„Großes Risiko“ Human Rights Watch warnt Homosexuelle vor WM-Reise

Frankfurt/Main · Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warnt homosexuelle Personen vor einer Reise zur Fußball-Weltmeisterschaft in Katar.

 Hinweis auf die Fußball-WM in Katar auf einer Verkehrsinsel in der Hafenstadt Al Ruwais.

Hinweis auf die Fußball-WM in Katar auf einer Verkehrsinsel in der Hafenstadt Al Ruwais.

Foto: obs/Christian Charisius

Verstecken wollte der offizielle Botschafter der WM in Katar seine glasklare Haltung mal so gar nicht. Er habe Probleme damit, wenn Kinder Schwule sähen, gab Khalid Salman unverblümt zu. Denn diese würden dann etwas lernen, was nicht gut sei. In seinen Augen sei Schwulsein schließlich „haram“. Also verboten und gar „ein geistiger Schaden“, so der ehemalige Nationalspieler in der ZDF-Dokumentation „Geheimsache Katar“.

Nach diesem Satz grätscht der Pressesprecher des Organisationskomitees dazwischen, bricht das Interview ab. Noch mehr sollten sich die Macher der umstrittenen Weltmeisterschaft dann wohl doch nicht selbst entlarven.

Die Worte Salmans lassen tief blicken. Denn offenkundig ist die ablehnende Haltung gegenüber Homosexuellen im Emirat weiter tief verankert, viele Versprechungen der vergangenen Wochen wirken nun wie reine Lippenbekenntnisse.

Für Human Rights Watch kommt das alles andere als überraschend. Es bestehe „ein großes Risiko“, dass das Zeigen von gleichgeschlechtlicher Liebe „geahndet wird - egal welche Zusicherungen es gibt“, sagte Wenzel Michalski, Deutschland-Direktor der Menschenrechtsorganisation: „Katar ist kein Rechtsstaat. Da kann man nichts einklagen.“ Er „warne“ deshalb alle Personen der LGBTQ-Community vor einer WM-Reise.

Der Lesben- und Schwulenverband forderte das Auswärtige Amt gar auf, in Sachen Katar „eine explizite Reisewarnung für alle Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans*, intergeschlechtliche und queere Menschen (LSBTIQ*) auszusprechen“, so Vorstandsmitglied Alfonso Pantisano. Darüber hinaus sei die Bundesregierung gefordert, „konsequent alle diplomatischen Reisen während und zur WM in Katar abzusagen“, führt er aus.

Homosexualität steht im Emirat unter Strafe, doch für die Weltmeisterschaft gibt es Bekenntnisse. „Alle Menschen, egal woher sie kommen, wen sie lieben und woran sie glauben, müssen bei der WM sicher sein. Jeder Fan muss sich frei und ohne Angst bewegen können“, hatte Innenministerin Nancy Faeser nach ihrer Inspektionsreise in der vergangenen Woche gesagt: „Diese Sicherheitsgarantie hat mir der Premierminister gegeben.“

Auch wenn die Aussagen Salmans „schrecklich“ seien, vertraue sie weiter dieser Sicherheitsgarantie, ergänzte sie am Dienstag. Faeser habe sich „belügen lassen“, monierte dagegen Pantisano.

„Wenn jetzt gesagt wird, dass die WM bedenkenlos für queere Menschen sei, ist das ein fatales Zeichen für die queere Community in Katar“, sagte Christian Rudolph von der Anlaufstelle für sexuelle Vielfalt des Deutschen Fußball-Bundes (DFB): „Welches Katar hat denn Nancy Faeser bitte gesehen? Dann kann sie sich auch gleich durch Nordkorea führen lassen.“ In Zürich forderten Schweizer LGBTQ-Organisationen vor den Toren des FIFA-Museums mehr Einsatz des Weltverbandes bei den WM-Gastgebern für den Schutz unterschiedlicher Formen von Sexualität.

Auch Michalski würde Homosexuellen bei allen Bekundungen raten, „sehr vorsichtig“ zu sein. Es solle keiner auf den Schutz des Weltverbandes FIFA oder heimischer Politiker hoffen. „Da ist eine Feigheit zu sehen“, führte er bei Sky aus: „Da kann man sich als Fußballfan nicht drauf verlassen, dass man geschützt wird, wenn man dort in Gefahr kommt.“ Mögliche Maßnahmen Katars würden von Stockhieben bis hin zu Gefängnisstrafen reichen.

Aus Deutschland hat mit Alexander Wehrle ein prominenter Vertreter trotz seiner Homosexualität seine Reise zur WM angekündigt. Er wolle „ein Zeichen setzen“, betonte der Aufsichtsratschef der DFB GmbH.

Wie Katar damit umgeht, bleibt erst recht nach den jüngsten Aussagen spannend. „Jeder wird akzeptieren, dass sie hierherkommen. Aber sie werden unsere Regeln akzeptieren müssen“, so Salman vielsagend.

(SID/stja)
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