Faeser mit „One Love“-Binde So erklärt Manuel Neuer die Geste mit der Hand vor dem Mund

Update | Doha · Sowohl die Bundesinnenministerin Nancy Faeser als auch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft haben am Mittwoch im Rahmen des Spiels gegen Japan bei der WM politische Zeichen gesetzt.

WM 2022: Protest gegen die Fifa​ - Deutsche Spieler halten sich den Mund zu​
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Deutsche Nationalspieler halten sich aus Protest den Mund zu

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Foto: AP/Ebrahim Noroozi

Die deutschen Fußball-Nationalspieler haben sich beim Mannschaftsfoto unmittelbar vor dem Anpfiff der WM-Partie gegen Japan demonstrativ die Hand vor den Mund gehalten. Die DFB-Auswahl sendete damit sehr offensichtlich ein Zeichen an den Fußball-Weltverband Fifa, der in Katar die „One Love“-Kapitänsbinde von Manuel Neuer und sechs weiteren europäischen Mannschaftskapitänen verboten hatte. „Wir lassen uns vielleicht die Binde nehmen, aber wir lassen uns niemals unsere Stimme nehmen. Und unsere Werte“, sagte Neuer nach dem 1:2 gegen Japan am Mittwoch. Er trug stattdessen am Mittwoch im Khalifa International Stadion in Al-Rajjan die von der Fifa vorgegebene „No Discrimination“-Binde, die gegen Diskriminierung jeder Art stehen soll.

„Wir stehen für Menschenrechte ein. Das wollten wir damit zeigen. Dass wir uns von der Fifa vielleicht den Mund haben verbieten lassen - das machen wir vielleicht mit der Kapitänsbinde auf dem Platz, aber für unsere Werte stehen wir immer“, sagte Neuer, der mit einer von der Fifa vorgegebenen Kapitänsbinde aufgelaufen war. Die Idee sei im Mannschaftskreis entstanden. „Wir wollten unbedingt was machen, und wir haben überlegt, was man machen kann. Uns war klar, dass wir ein Zeichen setzen wollten“, sagte Neuer. „Das ist ein Fingerzeig.“

Auf der Tribüne setzte Bundesinnenministerin Nancy Faeser ein Zeichen und trug die für DFB-Kapitän Neuer verbotene „One Love“-Binde. Die SPD-Politikerin zeigte die Binde, die sie zunächst unter ihrem pinken Blazer trug, im Verlauf der ersten Halbzeit, als sie den Blazer auszog. Gemeinsam mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf verfolgte Faeser die Partie. Vor dem Anpfiff waren beide auch mit Fifa-Präsident Gianni Infantino zusammengetroffen.

Für den früheren Weltmeister Bastian Schweinsteiger war die Geste vor dem Anpfiff „eine gute Aktion der Mannschaft“. Der ARD-Experte meinte: „Das war richtig so.“

Die Fifa hatte sportliche Sanktionen angedroht für den Fall, dass die mehrfarbige „One Love“-Kapitänsbinde bei den WM-Spielen in Katar doch getragen wird. Der DFB verzichtet daher wie alle an der Kampagne teilnehmenden Nationen auf die geplante Aktion.

„Die Fifa arbeitet mit Einschüchterung und Druck, das muss man zunächst konstatieren“, sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf in der ARD. „Ich stehe zu allem, was ich gesagt habe zum Thema Menschenrechte. Wir sind in der Opposition zur Fifa, das ist ganz wichtig, dass das hier deutlich wird. Wir müssen überlegen, welche Schlüsse wir daraus ziehen.“

DFB-Direktor Oliver Bierhoff hatte in der Debatte wenige Stunden vor dem deutschen WM-Auftakt um mehr Verständnis aus der Heimat für die Spieler geworben. „Letztlich bekommen die Spieler immer wieder Kritik ab. Das tut natürlich an der einen oder anderen Stelle weh, weil man denkt: Wann ist es genug und wann kann ich mich auf die WM konzentrieren“, sagte Bierhoff am Mittwoch in der ARD.

Die vielen kritischen Reaktionen aus Deutschland würden die Spieler sehr beschäftigen, berichtete der 54-Jährige. Schließlich sei man das Thema „schon vor einem Jahr sehr ernsthaft angegangen“, betonte Bierhoff. Es habe vor der WM in Katar Gespräche mit Menschenrechtsorganisationen und Betroffenen gegeben, zudem sei ein Symposium veranstaltet und eine Million Euro für die Nepal-Hilfe gespendet worden. Dass die FIFA die Aktion für eine gute Sache unterbunden habe, sei „ein herber Schlag“ gewesen.

(dör/dpa)
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