WM 2018: Ägypten im Porträt

Ägyptens Hoffnungen ruhen auf "König Mo" Salah : Ägyptens Hoffnungen ruhen auf "König Mo" Salah

Dank Nationalheld Mohamed Salah ist Ägypten zum dritten Mal für eine Fußball-WM qualifiziert. Nach schrecklichen Tragödien kommt die erste Teilnahme seit 28 Jahren einer Erlösung gleich.

Auf dem Tahrir-Platz in der ägyptischen Hauptstadt Kairo gab es nach der gelungenen WM-Qualifikation kein Halten mehr. Über 100.000 Menschen waren zusammengekommen, um ihrem "König Mo" zu huldigen. Die Hoffnungen eines ganzen Landes ruhen seitdem auf Mohamed Salah, ihrem Nationalhelden.

Das quirlige Offensiv-Ass in Diensten des FC Liverpool hatte die Pharaonen gegen die demokratische Republik Kongo in der fünften Minute der Nachspielzeit zur WM geschossen. "Salah ist der Held Ägyptens, da er den Traum unseres Landes hat wahr werden lassen", schwärmte der Regierungsangestellte Mohamed Megahed nach der ersten erfolgreichen WM-Qualifikation seit 28 Jahren.

Schon damals war Salah ein Spieler von großem Format. Heute, ein halbes Jahr später, ist der 25-Jährige ein Weltstar, dessen Name in einem Atemzug mit Lionel Messi und Cristiano Ronaldo genannt wird. "Es ist eine Ehre, für Ägypten in der Nationalmannschaft spielen zu dürfen. Die Flagge meines Landes wird in meinem Herzen immer einen besonderen Platz haben", sagte Salah dem Liverpool Echo und gab sich ganz bodenständig.

Außer ihrem "Messi", dem Premier-League-Star des FC Liverpool, hat das Land keine vorzeigbaren Fußball-Stars. Jedoch wurden Ägypten durchaus schlagbare Gruppengegner zugelost. Saudi-Arabien, Uruguay und Gastgeber Russland sind die Vorrundengegner der Ägypter, die dank Salah nicht als krasser Außenseiter ins Riesenreich reisen, ihre Landsleute aber längst befriedet haben.

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Der erste Einzug ins Achtelfinale seit 1934 (!) wäre dennoch eine Überraschung. Alles, was darüber hinaus geht, eine Sensation. Für die Afrikaner ist bereits die Teilnahme ein großer Erfolg, der auch altes Leid lindern soll.

Bei einer der schlimmsten Katastrophen der Fußball-Geschichte waren im Februar 2012 nach dem Duell zwischen Al-Masri und Al-Ahly Kairo in Port Said Anhänger der Gastgeber auf den Platz gestürmt. Sie hatten Steine sowie Flaschen geworfen und die Ränge mit Feuerwerkskörpern beschossen. Es entstand eine Massenpanik. 74 Menschen kamen ums Leben.

In Anlehnung an die Tragödie trug Salah während seiner Zeit als Leihspieler des AC Florenz die Rückennummer 74. "Ich wollte den Opfern damit Tribut zollen. Und um das klarzustellen, niemand hat mich darum gebeten. Ich habe mir das selbst ausgesucht, weil ich das Bedürfnis in mir verspürt habe", sagte Ägyptens Fußballer des Jahres 2017.

(sid)