WM 2018: Der Iran im Porträt

WM-Starter Iran im Porträt: Viel Euphorie, wenig Erfolg – Iran in Russland nur Außenseiter

Trotz starker Gruppengegner: Bei der fünften WM-Teilnahme soll es für den Iran endlich mit der K.o.-Runde klappen. Weil herausragende Einzelspieler fehlen, muss es in Russland das Kollektiv richten.

Winfried Schäfer glaubt an das Achtelfinale. Und wenn einer das Potenzial der iranischen Fußball-Nationalmannschaft einschätzen kann, dann ist es "der deutsche General" vom Traditionsklub Esteghlal Teheran. Sieben Spieler seines Teams stehen im vorläufigen WM-Kader, "fünf fahren sicher mit nach Russland", sagt Schäfer im Gespräch mit dem SID. Sie sollen dabei helfen, den Iran im fünften Anlauf erstmals in die K.o.-Runde zu führen.

Die Aufgabe ist angesichts der Gruppengegner Marokko (15. Juni), Spanien (20. Juni) und Portugal (25. Juni) groß, doch Schäfer schätzt die mutigen Ansagen in seiner fußballverrückten Wahlheimat. "Ich freue mich über die Einstellung, Mut ist doch immer positiv", sagt der langjährige Trainer des Karlsruher SC: "Auch wenn die Gegner stark sind, bei einer WM kann doch alles passieren."

Immerhin hatte sich der Iran souverän für die Endrunde qualifiziert, ohne eine Niederlage, vor Südkorea und mit mehr Punkten als Japan. "Das zeigt die Qualität der iranischen Liga", sagt Schäfer nicht ohne Stolz auf sein eigenes Team. Kein Nationalspieler ist in einer europäischen Eliteklasse aktiv, der frühere Wolfsburger und Berliner Ashkan Dejagah spielt zwar in England, allerdings zweitklassig für Nottingham Forest - und war zudem lange verletzt.

Dennoch vertraut Trainer Carlos Queiroz seinem Kapitän, weil Dejagah (31) als einer der wenigen in seinem Kader herausragende individuelle Fähigkeiten besitzt. "Defensiv ist das Team sehr stabil, es besitzt eine gute Disziplin, vorne muss es aber überraschen", analysiert Schäfer. Die Generation um Rekordnationalspieler Ali Daei, Spielmacher Ali Karimi oder "Hubschrauber" Vahid Hashemian, die alle die Bundesliga bereicherten, sei spielerisch besser gewesen. "Dafür ist diese Mannschaft in der Breite stärker", sagt Schäfer.

Dazu tragen auch Masoud Shojaei und Ehsan Haji Safi bei, obwohl sie vom Sportministerium lebenslang gesperrt wurden, weil sie für ihren damaligen Klub Panionios Athen gegen Maccabi Tel Aviv aufgelaufen waren. Sportlern im Iran ist es noch immer verboten, gegen Israelis anzutreten. Dennoch nominierte sie Queiroz für den vorläufigen Kader. Dem Ziel "Achtelfinale" ordnet das Land, in dem Frauen seit Anfang der 1980er Jahre Stadionverbot haben, vieles unter.

1978 in Argentinien, 1998 in Frankreich, 2006 in Deutschland und 2014 in Brasilien scheiterte das "Team Melli" in der Gruppenphase, bislang steht nur ein WM-Sieg 1998 gegen den Erzrivalen USA zu Buche. "Wir wollen als das erste iranische Team, das die Vorrunde übersteht, in die Geschichte eingehen", sagt Dejagah.

Ein Erfolg über Ex-Weltmeister Spanien oder Europameister Portugal hätte im fußballbegeisterten Teheran wohl Freudenfeste zu Folge - und Probleme für "Winnie" Schäfer. "Meine Jungs wollen alle in Europa spielen, und wenn sie das Achtelfinale erreichen, kann es sein, dass sie die Chance kriegen. Wir sind hier im Aufbau, daher würde mich das nicht so sehr freuen", sagt Schäfer. Stolz wäre der "Dscheneral Almani" dennoch.

(sid)