Fifa-Präsident beim G20-Gipfel Infantino wirbt für Feuerpause in der Ukraine während der WM

Mali · Kurz vor dem Stichtag für die Präsidentenanwärter hat sich Gianni Infantino als Friedensstifter präsentiert und für eine Feuerpause in der Ukraine geworben. Der umstrittene Fifa-Chef peilt seine Wiederwahl an.

Fifa-Präsident Gianni Infantino beim G20-Gipfel auf Bali.

Fifa-Präsident Gianni Infantino beim G20-Gipfel auf Bali.

Foto: dpa/Leon Neal

Gianni Infantino hatte das Sakko ausgezogen und die Ärmel hochgekrempelt, in seine Stimme packte er einen flehentlichen Ton. „Meine Bitte an Sie alle ist, über einen vorübergehenden Waffenstillstand für einen Monat während der Weltmeisterschaft nachzudenken“, appellierte der Fifa-Präsident an die Führer der Welt - und präsentierte sich beim G20-Gipfel als besorgter Friedensstifter für die Ukraine.

Dem skandalumwitterten Weltverbands-Boss muss zugute gehalten werden, dass er bei seiner Rede in Indonesien eine überraschend gute Figur machte. Im Gegensatz zu seinen oft peinlichen Auftritten in der jüngeren Vergangenheit gab Infantino recht überzeugend den Staatsmann, als er US-Präsident Joe Biden, Bundeskanzler Olaf Scholz und dem russischen Außenminister Sergej Lawrow die bevorstehende Endrunde in Katar als „Anlass für eine positive Geste“ anbot.

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Foto: dpa/Marius Becker

Seine medienwirksame Vorstellung gelang Infantino zum bestmöglichen Zeitpunkt. Schließlich beginnt am Sonntag nicht nur die umstrittenste Endrunde der Geschichte, die der Fifa-Chef unablässig gegen die heftige Kritik verteidigt. Auch für seine persönlichen Pläne konnte Infantino auf Bali werben.

Schließlich endet am Mittwoch die Frist, innerhalb der Kandidaten für den Chefposten beim Weltverband zugelassen werden können. Obwohl der seit 2016 im Amt befindliche Infantino schwer in der Kritik steht, gilt der Schweizer als großer Favorit.

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Bisher gibt es keinen Gegenkandidaten für den Nachfolger von Joseph S. Blatter, der bereits 2019 ohne einen Kontrahenten im Amt bestätigt worden war. Die Präsidentenwahl geht im März 2023 beim 73. Fifa-Kongress in Kigali/Ruanda über die Bühne. Dabei haben alle 211 Mitgliedsländer jeweils eine Stimme.

Sollte der 52-Jährige erneut gewählt werden, würde er in seine letzte Amtszeit gehen. Mehr als zwölf Jahre an der Fifa-Spitze lässt die Satzung nicht zu. Da die Kontinentalverbände aus Südamerika, Asien, Afrika und Ozeanien bereits ihre Unterstützung für Infantino signalisiert haben, scheint seine Wiederwahl sicher zu sein.

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Foto: dpa/Sven Hoppe

Trotz dieser Ausgangslage lässt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) noch offen, ob er Infantino unterstützen wird oder in die Opposition geht. „Der DFB hat bisher keinen Kandidaten nominiert“, ließ der Verband den SID wissen. Die Chefetage des größten Einzelsportverbands der Welt weiß natürlich auch, dass sie angesichts der zementierten Mehrheit im Falle einer Opposition auf verlorenem Posten steht.

Doch wenn weitere Teile der Europäischen Fußball-Union (UEFA) ihren vorhandenen Unmut über den früheren UEFA-Generalsekretär zum Ausdruck bringen würden, wäre das immerhin ein Zeichen. „Der DFB ist in verschiedenen Gruppen im engen Austausch mit anderen europäischen Verbänden“, antwortete der DFB auf die Frage, welche Rolle die Zusammenarbeit mit anderen europäischen Ländern hinsichtlich der Fifa-Wahl spiele.

Infantino steht aufgrund einer stetig wachsenden Zahl von Skandalen und Kontroversen seit langer Zeit in der Kritik. Zuletzt berichten selbst seriöse Medien immer wieder über Indizien, wonach Infantino durch ein Komplott gegen den eigentlich als Blatter-Nachfolger vorgesehenen Michel Platini an die Macht gekommen sei.

Zudem läuft in der Schweiz nach wie vor ein Strafverfahren gegen Infantino, der mittlerweile teilweise in Katar lebt. Nach Ansicht Blatters („Infantino ist ein unmöglicher Typ“) werde das „seine Gründe“ haben: „Doha würde ihn eher nicht ausliefern, wenn die Schweizer Justiz etwas gegen ihn in der Hand hat.“

All das schert Infantinos Unterstützer wenig. Das hat vor allem finanzielle und strategische Gründe. Die kleinen Länder sind auf die Zuwendungen der Fifa angewiesen - für die Infantino sorgt. Und zahlreiche große Verbände brauchen jene kleine Länder, wenn sie ihre Chancen auf die Vergabe der WM 2030 intakt halten wollen.

Ein Geben und Nehmen also - wie seit jeher bei der Fifa.

(ako/sid)
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