Fußball-WM 2018: Die Favoriten im Formcheck

WM-Favoriten im Formcheck: Spanien schon in WM-Form, deutsche Gegner schwächeln

Die Weltspitze ist bei dieser Weltmeisterschaft qualitativ gefühlt so nah beieinander wie noch nie zuvor. RP liefert einen Überblick über die aktuelle Form der WM-Mitfavoriten sowie der deutschen Gruppengegner in der Länderspielpause.

Frankreich

Das Testspiel der Franzosen im heimischen "Stade de France" gegen Kolumbien verlief aus französischer Sicht unter dem Motto "Erst zauberhaft, dann stümperhaft". So ging die Mannschaft von Didier Deschamps in der ersten Halbzeit schnell mit 2:0 in Führung. Die Tore erzielten Olivier Giroud vom FC Chelsea und AS Monacos Tomas Lemar. Dem 2:0 durch Lemar ging eine traumhafte Kombination über die Offensiv-Stars Antoine Griezmann und Kylian Mbappe hervor. Danach schlichen sich jedoch viele Unkonzentriertheiten bei den Franzosen ein. Viele einfache Ballverluste führten zu zahlreichen Chancen der Kolumbianer. So konnte Muriel noch vor der Pause verkürzen. Nach der Pause drängten die Kolumbianer weiter auf den Ausgleich. Nach einer schönen Kombination der beiden Superstars James Rodriguez und Radamel Falcao kamen die Südamerikaner dann zum verdienten Ausgleich. Kurz vor Schluss wurden die Gäste für ihren Aufwand noch mit dem Sieg belohnt. Nach einem klaren Foul im Strafraum von Samuel Umtiti vom FC Barcelona verwandelte Juan Quintero den fälligen Elfmeter souverän und entschied somit das Spiel für sein Team. Besser machten es die Franzosen im zweiten Test bei WM-Gastgeber Russland. Mit 3:1 gewann das Team von Didier Deschamps das Spiel, die Tore erzielten Mbappe, der gleich doppelt traf, sowie Paul Pogba per Freistoß. Bei den Franzosen ist also gerade defensiv und im Spielaufbau bis zur WM noch einiges zu tun, ihre enorme Qualität ließen die Franzosen dennoch immer mal wieder aufblitzen, gerade im Offensiv-Bereich.

England

Nachdem englische Fans in Amsterdam mit Randale negativ auf sich aufmerksam machten, gaben die "Three Lions" auf dem Platz beim Test in den Niederlanden ein deutlich besseres Bild ab. Die freudige Nachricht für das Team von Gareth Southgate war sicherlich, dass man auswärts eine defensiv stabile Leistung zeigte und das Spiel durch ein Tor von Jesse Lingard mit 1:0 gewann. Nach vorne ging bei den Engländern aber auch nicht wirklich viel. In einer ereignisarmen, eher schwachen Partie fehlte es beiden Mannschaften an Kreativität in der Offensive. Ähnlich lief die Begegnung im heimischen Wembley-Stadion gegen Italien ab. Nachdem Jamie Vardy die Engländer in Führung brachte, glich Lorenzo Insigne durch einen umstrittennen Foulelfmeter kurz vor Schluss aus. Gerade im Spiel nach vorne wartet also noch Arbeit auf die Engländer, auf der Abwehr-Leistung lässt sich aber sicherlich aufbauen.

Brasilien

Die Brasilianer zeigten sich im ersten Test dieses Jahres auch ohne ihren Superstar Neymar in sehr guter Form. Über 90 Minuten dominierten die Südamerikaner WM-Gastgeber Russland. Diszipliniert und spielfreudig zugleich, hätte der 3:0-Sieg durchaus noch höher ausfallen können. Für die starke Selecao trafen Miranda, Coutinho und Paulinho. Auch im Test in Berlin gegen Deutschland (1:0) bestätigte die Selecao den positiven Eindruck des ersten Testspiels. Mit dieser mannschaftlichen Geschlossenheit und defensiven Ordnung sind die Brasilianer definitiv wieder ein Favorit auf den Titel.

