Kolumne zur WM 2018 von Berti Vogts: Zurück zur Wertarbeit

WM-Kolumne von Berti Vogts : Zurück zur Wertarbeit

Unsern Autor Berti Vogts gratuliert Frankreich zum verdienten WM-Titel und dankt Russland für eine tolle WM. Für die DFB-Elf könne diese WM eine wichtige Erfahrung gewesen sein.

Das war sie also, die WM in Russland. Ich möchte sagen: Bravo, Frankreich zum verdienten WM-Triumph. Aber auch: Danke, Russland für eine schöne WM. Ich habe ja schon betont, dass die Teams, die erfolgreich waren, deutscher gespielt haben, als wir Deutschen. Die anderen Nationen haben von uns gelernt. Nun ist es an uns, von den anderen zu lernen. Wir können von jedem Team, das im Halbfinale war, etwas herausfiltern, das uns voranbringen kann.

Frankreich hat den Titel mit großer Disziplin, Ordnung und taktischer Raffinesse gewonnen, im entscheidenden Moment kam die hohe Qualität der Einzelspieler dazu. Frankreichs Ausbildung war schon immer klasse. Ich sage: In der Trainerausbildung müssen Auslands-Praktika verpflichtend dazu gehören.

Belgien war für mich das spielerisch beste Team. Es macht Freude, sich Hazard oder De Bruyne anzuschauen, zu sehen, mit welcher Eleganz, mit welchem Tempo, aber auch mit welcher Zielstrebigkeit sie unterwegs sind. Die Willensstärke der Kroaten war beeindruckend. Selbst im Finale konnte sich Frankreich mit dem 4:2-Vorsprung nicht sicher sein. Eine solche Willenskraft war früher ein Merkmal der deutschen Teams.

Von den Engländern können wir uns die Qualität der Standards abschauen. Ruhende Bälle werden immer wichtiger im Fußball. Wohl dem, der sie beherrscht.

Mein Fazit einer WM, die für uns  Deutsche alles andere als schön war: Wenn wir die richtigen Schlüsse daraus ziehen, kann es eine wichtige Erfahrung gewesen sein. Zuvorderst geht es darum, dass „Die Mannschaft“ nicht mehr nur Slogan ist, sondern wieder echte deutsche Fußball-Wertarbeit abliefert. Am 6. September spielen wir in der Nations League gegen den Weltmeister. Das muss ein erster Meilenstein für eine neue Zeitrechnung sein.