der 50-Jährige, von Beruf Zahnarzt, war nach dem Kosovo-Spiel derart bewegt, dass er einen Teil der Pressefragen von seinen Assistenten beantworten ließ. "Maradona, Pele", stammelte Hallgrimsson, "und Aron Einar Gunnarsson..."

  • Fotos : WM 2018: Stadien und Spielorte in Russland
  • WM 2018 : Diese Top-Elf fehlt bei der WM in Russland

Der Kapitän von Cardiff City, berühmt durch seinen markanten Bart und seine spitzen Eckzähne, wird die wilden Männer auch bei der WM anführen. "Das Wikingerschiff nimmt Kurs auf Russland", schrieb die Washington Post. Besonders Frankreich erinnert sich noch gut an den sommerlichen Einfall Tausender Isländer. "Das nächste Wunder", titelte daher L'Equipe. Dabei ist der Erfolg mehr als das.

In Island beginnt der Fußball, dem Handball Konkurrenz zu machen. Wer durch das Land von Lava und Eis reist, sieht in jedem Fischerdorf einen fein gepflegten Rasen und daneben einen hölzern umzäunten Mini-Bolzplatz, meist an der Seite eines bestens ausgestatteten Schwimmbads. Dazu kommt: "Wir sind Workaholics", wie Heimir Hallgrimsson betont.

Der Sport ist Regierungsprogramm - auch, um die in der Wirtschaftskrise teils in den Alkoholmissbrauch abgedriftete Jugend zu beschäftigen. Der ausgeprägte Nationalstolz ist überall zu spüren. Somit verkam die EM-Teilnahme nicht zur Eintagsfliege. Hallgrimsson, der den Fans stets mehrere Stunden vor dem Anpfiff die Taktik in der Sportsbar Ölver erläutert, ist darauf besonders stolz. Er sagte: "Man weiß ja: Das erste Bier nach einer Party schmeckt nicht gut."

Die Weite des Landes, die raue See, sie lassen die Isländer zusammenstehen. Ein Journalist berechnete, dass 0,1 Prozent der isländischen Männer zwischen 22 und 34 im Sommer nach Russland fahren werden - als Spieler, wohlgemerkt. Tausende werden sie begleiten.

(sid)