Argentinien

Starke Argentinier konnten das italienische Bollwerk auch ohne ihre Topstars Lionel Messi und Sergio Agüero knacken. Nachdem die Gauchos in der ersten Hälfte, unter anderem in Person von Gonzalo Higuain, mehrmals an Italiens Schlussmann Gianluigi Buffon scheiterten, erlöste Ever Banega vom FC Sevilla die Mannschaft von Jorge Sampaoli in der zweiten Halbzeit mit einem schönen Flachschuss aus der zweiten Reihe. Für den 2:0-Endstandt sorgte schließlich Manuel Lanzini mit einem klasse Schuss in den Winkel nach einem Konter. Ein erschreckendes Bild lieferten die Argentinier allerdings im zweiten Test gegen Spanien ab. Im Wanda Metropolitano zu Madrid wurden sie von den Gastgebern mit 6:1 abgefertigt. Wieder ohne Messi, der schon zwölf Minuten vor Schluss die Tribüne verließ, wurden den Gauchos diesmal ihre Grenzen von furios spielenden Spaniern aufgezeigt. Defensiv fehlerhaft im Minutentakt und offensiv ohne Messi zu harmlos, ist Argentinien in dieser Form kein ernstzunehmender Titel-Anwärter. Mit einem fitten Lionel Messi als Heilsbringer kann das bei der WM aber auch schnell wieder anders aussehen.

Spanien

War der erste Eindruck der Spanier im Test gegen Deutschland in Düsseldorf schon positiv, setzte sich "La Roja" mit dem zweiten Test gegen Argentinien in Madrid endgültig wieder auf die Karte der Topfavoriten für den WM-Titel. Im nagelneuen Stadion von Atletico Madrid wurde der Vize-Weltmeister Argentinien wie im Lehrbuch vorgeführt. Ein 6:1 stand am Ende auf der Anzeigetafel. Besonders Real-Star Isco erlebte einen Gala-Abend – drei Tore steuerte er zum Erfolg der Spanier bei. Teilweise spielten sich die Iberer mit herrlichen Kombinationen in einen regelrechten Rausch. Die weiteren Treffer erzielten Diego Costa, Thiago vom FC Bayern und Iago Aspas. der Treffer von Nicolas Otamendi für die Argentinier war nur Ergebniskosmetik. Wenn die Spanier die Form dieses Abends mit nach Russland nehmen können, ist mit ihnen definitiv zu rechnen.

Portugal

Beim Aufeinandertreffen der beiden zurzeit besten Torjäger Europas, Mohamed Salah und Cristiano Ronaldo, waren in Zürich beide auch für ihre Nationen treffsicher. Salah vom FC Liverpool brachte die Ägypter mit einem schönen Schuss aus dem Hintergrund in Führung. Bis in die Nachspielzeit sah Ägypten auch wie der Sieger aus. Doch schließlich hatte Weltfußballer Ronaldo noch etwas einzuwenden und verhinderte die portugiesische Testspiel-Pleite. Mit zwei Kopfball-Toren in der zweiten und der vierten Minute der Nachspielzeit entschied der Superstar das Spiel noch überraschend zu Gunsten seiner Mannschaft. Wieder einmal. Im anschließenden Spiel gegen die Niederlande war jedoch auch "CR7" machtlos. Mit 0:3 gingen die Portugiesen gegen "Oranje" unter. Schon vor der Pause waren alle Treffer gefallen. Für die Holländer waren Memphis Depay, Ryan Babel und Virgil van Dijk erfolgreich. Das Gesamtbild der Portugiesen ist nach zwei Spielen also mehr schlecht als Recht. An den EM-Triumph von 2016 anzuknöpfen, könnte für Portugal in der Form schwer werden.

Deutsche Gruppengegner

Von den deutschen Gruppengegnern konnten lediglich die Mexikaner einen Sieg verbuchen. Mit einem überzeugenden 3:0 konnte sich "El Tri" gegen WM-Teilnehmer Island durchsetzen, auch wenn das Ergebnis in der Höhe zu deutlich war und auch die Isländer eine Vielzahl von Chancen ausließen. Das zweite Spiel verloren auch sie gegen Kroatien mit 0:1. Schweden musste sich zuhause Chile mit 1:2 geschlagen geben. Auf einen Traum-Volley des Münchners Arturo Vidal antworteten die Schweden prompt mit einer Traum-Kombination, initiiert durch den Leipziger Emil Forsberg und vollendet durch Ola Toivonen. Debütant Marcos Bolados konnte das Spiel schließlich per Abstauber in der Schlussminute für die Chilenen entscheiden. Ohne Forsberg waren die Schweden im zweiten Test dann deutlich zu harmlos. 0:1 verloren die Skandinavier gegen Rumänien. Der dritte Gruppengegner ist ebenfalls noch nicht in WM-Form. Südkorea verlor trotz optischer Überlegenheit und Führung mit 1:2 in Nordirland und anschließend mit 2:3 in Polen, bei denen unter anderem Robert Lewandowski traf. Fürchten muss die deutsche Nationalmannschaft die Gruppengegnern nach aktuellem Stand der Dinge also nicht.

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