Spanien führt Argentinien 2018 vor: Lionel Messi flüchtet bei Debakel

Spanien führt Argentinien vor: Messi flüchtet bei Debakel

WM-Mitfavorit Argentinien wurde bei der historischen 1:6-Pleite von Spanien vorgeführt. Der verletzte Lionel Messi wurde dabei schmerzlich vermisst.

Lionel Messi hatte genug gesehen. Zwölf Minuten vor Abpfiff der historischen 1:6-Pleite gegen Spanien verließ Argentiniens Superstar mit finsterer Miene die Loge im Wanda Metropolitano von Madrid. Von dort aus hatte der angeschlagene Messi das Debakel seiner Teamkollegen verfolgt, mit jedem Gegentreffer war er etwas tiefer in seinen Sitz gesunken. Der WM-Mitfavorit wurde von einem anderen WM-Mitfavoriten demontiert und bekam auf brutale Weise vor Augen geführt: Ohne Messi geht es nicht.

"Spanien hat uns heute geohrfeigt", sagte Argentiniens Nationaltrainer Jorge Sampaoli völlig konsterniert. Die höchste Niederlage in der Verbandsgeschichte - zuvor hatte die Albiceleste auch bei der WM 1958 gegen die Tschechoslowakei und 2009 unter Trainer Diego Maradona in Bolivien 1:6 verloren - nahm der Coach auf seine Kappe. "Die Verantwortung für das, was wir heute abgeliefert haben, liegt bei mir", sagte Sampaoli, der nach dem sechsten Gegentreffer auf seine berüchtigten Rumpelstilzchen-Tänze verzichtete und sich stattdessen frustriert und ratlos auf die Bank setzte.

"Die Tore haben uns tief ins Mark getroffen", sagte Sampaoli, "und das müssen wir verbessern, damit wir bei der WM keinen Selbstmord begehen." 79 Tage vor dem Turnierstart in Russland deckten die Spanier, die sich schon beim 1:1 gegen Weltmeister Deutschland in Titelform präsentiert hatten, schonungslos die argentinischen Schwächen auf. "Diese Pleite hinterlässt Spuren mit Blick auf die WM", glaubt Carlos Bilardo, Argentiniens Weltmeister-Trainer von 1986.

Symbolisch war der fünfte Gegentreffer durch Iago Aspas (74.), der nicht nur für die Zeitung La Nacion ein "Komplettversagen" war. Ein Abstoß von Spaniens Torhüter David de Gea durch die Mitte landete geradewegs bei Aspas, der ohne Gegenspieler alleine auf Argentiniens Torhüter Wilfredo Caballero zustürmen und abschließen konnte.

Doch auch offensiv lief für den zweimaligen Weltmeister ohne Messis geniale Momente wenig zusammen. Konnte Argentinien das Fehlen seines Superstars (Oberschenkelprobleme) beim 2:0-Sieg gegen Italien dank einer überragenden Torhüterleistung von Caballero noch kaschieren, fiel das Team gegen Spanien ohne seine tragende Säule wie ein Kartenhaus zusammen. Von den letzten zehn Begegnungen, in denen Messi fehlte, gewann Argentinien nur vier. "Wenn der Gegner seinen Namen in der Aufstellung ließt, bekommt er schon Ehrfurcht. Wie es bei Pele, Cruyff oder Maradona der Fall war", sagte Bilardo.

Eine Aura wie Messi hat Gonzalo Higuain bei Weitem nicht. Der Torjäger, der für seinen Klub Juventus Turin scheinbar nach Belieben trifft, blieb gegen Italien und Spanien erfolglos und blass.

In Argentinien klammert man sich schon an übernatürliche Hilfe. Um den angeblichen WM-Fluch zu brechen, lösten einige Spieler des Weltmeisterteams von 1986 ein 32 Jahre altes Versprechen ein. Angeführt von Jose Luis Brown, der beim 3:2 Finalsieg gegen Deutschland das 1:0 erzielt hatte, besuchte die Gruppe im Marien-Wallfahrtsort Tilcara wie im Januar 1986 die Figur der Heiligen Jungfrau von Copacabana. Damals hatte Nationaltrainer Bilardo einen Teil des WM-Kaders in einem Trainingslager auf die dünne Luft Mexikos vorbereitet, und die Spieler hatten in der nahe gelegenen Kapelle ein bis dato nicht eingehaltenes Gelübde abgelegt, bei einem WM-Triumph zurückzukehren.

(sid)
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