Skandal um Franz Beckenbauer: Transparenz sieht anders aus

Beckenbauer-Skandal: Transparenz sieht anders aus

Es gibt sie immer noch, die "Ja mei, der Franz halt"-Jünger. Nur überbringen sie ihre Botschaft mittlerweile nur noch hinter vorgehaltener Hand, die Distanz zur einstmaligen Lichtgestalt wächst. Franz Beckenbauers Denkmal bröckelt immer weiter.

Dass sich der Kaiser für seine Arbeit im Organisationskomitee für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland hat entlohnen lassen, hätte einen legitimen Vorgang darstellen können, hätte kein Problem werden müssen. Nun ist es aber eines.

Aus mehreren Gründen. Erstens, weil sich Beckenbauer über Jahre hinweg ins Licht des ehrenamtlichen Retters stellen ließ, der ohne jeglichen Eigennutz dem deutschen Volk einen Dienst erwiesen hat. Zweitens, weil der Deutsche Fußball-Bund (DFB) dabei half, Beckenbauers Entlohnung – wohlgemerkt durch einen staatlich finanzierten Wettanbieter – zu verheimlichen. Drittens, weil in dem insgesamt intransparenten Prozess, ein Betrag von über fünf Millionen Euro erst nach vier Jahren versteuert wurde.

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Das Wort Transparenz fällt häufig, wenn die neue Führung einen Paradigmenwechsel beim DFB propagiert. Deshalb muss sich Präsident Reinhard Grindel fragen lassen, warum der DFB nicht proaktiv die Aufarbeitung der Vergangenheit betrieben hat und im Sinne der neu eingeläuteten Ära diese seit längerer Zeit bekannten Vorgänge der Öffentlichkeit mitgeteilt hat.

So reagierte der DFB wieder nur auf neue Enthüllungen, gab erneut kein gutes Bild ab. Es scheint ein weiter Weg, bis den vollmundigen Ankündigungen von Transparenz echte Taten folgen.

(erer)