Schiedsrichter bei WM 2018: Der DFB trägt Politik auf dem Rücken von Felix Brych aus

Analyse zur WM-Ausbootung : Der DFB betreibt Politik mit Felix Brych

Warum wird der deutsche Schiedsrichter Felix Brych vom Weltverband Fifa nach nur einem Spiel von der WM abgezogen? Dahinter steckt vor allem Verbandspolitik.

Der Deutsche Fußball-Bund hat große Pläne. Weil man so gute Erfahrungen mit der Planung und Durchführung eines Sommermärchens gemacht hat, traut man sich 2024 mal wieder ein sportliches Großereignis zu. Der DFB bewirbt sich derzeit umtriebig um die Ausrichtung der Europameisterschaft. Als einziger verbliebener Konkurrent ist die Türkei noch im Rennen. Der deutsche Verband fährt mächtig auf und hat Philipp Lahm als Gesicht für die Bewerbung verpflichtet. Der ehemalige Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft war in diesen Tagen in Russland unterwegs, um gute Stimmung für das Projekt zu machen.

Der DFB ist ansonsten vor allem darum bemüht, möglichst unter dem Radar zu fliegen. Wenn es schon sportlich nicht nach Wunsch lief, will man keinesfalls mit einem Randthema auf politischer Verbandsebene unnötig auffallen. Und so nimmt man ungewöhnlich geräuschlos zur Kenntnis, dass Deutschlands bester Unparteiischer nach allen Regeln der Kunst bei der WM vorgeführt wurde. Felix Brych, 42, ist nach nur einer Begegnung aus dem Turnier geflogen.

Eine offizielle Begründung dafür gibt es nicht. Angeblich wird einem der besten Schiedsrichter der Welt angelastet, dass er in der Vorrundenpartie Serbien einen Elfmeter gegen die Schweiz verweigerte. Nach Ansicht der TV-Bilder hätte es bestimmt keine Beschwerden der Eidgenossen gegeben, wenn auf Strafstoß entschieden worden wäre. Immerhin sah der Videoschiedsrichter (VAR), an diesem Abend war das der Berliner Felix Zwayer, offenbar keine Notwendigkeit einzugreifen. Nach Informationen dieser Redaktion aus Fifa-Kreisen kam es zu keinem Funkkontakt zwischen Zwayer und Brych. Verschiedene Medien hatten kolportiert, Brych habe einen Hinweis des VAR einfach ignoriert – es gab schlichtweg keinen.

Warum wurde diese Fehlformation an anderer Stelle bewusst durchgesteckt, dass es angeblich einen Hinweis des VAR gegeben haben soll? Um den immer selbstbewusst auftretenden Brych zu schwächen? Warum ist Brych aus dem Turnier genommen worden? Haben die Serben offiziell Druck auf die Fifa ausgeübt, damit Brych nicht weiter eingesetzt wird? Auf Anfrage wollte der Weltverband keine einzige dieser Fragen beantworten. Ein Sprecher ließ verlauten, man gucke nur nach vorne.

„Der Verlauf der WM ist für mich und mein Team natürlich eine herbe Enttäuschung. Aber das Leben geht weiter, und wir kommen wieder“, wird Brych, der 2017 das Champions-League-Finale leitete, in einer Mitteilung des DFB zitiert. Ein Teil seiner „Mannschaft“ ist noch im Turnier. Mark Borsch, einer seiner Assistenten, wird nach wie vor als VAR 2 eingesetzt, also einem der Zuarbeiter des Videoschiedsrichters. Und auch Zwayer darf weiter mitwirken. Wäre tatsächlich der ausgebliebene Elfmeterpfiff ursächlich für die Entscheidung gegen Brych gewesen, hätte auch Zwayer keinen Einsatz mehr bekommen dürfen.

Es spricht deshalb viel mehr dafür, dass auf dem Rücken des Münchners Verbandspolitik ausgetragen wurde. Brych hatte sich von Mladen Kristajic, dem Trainer der Serben, indirekt als Kriegsverbrecher diffamieren lassen müssen. Der DFB hat auch zu dieser Entgleisung lieber geschwiegen.

(RP)
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