Licht und Schatten: Die TV-Kommentatoren der WM 2014 im Check

TV-Kommentatoren im Check : Bela Rethy und Co. mit Licht und Schatten

Fast immer gibt es über die Leistungen der Fußball-Kommentatoren leidenschaftliche Diskussionen. Die einen mögen die Art des Sprechers, die anderen würden lieber auf stumm schalten. Das ist bei der WM-Endrunde in Brasilien erneut der Fall.

Der Medienwissenschaftler Siegfried Weischenberg ist unlängst zu einer von vielen TV-Zuschauern schon lange vermuteten Erkenntnis gekommen: "Gute Fußball-Kommentatoren können schweigen." Damit kommen wir gleich zum Problem bei den Übertragungen dieser Weltmeisterschaft bei den Öffentlich-Rechtlichen. ARD und ZDF haben neun Kommentatoren in Brasilien im Einsatz.

Die machen vieles, aber schweigen selten. Über ihre Leistungen gibt es fast immer leidenschaftliche Diskussionen. Die einen mögen die Art des Sprechers, die anderen würden lieber auf stumm schalten. Nicht immer ist die Kritik in dem mittlerweile getätigten Ausmaß in den sozialen Netzwerken auch gerechtfertigt. Jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt und dann genüsslich seziert.

Tom Bartels quasselt

Anlass dazu gibt es indes ausreichend. Tom Bartels zum Beispiel. Beim Spiel USA gegen Ghana (2:1) war für viele zunächst das größte Handicap die Anstoßzeit um Mitternacht. Bartels hatte wohl vor allem Angst, dass ihm ein Zuschauer wegdösen könnte. Und so quasselte er 90 Minuten plus Nachspielzeit ohne Punkt und Komma durch, als würde er fürs Radio kommentieren. Eine Sternstunde seiner Künste präsentierte er auch Tage zuvor bei der Begegnung zwischen Uruguay und Costa Rica. Die Partie hatte aus deutscher Sicht eine besondere Note, weil sie von Felix Brych geleitet wurde.

Dieser Umstand elektrisierte Bartels offenbar so sehr, dass er sich fortan fast schon liebevoll jedem Schritt des Schiedsrichters widmete und dabei jedes Maß verlor. Zum Höhepunkt nominierte er Brych für einen Einsatz im WM-Finale. Bartels könnte dann wieder aus erster Hand berichten, denn er wurde bereits vor der WM als Kommentator des Endspiels bestimmt. Es gibt für diese Maßnahme arbeitsorganisatorisch sicherlich ein paar gute Gründe. Orientiert am Zuschauerzuspruch ist sie jedenfalls nicht. An der Leistung erst Recht nicht.

Dementsprechend entspannt können Bartels und Co. von einem Fehler zum nächsten stolpern und müssen keine größeren Konsequenzen fürchten. Das ist in dem einen oder anderen Fall auch hierarchisch schwierig. Steffen Simon ist Sportchef der ARD und müsste sich im Endeffekt selbst degradieren. Eine Bewerbung dafür hat er bei der Begegnung zwischen dem Iran und Nigeria abgeliefert, als er ziemlich sinnentleert fachsimpelte: "Die Iraner, das sind Südländer, da ist nicht alles perfekt organisiert." Bei der ARD liefen die Telefone heiß, Simon entschuldigte sich immerhin noch während der Übertragung. Bisher die positive Erscheinung im Ersten war Gerd Gottlob ohne größere Ausreißer nach unten.

Bela Rethy in eigener Welt

Das ZDF hat vier Kommentatoren im Einsatz. Nur einer von ihnen hat sich bisher wohltuend für weitere Aufgaben empfehlen können. Oliver Schmidt liefert solide Leistungen ab, auch er hat sich schon ein paar Aussetzer geleistet. Es sitzen aber auch keine Roboter hinter den Mikrofonen. Gefühlsausbrüche sind durchaus gewünscht, sie sollten nur annähernd an der richtigen Stelle platziert werden.

Diese durchaus nachvollziehbare Anforderung an einen Kommentator kann leider Bela Rethy noch nicht einmal im Ansatz erfüllen - seine Reportagen sind bisweilen wie aus einer eigenen Welt. Dazu kommen Analysen wie diese: "Frankreich muss aufpassen. Wenn Honduras in Führung geht, wird es echt knifflig." Oder: "Kein Tor!. Doch Tor!"

Medienwissenschaftler Weischenberg stellt den Machern ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis aus, wenn er feststellt: "Das Fernsehen macht sich zu wenig Gedanken über die Qualität der Berichterstattung." Man kann sich bei der WM selbst ein Bild davon machen.

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(RP)
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